Lana Del Rey in München Makellos und unnahbar

Lana del Rey, Kunstfigur und Stilikone. 

(Foto: dpa)

Pompöser Retro-Pop für Weinliebhaber: Lana Del Rey gibt sich bei ihrem Auftritt in München als geheimnisvolle Diva. Sie bezirzt das Publikum mit kraftvollem Gesang und einer makellosen Show - und wirkt dennoch stets entrückt.

Von Thierry Backes

Die Windmaschinen blasen ihr die taillenlangen Haare elegant aus dem Gesicht. Sie füllen auch ihr buntes Sommerkleidchen immer wieder mit Luft, aber nur so weit, dass man ja nicht zu viel sieht. Lana Del Rey wandelt, nein, sie schwebt zwischen Kerzenständern, Palmen, Löwenfiguren und einer angekokelten Stars-and-Stripes-Flagge umher. Die Sängerin, die innerhalb weniger Monate zum Weltstar avancierte, wirkt nicht nur im Fernsehen, sondern auch auf der Bühne des ausverkauften Zenith in München geheimnisvoll und entrückt. Jede ihrer geschmeidigen Bewegungen ist auch Pose. Und jede Pose quittiert das Publikum mit ekstatischem Gejohle, besonders dann, wenn Lana Del Rey dazu lasziv ins Mikrofon haucht. Kann man sich überzeugender als divenhafte Erscheinung inszenieren?

Dabei gibt sich das 26 Jahre alte Popsternchen schon zu Beginn des Abends bemerkenswert volksnah. Zu ihrem Opener "Cola" steigt sie hinab ins Publikum, um sich mit Fans fotografieren und von ihnen drücken zu lassen. Sie weiß zu bezirzen, singt barfuß, winkt, lacht - und bleibt doch irgendwie unnahbar.

Das macht, natürlich, einen Teil der Faszination aus. Das war schon so, als findige Musikmanager aus Elizabeth Grant, genannt "Lizzy", den Popstar Lana Del Rey formten, ein perfektes Produkt. Sie stellten 2011 drei Clips ins Internet, darunter den zu "Video Games", ihrem bis dato größten Hit mit der programmatischen Zeile: "I heard that you like the bad girls, honey. Is that true?" Die Welt lechzte nach mehr, die einschlägigen Fachmedien hyperventilierten.

Als ihr Debüt-Album "Born To Die" Ende Januar 2012 dann endlich erschien, war der Hype um Lana Del Rey fast schon wieder vorbei. Es folgte eine gewisse Ernüchterung. Nicht, dass ihr melancholisch-pompöser Retro-Pop enttäuschte, im Gegenteil. Aber das vermeintliche Überwesen mit der Stupsnase, den verboten sinnlichen Lippen und den Klimperwimpern galt nun als entmystifiziert, als Erdenbewohnerin mit Gesangstalent und einem Hang zu Frisuren aus den Sechzigerjahren.

Das Publikum droht ihr zu entgleiten

Unzählige Preise und eine Kampagne für das Modehaus H&M später tourt Lana Del Rey nun mit einer makellosen Show durch die Welt. Auf mit Ornamenten reich verzierten Bildschirmen im Hintergrund laufen Videos, die mal David Lynchs "Lost Highway" zitieren und mal sepiafarbene Bilder aus New York zeigen. Acht exzellente Musiker begleiten Lana Del Reys hypnotische, gerade in tiefen Lagen auch live kraftvolle Stimme, darunter vier Streicher. Am besten funktioniert das Zusammenspiel, wenn es ein wenig lauter wird, etwa bei "Born To Die" oder "National Anthem", dem Stück, mit dem der Abend ohne Zugabe endet.

Nach nur 80 Minuten, und das erstaunt dann doch, schließlich hat das Konzert die eine oder andere Länge. Es mag an der großen, dumpf klingenden Halle liegen, aber mitunter wirkt Lana Del Reys Gesang ziemlich monoton. Bei "Ride" droht ihr das Publikum kurz sogar zu entgleiten. Das Genuschel nimmt merklich zu, zeitgleich auch die Schlange am Weinstand, die, das nur nebenbei, den ganzen Abend länger ist als die beim Bier.

Gegen Ende nimmt Lana Del Rey endlich richtig Fahrt auf, mit Stücken wie "Summertime Sadness" oder "Burning Desire", das sie mit Disco-Beats hat unterlegen lassen. Und dann sammelt sie ihre Schuhe auf, winkt noch einmal kurz ins Publikum und ist weg. So muss man es wohl machen, will man unnahbar bleiben, mysteriös, eine Erscheinung eben.