Landgericht München Vergewaltigung in Uni-Klo: Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafe

Auf einer Damentoilette an der LMU vergewaltigte der 26-Jährige eine Studentin.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Süleyman D. steht vor Gericht, weil er Ende Januar eine Studentin in einer Toilette der Ludwig-Maximilians-Universität vergewaltigt hat.
  • Die Staatsanwaltschaft hat nun sieben Jahre und zehn Monate Haft beantragt. Außerdem soll er in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht werden.
  • Die Verteidiger des 26-Jährigen sind der Meinung, dass ihr Mandant während der Tat nicht schuldfähig gewesen sei.
Aus dem Gericht von Andreas Salch

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger einer Studentin in der Ludwig-Maximilians-Universität hat die Staatsanwaltschaft sieben Jahre und zehn Monate Haft beantragt. Ende Januar war der 26-jährige Süleyman D. in eine Toilette in der Nähe des Audimax der Universität am Geschwister-Scholl-Platz eingedrungen und hatte eine Studentin brutal missbraucht. Wenige Tage später habe er, so die Anklage, erneut versucht, auf derselben Toilette eine andere Studentin zu vergewaltigen.

Laut dem Gutachten eines Psychiaters ist Süleyman D. schizophren. Zum Zeitpunkt der Tat sei seine Schuldfähigkeit jedoch nur vermindert und nicht aufgehoben gewesen. Es bestehe die Gefahr, dass D. auch in Zukunft ähnliche schwere Straftaten begehe. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragte deshalb auch die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik.

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Süleyman D. hatte bei seiner Vernehmung in dem Verfahren vor der 9. Kammer am Landgericht München I weder Angaben zur Tat noch zu seiner Person gemacht. Während der Beweisaufnahme saß der etwas übergewichtige und knapp zwei Meter große ehemalige Fachhochschüler mit gesenktem Blick regungslos auf der Anklagebank. Auf die Fragen des Vorsitzenden, Richter Philipp Stoll, antwortete D. entweder mit Ja oder Nein. Oder er sagte: "Weiß nich'."

Ein Beamter des Polizeipräsidiums München berichtete, der 26-Jährige habe bei den Vernehmungen die Vorwürfe gestanden. Zudem habe er eingeräumt, schon vor der Tat in der Ludwig-Maximilans-Universität auf Damentoiletten gewesen zu sein. D.s Verhalten bei den Vernehmungen sei mitunter infantil gewesen. Einmal habe er "fast wie ein Kind beim Versteckspiel eine Hand vors Gesicht gehalten und geschaut, ob ich noch da bin", berichtete der Ermittler.

Vertreter der Opfer übt Kritik an Richtern und Medien

Die beiden Opfer treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Der Vertreter von Sabine L. (Name geändert), Rechtsanwalt Jochen D. Uher, forderte für die "ausgesprochen brutale" Tat zwölf Jahre Haft sowie die Unterbringung des Angeklagten in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik. Süleyman D. sei frustriert darüber gewesen, dass er mit 26 noch bei keinem Mädchen habe landen können.

Zudem übte der Vertreter der Nebenklage massive Kritik an den Richtern der 9. Kammer. Sie hatten am ersten Verhandlungstag abgelehnt, Sabine L. unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu vernehmen. Angesichts des Grauens, das seine Mandantin erfahren musste, habe sie darauf vertraut, dass das Gericht ihr Opferschutzrecht anerkennt, empörte sich Rechtsanwalt Uher. Da die Kammer zudem auf eine audiovisuelle Vernehmung von Sabine L. verzichtet habe, habe sie die Befragung durch das Gericht, "im Beisein des Angeklagten ertragen" müssen.

Auch das Verhalten der Medien kritisierte der Anwalt. Zwei Kameraleute hätten seiner Mandantin nach ihrer Vernehmung vor dem Gerichtssaal "aufgelauert". Tags darauf habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten, so Uher. Ihr Zustand habe sich seither verschlechtert.

Die Verteidiger von Süleyman D., Rechtsanwältin Heidi Pioch und Rechtsanwalt Ömer Sahnici sagten, ihr Mandant sei bei der Tat aufgrund seiner Erkrankung schuldunfähig gewesen und somit freizusprechen. Gleichwohl solle er aber untergebracht werden. Das Urteil soll am Freitag verkündet werden.

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