Lehrermangel Wenn der Hausmeister vor der Klasse steht

An vielen Grundschulen fällt wegen Lehrermangels immer wieder Unterricht aus.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Eltern, Rektoren und Schulamt beklagen Unterrichtsausfälle an den Grundschulen. Zwar hat sich seit Ende der Osterferien die Lage entspannt, doch es fehlen weiterhin Lehrer - auch in der Mobilen Reserve.

Von Bernhard Lohr

Die schlimmsten Tage könnten überstanden sein. Doch von einer echten Entspannung mag an den Grundschulen im Landkreis München keiner sprechen. Es fehlt weiter an Lehrern, Unterricht fällt aus, Schulen müssen mit Aushilfen jonglieren und Krankheitsfälle können kaum kompensiert werden, weil die Mobile Reserve an Lehrkräften ausgedünnt ist. Eltern und auch Schulleitungen fordern deshalb, das System in Zukunft krisenfester aufzustellen. Auch das Staatliche Schulamt räumt Handlungsbedarf ein.

Eine echte Belastungsprobe hatten die Grundschulen in der Woche vor den Osterferien zu bestehen. Lehrer fielen wegen der Grippewelle aus, hinzu kam die Anordnung des Kultusministeriums, wonach schwangere Lehrerinnen zu Hause bleiben mussten, sobald ein Influenzafall an ihrer Schule aufgetreten war. Ersatz war kaum möglich, weil auch Lehrerinnen der Mobilen Reserve ausfielen. Der Notstand bei den Aushilfskräften dauert an: Von 64 Lehrern der Mobilen Reserve werden 26 bis Schuljahresende nicht zurück erwartet - wegen Schwangerschaft oder Krankheit.

In Unterhaching etwa fehlten vor Ostern an der Grundschule an der Jahnstraße die Leitungen von drei der fünf vierten Klassen - ausgerechnet in einer Phase des Schuljahrs, in der es um den Übertritt an Gymnasium oder Realschule geht. Man habe das "Menschenmögliche" unternommen, versichert Konrektorin Angelika Fischer. Doch die Unterhachinger hatten Pech: Auch die Fachkraft aus der Mobilen Reserve fiel aus.

Eltern haben sich an das Kultusminieterium gewandt

In Haar war die Lage in der Grundschule am Jagdfeld ähnlich schwierig. Drei Klassenleitungen in der ersten Jahrgangsstufe fielen aus. Ein Lehramtsstudent, der zur Unterstützung gekommen war, wurde nach Ismaning abgezogen, weil dort die Lage noch schwieriger war. Zwischenzeitlich musste sogar der Hausmeister eine Klasse beaufsichtigen. In Notsituationen ist so etwas laut Schulamt zulässig.

Schulleiterin Juliane Dworzak räumt die schwierige Lage ein. Die Möglichkeit, mit Förderlehrern und Teilzeitkräften einen Klassenlehrer zu ersetzen, sei begrenzt. Eine Teilzeit-Lehrerin sei sogar bereit gewesen, für eine begrenzte Zeit ihre Stundenzahl aufzustocken. Doch das Schulamt lehnte dies wegen fehlender finanzieller Mittel ab.

Elternbeiräte haben sich inzwischen an das Schulamt und an das Kultusministerium gewandt. "Es fällt uns seit längerer Zeit auf, dass kein Ersatz kommt, wenn Lehrer krank sind", sagt Ulrike Wissing, stellvertretende Elternsprecherin an der Jahnschule in Unterhaching. Wissing würde sich wünschen, dass die Schulen selbst einen personellen Puffer haben, um reagieren zu können. Wenn wegen fehlender Lehrer der Unterricht leidet, blieben gerade die schlechteren Schüler auf der Strecke, sorgt sich die Mutter. Chancengleichheit werde so nicht gewahrt. Auf Anfrage der SZ teilte das Kultusministerium ganz allgemein mit, dass alle Lehrerstellen in Bayern besetzt und die Mobile Reserve ausgebaut worden seien. Zum kommenden Schuljahr sei weitere Verstärkung vorgesehen.

Die Schulleiterinnen Fischer und Dworzak haben Verständnis, wenn sich Eltern an Schulamt und Ministerium wenden. Auch wenn sich die Lage mittlerweile entspannt hat - das Grundproblem besteht fort. Nach wie vor fällt Unterricht aus. In Unterhaching fehlt eine Klassenlehrerin, in Haar sind es gar zwei. Die Mobile Reserve deckt nur einen Teil ab, weil die Kraft nur zwölf Stunden gibt. Dworzak sagt, sie vermisse seit längerem Beistand durch sogenannte Springer. "Eigentlich müsste die Mobile Reserve aufgestockt werden, sonst werden wir große Probleme bis Ende des Schuljahrs bekommen."

Schulamtsdirektorin Sigrid Binder sieht die Herausforderung. Der Bedarf an Lehrern sei hoch. Die Zahl der Grundschüler stieg im Landkreis innerhalb von vier Jahren von 13 783 Grundschülern auf aktuell 14 689. Das macht einen Zuwachs im Jahr von etwa zehn Klassen. Man sei auf junge Lehrkräfte aus anderen Regionen angewiesen, sagt Binder. Doch viele junge Lehrerinnen begännen mit dem Einstieg ins Berufsleben auch mit der Familienplanung.

Dafür, dass Notsituationen wie vor Ostern in Zukunft zu verhindern sind, spricht wenig. Die Zahl der Schüler steigt in der Region weiter, doch an den Universitäten fehlen die Absolventen eines Lehramtsstudiums. So erwartet das Kultusministerium für 2020, dass auf 1840 offene Stellen nur 1280 Anwärter stoßen. Im Jahr 2025 werden 2100 Stellen bei 1440 Anwärtern erwartet. Erst danach soll sich die Lage wieder entspannen. Womöglich wird also noch öfter ein Hausmeister in einer Klasse als Aufsicht einspringen müssen.

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