Engpass in Grundschule Garching West Für 30 Kinder gibt es keine Nachmittagsbetreuung

An der Grundschule Garching West gibt es im kommenden Schuljahr voraussichtlich einen Engpass bei der Nachmittagsbetreuung.

(Foto: Robert Haas)

In der Grundschule Garching West kann die Stadt den Bedarf der Eltern aufgrund von Platz- und Personalmangel im September voraussichtlich nicht decken. An der Schule Ost und in Hochbrück ist die Sitution deutlich besser.

Von Gudrun Passarge, Garching

Licht und Schatten in der Kinderbetreuung in Garching: Während in Hochbrück zum nächsten Schuljahr ein neues offenes Ganztagsangebot geschaffen wird, kann die Stadtverwaltung im September voraussichtlich 30 Kindern der Grundschule Garching West keinen Platz zur Nachmittagsbetreuung zur Verfügung stellen.

"Es ist räumlich nicht möglich und es ist auch personell nicht möglich", sagte Cornelia Otto, Leiterin des Fachbereichs Bildung und Soziales, im Hauptausschuss. Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) betonte, die Stadt sei dran, das Problem zu lösen, so suche sie schon seit längerem eine geeignete Immobilie oder leer stehende Flächen in der Stadt.

Die "katastrophale Situation" in Garching-West, wie Salvatore Disanto (CSU) es nannte, kam auf Nachfrage seiner Fraktion zur Sprache. Sie hatte einen Antrag gestellt, um Auskunft über die Nachmittagsbetreuung an der Grundschule zu bekommen. Otto hatte zuvor geschildert, dass die Stadt bisher schon zahlreiche Bemühungen unternommen hat, um den Bedarf an der Grundschule West zu decken. Eltern können dort wählen zwischen einem gebundenen Ganztagszug, dem Hort und der Mittagsbetreuung der Nachbarschaftshilfe. Außerdem gibt es noch einige Plätze der Jungen Integration, ein Angebot, das sich speziell an Kinder mit Migrationshintergrund richtet.

Ein Arbeitsvertrag wird nach Bosnien geschickt

Um der Nachfrage gerecht zu werden, hatte die Stadt die Zahl der Hortplätze aufgestockt, wofür eine Ausnahmegenehmigung eingeholt wurde, was auch in diesem Jahr wieder erfolgen soll. Außerdem wurde das Stammpersonal nachqualifiziert, damit die vorgegebenen Personalschlüssel eingehalten werden. Wie eng die Personalsituation ist, schilderte Otto an einem konkreten Fall. Die Stadt habe eine Mitarbeiterin aus Bosnien gefunden, die dort Deutsch studiert hat. Ihr wurde der Arbeitsvertrag direkt an ihren bosnischen Wohnort geschickt, erst danach ist sie nach Garching umgezogen.

Überhaupt weise das Personal in der Kinderbetreuung eine hohe Multikulturalität auf. "Aber gerade bei der Hausaufgabenbetreuung ist Deutschsprachigkeit ganz wichtig", sagte Otto, die Stadt müsse darauf achten, das die Mischung passt. "Bei uns funktioniert es ganz gut", sagte Otto.

Konnten bisher fast alle Nachfragen der Eltern befriedigt werden, sieht es im neuen Schuljahr anders aus. Etwa 90 Kinder werden die erste Klasse der Grundschule West besuchen, von ihnen sind 72 in den Betreuungseinrichtungen angemeldet. Rechnet man die frei werdenden Plätze dagegen, werden etwa 30 Eltern leer ausgehen. An der Grundschule Ost bekommen laut Otto vermutlich jedoch alle Kinder einen Platz. Die Entwicklung im Raum München habe so niemand vorhersehen können, bemerkte der Bürgermeister.

Eine hohe Geburtenrate, allein in Garching waren es im vergangenen Jahr 30 Kinder mehr, und der enorme Zuzug stellten die Kommunen vor große Probleme. "Wir versuchen, Lösungen zu finden, aber da wäre mal wieder der Gesetzgeber gefordert." Die Stadt übernehme erhebliche Kosten, die eigentlich der Bund oder der Freistaat leisten müssen, "aber die Leute stehen bei uns in der Tür und leider nicht im Kultusministerium."

Viel besser sieht die Situation dagegen in Hochbrück aus. Dort soll vom kommenden Schuljahr an ein offener Ganztagszug in den Räumen der ehemaligen Filiale der Kreissparkasse am Seilerweg angeboten werden. 17 Anmeldungen gebe es bereits, teilte Otto mit, aber die Stadt setzt darauf, dass es zwei Gruppen werden. Bei einem Elternabend hatten 30 Eltern Interesse bekundet. Weil aber die Räumlichkeiten 600 Meter von der Schule entfernt sind, müssten die Kinder begleitet werden - eine Aufgabe, die die Lehrer nicht leisten können, wie die Schulleiterin der Stadt mitgeteilt hat. Das verteuere aber das Angebot zusätzlich.

Für zwei Gruppen würde die Stadt pro Gruppe Zuschüsse vom Freistaat bekommen, käme nur eine Gruppe zustande, würde es um einiges teurer. Denn der Personalbedarf wäre in beiden Fällen gleich. Als Kooperationspartner haben sich die Arbeiterwohlfahrt, der Kreisjugendring und die Innere Mission München beworben. Rektorin Edeltraud Feirer hat der Stadt aber bereits ihre Präferenz für den Kreisjugendring mitgeteilt, mit dem schon seit längerem eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in den Bereichen Schulsozialarbeit und Junge Integration besteh.

Die Stadt scpringt in die Bresche

Die Entscheidung über den Kooperationspartner liegt bei der Schule, da der Ganztag ein schulisches Angebot ist. Bürgermeister Gruchmann sprach von einer unbefriedigenden Situation. Auch hier müsse "die Kommune wieder "in die Bresche springen für Dinge, die der Staat organisieren sollte. Entscheiden darf es aber wieder die Schulleitung".

Im Hauptausschuss herrschte dennoch Einigkeit. Die Stadt wird nach dem Beschluss ein jährliches Defizit von maximal 50 000 Euro bei einer Gruppe und 80 000 Euro bei zwei Gruppen für das Ganztagsangebot in Hochbrück übernehmen. Geknüpft ist das an die Bedingung, die Kinder von Montag bis Freitag zu betreuen sowie teilweise auch während der Ferien.