Maximiliansforum Forschung im Untergrund

  • Das Maximiliansforum steht seit 2010 als Passage für interdisziplinäre Kunst unter Obhut des Kulturreferats.
  • Immer wieder werden dort spannende Projekte verwirklicht, nun soll die Nutzung optimiert werden.
  • Ein Jahr lang wird vor Ort mit der Künstlerinitiative "Collaboration Projekt" geforscht, gearbeitet, ausprobiert und analysiert.
Von Evelyn Vogel

Es rumpelt und zieht, und wenn es regnet, hat man das Gefühl, die Feuchtigkeit kröche einem regelrecht unter die Haut. Kaum ein Kunstraum in München ist so unwirklich wie das Maximiliansforum, das seit 2010 als Passage für interdisziplinäre Kunst unter Obhut des Kulturreferats mehr oder minder gut funktioniert. Mehr, weil dort immer wieder spannende Projekte verwirklicht werden. Minder, weil eben die zugige Lage im Untergrund den Aufenthalt oft so ungemütlich macht.

In den späten 1960er-Jahren, als man mehr an den Verkehr als an die Menschen dachte, entstand der Raum unter der Maximilianstraße am Altstadtring als Fußgängerunterführung. Rolltreppen, die ihre Funktion schon lange nicht mehr erfüllen, deuten noch immer den Weg in diese Unterwelt an. Die breiten Schneisen sind gekachelt, wirken abweisend und leer. Dass sie überflüssig sind, wurde schon bald nach ihrer Errichtung klar. Und so eignete sich Anfang der Siebzigerjahre eine Kunstinitiative die Räume für zwei Jahre an. Bald darauf eröffnete das Lenbachhaus unter dem Namen "Kunstforum" die Passage als Satellit, gab sie aber nach der Eröffnung des Kunstbaus gegenüber dem Königsplatz an die Stadt zurück.

Ein interdisziplinärer städtischer Kunstraum

Eine der spektakulärsten Aktionen in jener Zeit war die erstmalige Präsentation von Joseph Beuys' Environment "zeige deine Wunde". Dann kamen der Umbau, verschiedene Modelle und Kooperationen - unter anderem als ZKMax mit dem ZKM in Karlsruhe - und schließlich 2010 die Definition des Maxforums, wie es kurz genannt wird, als interdisziplinärer städtischer Kunstraum. Der Raum - oder auch der Un-Raum - unter der teuersten und zugleich einer der schönsten Straßen Münchens stellte immer eine Herausforderung für die Kunst dar. Befriedigend gelöst werden konnte sie nie.

Nun soll ein neuer Anlauf unternommen werden, herauszufinden, was in Zukunft wird mit dem Maximiliansforum. Ein Jahr lang wird vor Ort geforscht, gearbeitet, ausprobiert und analysiert: Work in Progress. Dann soll dem Kulturreferat und dem Stadtrat eine Empfehlung für die künftige Nutzung des Maximiliansforums als Kunstort vorgelegt werden. Dazu hat man die Künstlerinitiative "Collaboration Project" beauftragt. Eine 2008 von Thomas Thiede in München gegründete Initiative mit wechselnden Künstlern, die in Kooperation mit anderen Künstlerinitiativen weltweit agiert.

Ein Jahr lang soll geforscht werden

Collaboration Project hat dafür mit dem C9-Projekt ein Forschungslabor in der unterirdischen Passage eingerichtet. Ihr "Server" ist ihr Denk-, Tagungs-, Vortrags- und Arbeitsraum, daneben zeigen sie als Dauerloop einen Videoauszug aus Giorgio Agambens Lectur "Resistance in Art". Außerdem haben sie nach mehr als 40-jähriger Nutzung der Passage als Ausstellungs- und Veranstaltungsort eine Toilette eingebaut und planen im Rahmen einer Kunstaktion die Demontage der Rolltreppen.

Das klingt nicht spektakulär, aber die Projekt-Künstler wollen dem Raum ja auch keine fertigen Konzepte überstülpen. Es geht darum, ihn über ihr internationales Netzwerk mit ebenfalls an Raumprojekten arbeitenden Künstlern für die Zukunft zu entwickeln. Im Mai gibt es dazu verschiedenen Aktionen, im Juni werden Architekturstudenten der TU München vor Ort arbeiten, weitere künstlerische Forschungsprojekte folgen. Jeden zweiten Dienstag gibt es den C9-Tag, an dem von 11 bis 21 Uhr ein Vertreter von Collaboration Project ganztägig vor Ort ist. Anregungen und Diskussionen erwünscht, ganz im Sinne von Work in Progress.