Beach Club Phönix aus Aschheim

Die neue Halle ist bereits fast fertig.

(Foto: Florian Peljak)

Vor einem Jahr ist die Beachvolleyballanlage "Roberto Beach" abgebrannt. Während der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter läuft, sind die Arbeiten für eine neue Halle auf dem Gelände fast abgeschlossen.

Von Anna Hordych, Aschheim

Vor knapp einem Jahr ging die Volleyballanlage "Roberto Beach" in Aschheim in Flammen auf. In den Morgenstunden des 9. Februar 2015, als Betreiber Robert Finkel einen Anruf der Polizei bekam, war die Lage bereits hoffnungslos, da brannte seine Halle lichterloh. Jetzt, Anfang Februar 2016, sieht man dem verwüsteten Sandstrand an, dass er im Sommer nicht genutzt wurde. Verlassen stehen ein paar Barhocker im Sand, daneben sind Überbleibsel der Innenarchitektur abgestellt. Doch eine ohnehin geplante neue Halle steht bereits, und auch die abgebrannte Anlage soll wieder aufgebaut werden.

Der Aschheimer "Roberto Beach" mit den Palmen und dem weißen Sand war nicht nur Volleyballfans ein Begriff. Im Beach-Club fanden private Partys und Firmenfeiern statt, man konnte sich auch einfach zum Sonnenbaden verabreden und Cocktails trinken. Nebenan gibt es eine Wasserskianlage, die normalerweise von der Nähe zum "Roberto Park" profitiert, im vergangenen Sommer aber ohne sie auskommen musste.

Der Angeklagte bestreitet die Brandstiftung

Der Brand ist absichtlich gelegt worden - das steht mittlerweile so gut wie fest. Ein Mitarbeiter des Beach-Clubs steht unter dringendem Tatverdacht. Seit vergangener Woche läuft ein Prozess wegen Brandstiftung vor dem Landgericht München. Der Mitarbeiter soll Geld gestohlen und die Halle an mehreren Stellen in Brand gesteckt haben, was er allerdings bestreitet. Geschäftsführer Robert Finkel ist dem jungen Mann vergangenen Mittwoch beim Prozess wiederbegegnet.

Finkel kommentiert den mutmaßlichen Vertrauensbruch nicht großartig. "Du kannst halt in die Leute nicht hineinsehen", meint der Unternehmer in der graugrünen Lederjacke gefasst. Lediglich zweieinhalb Monate habe der Küchengehilfe für ihn gearbeitet, als sich das Feuer ereignete. Es seien merkwürdige Wochen gewesen, zweimal sei Geld gestohlen worden - Diebstähle, die inzwischen ebenfalls mit dem 23-Jährigen in Verbindung gebracht werden.

Küchenhelfer bestreitet Brandstiftung an Aschheimer Beachvolleyballhalle

Vor Gericht zeig sich allerdings: Der Mann scheint in der Tatnacht auf dem Gelände gewesen zu sein - um Bargeld zu stehlen. Von Andreas Salch mehr...

Zuerst hatte Finkel an ehemalige Mitarbeiter gedacht, die vielleicht im Besitz eines Schlüssels sein könnten. Die Beach-Halle hatte über die Zeit einige Mitarbeiter kennengelernt, immerhin seit sechs Jahren hatte der Unternehmer die Halle in Betrieb.

"Die Anlage war gerade fertig"

Im Laufe der Saisons hat der Betreiber immerzu am Strandambiente gefeilt. Die Beach-Anlage in Aschheim, die an einen künstlichen See angrenzt, umfasste fünf Volleyballfelder, ein Restaurant, einen Außenbereich mit Cocktailbar und Liegestühlen. "Die Anlage war gerade fertig", erzählt Inhaber Finkel, "nach all den Jahren konnte ich von der Perfektion sprechen, die ich erreichen wollte." Souvenirs aus Urlaubstrips, mühevoll zusammengesammelte Accessoires hatten der Eventhalle das Flair verliehen, das Finkel für seine Gäste bereitstellen wollte: "Mein Ziel war es, Kurzurlaub anzubieten", sagt er, "dabei kam die Energie, die ich selbst tagtäglich investierte, auch retour zu mir zurück. Die Leute konnten ausspannen und sich merklich erholen." In Sri Lanka verfolgt der Geschäftsmann ein ähnliches Konzept der Erholung, dort baut er ein "Ayurveda"-Zentrum mit 14 Zimmern auf.

Die abgebrannte alte (hier ein Foto aus der Zeit vor dem Brand) soll ebenfalls wieder aufgebaut werden.

(Foto: Angelika Bardehle)

Nachdem sich seine Anlage in Asche verwandelt hatte, geborstene Glasfenster und verkohlte Volleyballnetze buchstäblich die Überbleibsel seiner jahrelangen Arbeit waren, hätte Robert Finkel allen Grund gehabt, den Volleyballsport zu verfluchen und das Handtuch zu schmeißen. Doch er gab nicht einfach auf. Viele Gäste hätten nach dem Brand ihre Bestürzung ausgesprochen, ganze Familien Anteil an dem Desaster genommen und ihm gut zugeredet. Bereut hat Finkel seinen Entschluss, neu anzufangen, nicht: "Das habe ich eigentlich nie infrage gestellt." Einen Großteil des Schadens, der sich auf 2,02 Millionen Euro beläuft, hat die Versicherung übernommen. Mehrere Hunderttausend Euro muss der Unternehmer aber selbst abdecken.

Robert Finkel will die neue Beachvolleyballanlage in Aschheim schon im Frühjahr in Betrieb nehmen.

(Foto: Florian Peljak)

Folgt man den behäbigen Gesten des Mannes, der zwischen Baukränen und Schutt an seiner Zigarette zieht, in den blauen Himmel guckt, glaubt man genauso, dass sich das Geschäft wieder einrenkt. Der Unternehmer, der selber kein Volleyball spielt, will die Anlage wieder so aussehen lassen, wie sie einmal war. Nicht Projekt sagt er, sondern "Verwirklichung", und gleich dahinter fällt das Wort"emotional".

Die zweite Halle war ohnehin geplant

Den Rohbau, den er mit sicheren Schritten durchquert und dessen Boden uneben ist, weil er aus Kratern und unregelmäßig aufgeschichtetem Sand besteht, nennt er den "ursprünglichen Neubau". Ironischerweise war im vergangenen Februar, als sich das Feuer ereignete, dieser Neubau in Ergänzung zur alten Halle schon in Planung. Dass er am Ende gleich zwei neue Hallen würde aufbauen müssen, hatte der Betreiber damals natürlich nicht wissen können.

Vor dem lichtdurchflutetem Glasgebäude, in dem die drei Volleyballplätze angelegt werden sollen, liegt ein ebenso heller, großer, quadratischer Raum, das ist die Grundfläche des Restaurants. Nebenan soll die andere, die alte Beachvolleyball-Halle mit fünf Plätzen betrieben werden. Nach aktuellem Stand könnte der "Roberto Beach" in diesem Frühjahr wieder eröffnen, vorausgesetzt, die Baukräne werden demnächst durch neue Strandpalmen ersetzt.