Angst vor Ehec in München:"Rohkost? Ab in den Müll!"

Alles Gemüse in den Müll oder nochmal waschen und doch noch auf den Tisch? Wie reagieren die Münchner auf den Ehec-Skandal? Ein Rundgang über den Viktualienmarkt.

Ingrid Fuchs

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(Foto: dapd)

Erst BSE-Krise und Gammelfleisch, dann Dioxin-Eier und jetzt die Ehec-Erreger - ein Lebensmittelskandal jagt den nächsten. Besonders vor Salat, Tomaten und Gurken warnt das Robert-Koch-Institut. Nachgewiesen wurden die gefährlichen Erreger zuerst auf Salatgurken aus Spanien. Ein Grund zur Panik an den Gemüseregalen? Die Stimmung auf dem Münchner Viktualienmarkt ...

Angst vor Ehec in München

Rohkost? Ab in den Müll!

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(Foto: N/A)

... ist eher gelassen. "Rohkost? Die kommt bei mir zurzeit nicht auf den Tisch", sagt Anton Fischer (links) und nennt gleich ein Beispiel für seine Vorsicht. "Als ich mir neulich beim Metzger Kartoffelsalat gekauft habe, wurde mir versehentlich der mit Gurken gegeben. Den habe ich dann zu Hause weggeworfen. Ich habe zwar keine Angst, dass ich gleich sterben könnte, aber man will ja auch nicht krank werden." Die selbe Vorsicht lässt Andreas Geiger (rechts) walten. "Ich esse auch keine Rohkost mehr, man weiß ja nie, wo das Zeug herkommt. Eine Gurke sieht immer gleich aus und Bio ist auch nicht wirklich sicher." Dafür sei schon zu viel Schwindel getrieben worden, sind sich die beiden einig. Geiger ist sich aber auch sicher, dass es bald wieder vorbei sein wird: "Da ist irgendwo Unsinn gemacht worden, dass muss man jetzt in absehbarer Zeit in Ordnung bringen. So lange muss man sich beim Essen eben zurückhalten, aber das ist nur eine temporäre Geschichte." Ein bisschen Gemüse ist aber dann doch erlaubt - "Tomatensoße kann man natürlich schon weiterhin essen."

Angst vor Ehec in München

Zu viel Hysterie

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(Foto: Fuchs)

"Schlechte Öffentlichkeitsarbeit und zu viel Hysterie, das sind die beiden Hauptprobleme", kritisiert die Soziologin Sabine Schuhmann. "Es gab schon schlimmere Lebensmittelskandale, dafür ist die Hysterie wegen Ehec derzeit zu groß. Allerdings wird man auch schlecht informiert und weiß nicht genau, was Sache ist. Ich esse jedenfalls sehr gerne Gemüse und tue das auch jetzt noch, man muss eben alles gründlich abspülen. Im Gegensatz zur BSE-Krise hilft es diesmal auch, die Lebensmittel abzukochen. Nur für die Betroffenen ist das jetzt zu spät, für die tut es mir natürlich leid. Auch die Gemüsebauern leiden darunter, für sie entsteht ebenfalls großer Schaden."

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Falafel "mit ohne" Salat?

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Ein Döner nur mit Fleisch oder ein Falafelsandwich ganz ohne Salat? Darauf scheinen die Münchner keine große Lust zu haben. "Salat und Tomaten essen die meisten, nur die Gurken lassen viele weg", erzählt Michael Waie vom orientalischen Imbissladen Sababa. "Ich glaube nicht, dass viele dabei sind, die Angst haben. Manche sind einfach vorsichtig und fragen noch mal nach, ob alles gewaschen ist. Aber das ist ja sowieso selbstverständlich. Ganz selten fragt jemand mal nach der Herkunft unseres Gemüses, aber das ist manchmal auch eher als Witz gedacht. Ich mache mir jedenfalls keine großen Sorgen um meine Gesundheit, ich habe erst heute Morgen Gurken gegessen."

