Laim Film ab!

Im Laimer Traditionskino "Neues Rex" wird nach umfangreichem Umbau das nächste Kapitel aufgeschlagen

Von Sonja Niesmann, Laim

Der Scanner liest und liest die Online-Tickets nicht ein, der junge Platzanweiser schwankt zwischen Lachen und Seufzen: "Der Weg zum zweiten Kinoeingang ist weiter, da reicht das Wlan nicht hin." Aber die ersten Zuschauer müssen ohnehin noch einen Moment an der Tür verharren; im Saal findet eine letzte Lichtprobe statt, es soll ja niemand die Stufen hinabstolpern. Draußen im Foyer schleppen Helfer gerahmte Filmplakate, die aufgehängt werden sollen. "Ist wohl nicht alles fertig geworden", lächelt eine Besucherin nachsichtig und setzt hinzu: "Aber Hauptsache, wir haben unser Neues Rex wieder."

Ganz dezent, ohne jedes Aufheben hat sich das Laimer Lichtspielhaus, das vier Monate lang wegen Umbau geschlossen war, wieder hineingeschlichen ins Kinogeschehen - ohne Sekt, Girlanden oder Ansprache. Ja, sagt Thomas Wilhelm etwas atemlos, er hätte auch lieber etwas glanzvoller wiedereröffnet und Zeit gehabt für ein paar Testläufe - "nicht vorne die Kunden rein, hinten die Techniker raus und ich ein Nervenbündel". Aber damals im April, nach der vorerst letzten Vorstellung, hat er versprochen, im Sommer mit dem Film "Schweinskopf al dente" wiederzueröffnen - und die Krimikomödie lief nun mal an jenem Abend an. Und obwohl Wilhelm und sein Team in der Hektik sogar die Termine zu spät rausgegeben haben und das Neue Rex in den Wochenprogrammspalten nicht auftauchte, hatte sich die Nachricht unter den treuen Fans herumgesprochen. Die Abendvorstellung von "Schweinskopf al dente" war ausverkauft, auch bei "Toni Erdmann" blieben nur einige Plätze leer. Und das Nervenbündel Wilhelm konnte durchschnaufen - Bild und Ton waren tadellos, "nur die Lüftung funktionierte noch nicht einwandfrei".

Zwei Säle hat das runderneuerte Rex jetzt. In Kino 1, dem alten, verkleinerten Saal, gibt es sieben Reihen - und die wunderbaren samtenen roten Sessel, ein Markenzeichen des Kinos. In den ersten drei Reihen sind es die alten Sessel, in den anderen neue, in Farbe und Stoff passend. Kino 2 mit sieben Reihen, zu dem eine Rampe zwischen goldbronzierten Wänden sanft hinabführt, ist ganz in Blau gehalten, Sessel wie Tapeten. Neues auch im renovierten, aber kaum veränderten Foyer des Kinos: eine Süßigkeiten-SB-Bar mit Jelly Beans, Brausetabletten und Weingummis. 169 Plätze gibt es im Neuen Rex jetzt, zwei mehr als zuvor. Und das Wichtigste: Es können jetzt doppelt so viele Filme gezeigt werden wie zuvor.

Schon vor einigen Jahren, 2011, hatte Thomas Wilhelm Laims letztes Stadtteilkino einige Wochen geschlossen, um es technisch aufzurüsten, es ins digitale Zeitalter zu führen. Den grundlegenden Umbau nun hatte er angepackt, um sich der drohenden Konkurrenz durch ein geplantes Großkino im benachbarten Pasing, nur drei Kilometer entfernt, zu erwehren. Die Mehrzahl von Wilhelms Kunden kommt aus dem Münchner Westen, aus Laim, Pasing, Obermenzing. Sechs Säle mit insgesamt 1700 Plätzen sollten an der Ecke von Landsberger und Offenbachstraße, vis-à-vis der Pasing-Arcaden entstehen; es wäre nach dem Mathäser am Hauptbahnhof mit seinen 4200 Plätzen Münchens zweitgrößter Multiplex-Palast geworden. Doch einige Wochen, nachdem die Leinwand im Neuen Rex dunkel geworden war, die Räume im Baustellen-Staub versanken, stellte sich heraus: Das Multiplex kommt nicht. Der Investor, der Pasinger Geschäftsmann Jakob Willibald, konnte bei der europaweiten Ausschreibung nicht mithalten. Den Zuschlag erhielt ein anderer Bieter, nun sollen Wohnungen, Büros und Geschäfte auf dem Gelände gebaut werden.

Hätte Thomas Wilhelm, der auch das "Neue Rottmann" und das "Cincinatti" betreibt, sich die ganze Aus-eins-mach-zwei-Aktion also sparen können? Der Umbau hat ihn eine Stange Geld gekostet - 40 Prozent mehr als die kalkulierten Kosten, erzählt er, weil in dem Altbau am Agricolaplatz doch einiges in bessere Schalldämmung investiert werden musste. "Ach", sagt der 51-Jährige, einerseits sei er froh, andererseits "finde ich's schade für Pasing". Den Umbau aber, den habe er ohnehin seit Ende der Neunzigerjahre im Kopf gehabt, um sich optimal zu platzieren: "Der Kunde geht ja nicht ins Kino, er geht in einen Film." Und wenn ein Streifen im Kino seiner Wahl gerade nicht oder noch nicht läuft, geht er eben in ein anderes Kino: "Deshalb ist es einfach wichtig, mehr Filme zeigen zu können." Nur sei es früher, als man noch Vorführräume brauchte, nicht so leicht gewesen, einen großen Saal in zwei kleinere aufzuteilen. "Heute hängt man einfach einen Beamer an die Decke".