A 99 Die 45-Millionen-Auffahrt wird eingeweiht

Die neue Autobahnanschlussstelle steht wegen des Landschaftsverbrauchs und der enormen Baukosten in der Kritik.

(Foto: Georg Barth)
  • Die Anschlusstelle Aschheim/Ismaning an der A99 wird in Betrieb genommen.
  • Komplett fertig ist der Abschnitt aber noch nicht.
  • Das Projekt ist umstritten - wegen der Kostenexplosion gibt es juristische Untersuchungen.
Von Martin Mühlfenzl

An diesem Freitag, 16. Oktober, wird eines der umstrittensten Bauprojekte der jüngeren Vergangenheit im Landkreis München für den Verkehr freigegeben. Voraussichtlich um 10 Uhr sollen erstmals Fahrzeuge die neue Anschlussstelle Aschheim/Ismaning an der A 99 nutzen - eine Ausfahrt, die nicht zuletzt aufgrund der horrenden Baukosten von nahezu 45 Millionen Euro in der Kritik steht; deren Notwendigkeit aber sowohl seitens des Bundes, der Autobahndirektion Südbayern als auch der meisten Kreispolitiker nicht in Frage gestellt wird.

Komplett fertig ist das Mammutprojekt allerdings noch nicht. Noch konnten, so lässt die für den Bau zuständige Autobahndirektion verlautbaren, nicht alle "Fahrbeziehungen", die in den neu gebauten Kreisverkehr führen, fertiggestellt werden. Übersetzt bedeutet dies, dass noch zwei Zufahrten zum sogenannten Overfly-Kreisel nördlich der Anschlussstelle hergerichtet werden müssen. Aus diesem Grund kann auch die neue Überführung über die A 99 von der Kreisstraße M 3 zur Bundesstraße 471 von Aschheim in Richtung Ismaning zunächst noch nicht genutzt werden. In den kommenden drei bis fünf Wochen, das besagt die Prognose der Autobahndirektion, muss die alte Anschlussstelle Aschheim/Ismaning östlich der neuen Ausfahrt daher zusätzlich offen gehalten werden.

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Möglicherweise wird der Termin sogar vorverlegt

"Das ist eine logistische Herausforderung", sagt dementsprechend Andrea Klein, Sprecherin des Landratsamtes München, das für die Ausschilderung an dem hoch frequentierten Verkehrsknotenpunkt verantwortlich zeichnet. "Momentan laufen noch Besprechungen mit der Polizei, wie der Freitag optimal abgewickelt werden kann." Dass die verlegte Ausfahrt tatsächlich am Freitagvormittag gegen 10 Uhr für den Verkehr freigegeben wird, zweifelt Pressesprecherin Klein daher an: "Der Verkehr auf der Autobahn müsste für eine gewisse Zeit vor den beiden Ausfahrten zurückgehalten werden. Ob das am Freitag mitten im Berufsverkehr möglich ist, wird derzeit noch diskutiert. Es kann sein, dass die Freigabe deutlich vorverlegt wird oder erst am späteren Abend erfolgt."

Stau, das war bisher auch das Credo der Bauleitung in der Autobahndirektion, müsse auf einer der meist befahrenen Autobahnen Europas vermieden werden. Diese selbst auferlegte Vorgabe haben die Planer um Bauleiter Gilbert Peiker mit akribischer Planung meist einhalten können; auch zeitlich liegen die Verantwortlichen im Soll.

SZ-Karte

(Foto: )

Die Explosion der Baukosten ist noch nicht aufgearbeitet

Dies gilt freilich nicht für die Finanzierung der Verlegung der Anschlussstelle, deren Aufarbeitung nach wie vor Juristen beschäftigt. Im April dieses Jahres hatte die Autobahndirektion bekanntgegeben, dass es nicht nur unmöglich sei, den Kostenrahmen von 25,4 Millionen Euro einzuhalten - vielmehr verdoppelten sich die Kosten auf 44,5 Millionen Euro. Der Landkreis, dessen finanzielle Beteiligung an dem Projekt ebenfalls von 3,9 Millionen Euro auf 6,9 Millionen explodiert, hatte daraufhin sowohl eine interne Prüfung als auch eine externe Untersuchung aller Planungen rund um die Baustelle beantragt.

Beide Kontrollen sind noch nicht abgeschlossen. Zudem liegt noch ein Antrag der Kreistags-Grünen beim Bundesrechnungshof, ebenfalls mit der Bitte um eine Überprüfung der Vorgänge. Die Finanzkontrolle des Bundes mit Sitz in Berlin hat noch nicht abschließend darüber befunden, ob sie diesem Antrag nachkommen wird.

Unabhängig davon erhoffen sich nicht zuletzt die Gemeinden Aschheim und Ismaning eine Entlastung durch die Anschlussstelle. Und die Kritiker echauffieren sich weiter über Kosten und die enormen Eingriffe in die Landschaft.

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