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Kein Vertrauen mehr

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"Des is a wuide Sach", ist Ludwig Eibers erste Bemerkung zum Ehec-Erreger, "alles was ich an Gemüse daheim hatte, habe ich weggeworfen". Der Rentner ist seit dem Ausbruch des jüngsten Lebensmittel-Skandals skeptischer geworden. "Salat wasche ich seitdem mindestens drei Mal. Tomaten habe ich früher eigentlich nie gewaschen, jetzt kauf ich sie gleich gar nicht mehr und Gurken sowieso auch nicht. Ich gehe zum Einkaufen in den Supermarkt, aber den Bio-Sachen vertraue ich nicht, da gab es auch schon Skandale. Und eigentlich kann man den Schildern mit den Ortsangaben auch nicht recht trauen. Die Händler können ja alle Schilder einfach austauschen."

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Nur die Gurken bleiben weg

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"Ich hatte die letzten Tage frei und habe nur im Fernsehen etwas über diesen Erreger gesehen. Deshalb lasse ich die Gurken einfach weg, alles andere esse ich aber weiterhin, da schränke ich mich nicht ein", erzählt Carina Dasilva. "Auf mich wirkt dieser Skandal nicht so schlimm. Aber ich arbeite in einem Restaurant und bin gerade auf dem Weg dorthin, mal sehen, ob die Gäste jetzt andere Wünsche haben und lieber auf Gemüse und Salat verzichten."

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Gemüsefreier Urlaub

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(Foto: Fuchs)

Brezen, Weißwurst und lieber keinen Salat: Vom Ehec-Erreger haben Silvia und Beat Büchler auch in ihrem Heimatland, der Schweiz, schon gehört. "Bei uns ist er zwar noch nicht angekommen, aber ich glaube wir können uns bald darauf einstellen. Jetzt im Urlaub verzichten wir lieber auf frisches Gemüse und Salat, obwohl wir das eigentlich gerne essen. Wir sind zwar mit unserem eigenen Campingwagen unterwegs und könnten die Sachen schon waschen, aber wir fordern es lieber nicht heraus. Die Vorfälle von denen wir bisher gehört haben, irritieren uns natürlich schon ein bisschen. Man ist dadurch beim Essen auch stärker eingeschränkt, als zum Beispiel während der BSE-Krise."

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Kein Salat für Kinder

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(Foto: Fuchs)

"Schon bevor es diese Ehec-Erreger gegeben hat, bin ich immer extra aus Moosach hierher gefahren. Ich habe gesundheitliche Probleme, da ist man automatisch vorsichtiger und achtet mehr auf die Qualität der Lebensmittel. Bei den Händlern hier am Viktualienmarkt weiß ich, woher die Waren kommen", erklärt Janina Wolf. Sie selbst verzichtet zurzeit trotzdem lieber auf Gurken, Salat gibt es aber schon. "Ich bin Pflegerin in einer Kinderkrippe, da passen wir natürlich noch mehr auf. Salat gibt es für die Kinder deshalb momentan lieber nicht."

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Eigenanbau ist gefragt

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(Foto: Fuchs)

Marianne Maier hat gut lachen. Sie weiß, wo ihr Gemüse herkommt, ihre Kunden auch. "An der Laufkundschaft bemerken wir diesen Skandal schon", erzählt die Gemüsehändlerin. "Aber unsere Stammkunden und wer uns kennt, kauft gerade jetzt mehr bei uns. Viele Leute fragen auch, wo Gemüse und Salat herkommen und wollen wissen, ob es wirklich Eigenanbau ist. Unsere Gärtnereien liegen vor München und von dort kommen auch die Waren, die wir hier verkaufen. Wie das mit dieser Verunreinigung passieren konnte, weiß man ja immer noch nicht genau. Aber dass Mist oder Dünger vom Bauern aufs Feld gefahren wird, könnte um München herum sowieso gar nicht mehr passieren, da ist alles schon längst kanalisiert. Auch das Wasser für die Bewässerung wird jedes Jahr untersucht. Ich glaube, uns kann hier nichts passieren."

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Ehec? Interessiert mich nicht.

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(Foto: Fuchs)

An einem Stand auf dem Rindermarkt arbeitet Alveis Jorg, ihn lassen die Warnungen vor den Ehec-Erregern bisher kalt: "Ich esse weiterhin ganz normal Gemüse und Salat. Beim Einkaufen im Supermarkt schaue ich darauf, dass der Salat aus Deutschland kommt, aber das mache ich nicht erst seit Ehec. Ich habe keine Ahnung, was da inzwischen alles vorgefallen ist, das verfolge ich nicht genau. Wenn ich abends nach Hause komme, will ich lieber meine Ruhe haben."

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