Brunnthal Bienenfleißig am Morden

Schreibt in hoher Frequenz den Abgang ihrer Romanfiguren herbei: die Brunnthalerin Bettina Sprenzel

(Foto: Angelika Bardehle)

Bettina Sprenzel hat den fünften Krimi innerhalb zweier Jahre geschrieben

Von Johanna Lehn, Brunnthal

Stadtimker Willy Kirsch will eben nach seinen Bienen schauen. Kurz darauf trifft die Journalistin und Autorin Agatha-Christine Bumblebee in seinem Hinterhof ein und findet den Imker tot zwischen seinen Bienenstöcken auf.

Nur wenige Seiten von Bettina Sprenzels neuem Buch "Summ, summ, summ ... Wer mordet hier herum?" hat der Leser verschlungen, bis der Mörder schon zuschlägt und die Polizei ermittelt. Nach "Totrelaxed!" ist dies nun der zweite Mordfall, in den die Hauptfigur A.C. Bumblebee stolpert. Vor zwei Jahren hat Sprenzel angefangen zu schreiben, seither hat sie fünf Bücher herausgebracht. Nach jedem Arbeitstag im Kolpinghaus und am Wochenende setzt sich die in Brunnthal lebende Autorin an den Schreibtisch. Andere vertreiben sich die Abendstunden vor dem Fernseher, sie erfindet lieber den gewaltsamen Tod einer neuen Romanfigur. Innerhalb von zwei Monaten denkt sich die energiegeladene Fünfzigjährige einen neuen Fall aus und bringt ihn zu Papier.

Seit ihrer Kindheit hat Sprenzel den Wunsch, Autorin zu werden. Damals schon habe sie eine lebhafte Fantasie gehabt und mehr Bücher als T-Shirts mit in den Urlaub genommen. Selbst Romane zu schreiben, hat aber erst 2015 geklappt. "Das Leben holt einen von den Träumen weg", sagt sie. So fasst sie Banklehre, Heirat, Geld verdienen und das Großziehen dreier Kinder zusammen. Jetzt, da alle Kinder aus dem Haus sind, findet sie Zeit zum Schreiben.

Als sie eines Abends gerade ein Buch in der Badewanne fertig gelesen hatte, kam ihr die Idee zu ihrer ersten eigenen Geschichte. Durch Zufall entdeckte sie kurz darauf beim Durchblättern eines VHS-Katalogs den Kurs "E-Books schreiben und vermarkten". Damit begann ihr Dasein als sogenannte "Self-Publisherin". Sie machte sich also nicht auf die Suche nach einem Verlag, der ihr Buch vertreiben wollte, sondern verlegte es selbst. Lektorat und Design des Covers überlässt sie Spezialisten.

Hauptsächlich verkauft sie E-Books über Amazon oder Tolino, in Buchhandlungen stehen ihre Bücher eher nicht. Der Vertrieb von E-Books sei für Selbstverleger einfacher als der von gedruckten Büchern. An einem durchschnittlichen Tag verkauft Sprenzel 15 bis 20 E-Books. Ist ein Buch brandneu, sind es auch einmal 50. "Der Montag läuft schlecht", zieht sie Bilanz. Dennoch hat die gebürtige Münchnerin keinen Grund zum Jammern: Mehr als 15 000 Exemplare hat die Schriftstellerin von ihren fünf Büchern bisher verkauft. Wer denkt, von dem Geld fahre sie mit ihrem Mann in den Urlaub, irrt: Der Erlös ihrer Krimis kommt ihrem Hausdarlehen zugute. Ihr Ziel ist es, irgendwann einmal vom Schreiben leben zu können.

Das Leben als Self-Publisherin mache ihr großen Spaß, erzählt sie begeistert. Als Autorin sei sie frei in ihrer Arbeitsweise und Themenwahl, bei einem Verlag müsste sie bestimmten Vorgaben folgen. Diese Freiheit hat aber ihren Preis: Sprenzel muss ihre Werbung selbst schalten, hauptsächlich über Facebook und Buchblogger, die über ihre Krimis schreiben. Ein Buch herauszubringen, das heißt Korrektur lesen lassen, Covergestaltung und erste Werbung, kostet sie 2000 Euro. An einem E-Book verdient sie ungefähr zwei Euro, mehr als an einem gedruckten Exemplar.

Dass so viel über das Internet läuft, hat auch seine Vorteile: Quer durch Deutschland hat die Autorin Kontakte zu anderen Selbstverlegern geknüpft. Sie sind mehr Kollegen als Konkurrenten und unterstützen sich gegenseitig. Allerdings gebe es auch hier missgünstige Autoren, die Hassrezensionen über neue Werke von anderen Autoren verfassten, erzählt sie.

Die meisten Rückmeldungen erhält sie ebenfalls online, vor allem über ihre Autorenseite auf Facebook. Dort tauscht sich die Schriftstellerin direkt mit Lesern aus und plant in Zukunft kleine Lesungen per Video. Im Landkreis direkt vor Publikum sind die bisher selten. Trotzdem: Auch am Supermarktregal wird sie manchmal erkannt, sagt die Autorin.

Mit ihren Krimis greift Bettina Sprenzel verschiedene Problematiken auf, meist aus der Umwelt. In ihrem neuen Fall widmet sie sich Bienen, einem Thema, das ihr als Gartenliebhaberin persönlich sehr am Herzen liegt. Abgesehen von der Bedrohung durch Pestizide in Unkrautvernichtern fänden sie nämlich in ordentlich angelegten Gärten nur noch wenig nützliche Pollen, sagt Sprenzel. Ihre Hintergrundinformationen bekommt sie in Fachbüchern, im Internet und durch Gespräche mit Spezialisten. Für ihren neuen Krimi durfte sie die Bienen auf dem Dach des Polizeipräsidiums besuchen. Der Polizeiimker konnte ihr dabei Informationen sowohl über die Imkerei, als auch über die Polizeiarbeit geben. Das Präsidium ist auch ein Schauplatz des Buches, der Polizeiimker einer der Charaktere. Alle anderen Orte und Handlungen hat die Autorin erfunden. Nur die Protagonistin sei an Sprenzel selbst angelehnt. Und das nicht nur, weil beide Selbstverlegerinnen sind.

Manchmal hat die Brunnthalerin bereits das Grundgerüst eines neuen Falls im Kopf, bevor sie mit dem Schreiben beginnt, manchmal schwebt ihr zuerst der Titel vor. In jedem Fall skizziert die Autorin ihre Geschichte, bevor sie schreibt. "Doch diese Geschichte lebt", sie entwickele sich auch einmal anders als geplant, erzählt sie. Auch wenn ihr neues Buch gerade erst erschienen ist und Zeit zum Durchatmen wäre, sitzt Sprenzel schon wieder jeden Abend fleißig an einem neuen Krimi, in dem ein ordentlicher Mord natürlich nicht fehlen darf. Keine Frage, dass ihre Hauptfiguren auch dort der Polizeiarbeit wieder in die Quere kommen. Bettina Sprenzel grinst voller Tatendrang: "Die nächsten fünf Bücherideen stehen schon." Damit sind die nächsten zwei Jahre quasi gesichert.