Gedenkstätte Dachau Hunderte protestieren gegen Diebstahl der Eingangstür

Etwa 300 Menschen demonstrieren vor dem Jourhaus der KZ-Gedenkstätte Dachau.

(Foto: DAH)
  • Eine Woche nach dem Diebstahl der Eingangstür versammeln sich etwa 300 Menschen zu einer Mahnwache vor der KZ-Gedenkstätte Dachau.
  • Die Ermittler hoffe, DNA-Material von den Tätern zu finden.
  • Die Schändung der Gedenkstätte hat weltweit Empörung ausgelöst.
Von Helmut Zeller, Dachau

Es war die erste Demonstration, die der 73 Jahre alte Dachauer Stadtrat Günter Heinritz (SPD) in seinem Leben angemeldet hat. Er rechnete mit 30 bis 50 Teilnehmern und ist jetzt überwältigt: Ungefähr 300 Menschen aus der Stadt Dachau, dem Landkreis und München versammeln sich am Sonntagmittag zu einer halbstündigen stillen Mahnwache vor dem ehemaligen Jourhaus in der KZ-Gedenkstätte, um gegen den Diebstahl der Tür im Eingangstor mit der zynischen Aufschrift "Arbeit macht frei" zu protestieren. Von den Tätern indes fehlt nach wie vor jede Spur.

Inzwischen hat das Bayerische Landeskriminalamt eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise auf die unbekannten Diebe ausgesetzt. Vor einer Woche, in der Nacht zum Sonntag zwischen 23.45 Uhr und 5.30 Uhr, hoben sie die schmiedeeiserne, 100 Kilogramm schwere Eingangstür aus den Angeln, wuchteten sie über ein Sicherungstor und brachten sie in einem Lieferwagen oder Pkw-Kombi weg.

Was die Ermittler alles überprüfen

Der Wachdienst, der in der Nacht viermal kontrolliert hatte, entdeckte den Diebstahl um 5.30 Uhr. Die Ermittler sicherten am Tatort Spuren, die noch ausgewertet werden. Dabei handelt es sich möglicherweise um DNA-Material. Die Auswertung dauert mehrere Tage. Die Beamten prüfen außerdem Aufnahmen von Videokameras an Bürogebäuden, Tankstellen und Firmen in der Umgebung der KZ-Gedenkstätte. Die Hinweise aus der Bevölkerung erbrachten bisher nichts Konkretes.

Die Ermittlungsgruppe bei der Kripo Fürstenfeldbruck umfasst ein halbes Dutzend Beamte, einschließlich Staatsschützern. Sie kooperieren mit dem Landesamt für Verfassungsschutz. Die Fahnder vermuten die Täter in der Neonaziszene, ermitteln aber auch in andere Richtungen. So könnte hinter dem Diebstahl auch ein Sammler von Nazidevotionalien stecken, wie 2009 beim Diebstahl der Aufschrift "Arbeit macht frei" vom Tor des früheren NS-Vernichtungslagers Auschwitz.

Aus welchem Jahr das Tor vermutlich stammt

Die Schändung des Gedenkorts in Dachau mit 800 000 Besuchern jährlich hat weltweit Empörung ausgelöst. Im Polizeipräsidium Oberbayern Nord gehen, wie Polizeisprecher Günther Beck sagte, doppelt so viele Medienanfragen wie sonst ein - auch aus Tel Aviv und New York. Dachaus italienische Partnerstadt Fondi reagierte mit einer großherzigen Geste: Bürgermeister Salvatore De Meo bot seinem Dachauer Kollegen Florian Hartmann (SPD) eine Kopie der gestohlenen Tür als Geschenk an.

Neuesten Forschungen der Gedenkstätte zufolge handelt es sich bei der Tür entgegen früheren Annahmen "höchstwahrscheinlich" um das Original von 1936. Die Aufschrift kam nach Kriegsende abhanden und wurde 1972 rekonstruiert. Zur Mahnwache hatten das autonome Jugendzentrum Freiraum und das Bündnis gegen Rassismus - ein Zusammenschluss aus Parteien, Vereinen und Kirchen - aufgerufen. Der 94-jährige Auschwitz-Überlebende Max Mannheimer, Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees, sagte: "Das war ein beeindruckendes Zeugnis gegen den Rassismus."