Von Birgit Sonna

Der Olympiapark will sich in den nächsten Monaten als Kunst-Landschaft profilieren.

Von Künstlern reihenweise abgehaltene Gartenbankette, Skulptur-Biennalen auf dem "platten" Land, Performances anstelle von Flötenkonzerten im Kurpark - die inmitten der domestizierten Natur gefeierte bildende Kunst ist zu einem wertvollen Tourismusfaktor geworden. Selbst in der Provinz leistet man sich unterdessen seinen hochsommerlichen Skulpturenpfad oder Ähnliches.

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Kurioserweise gab es in München bis dato kein richtig landschaftsgartentaugliches Kunstprojekt zu vermelden. Um so erfreulicher stimmt die Idee zu einer erstmals rund um den Olympiasee organisierten Ausstellung, an der mehr als 20 Künstler und Künstlergruppen teilnehmen.

Auf Initiative der Olympiapark GmbH konnten Régine Goueffon, Thomas Huber und Bernhard Wittenbrink einige von ihren in der Galerie vertretenen Künstlern, aber auch Aushäusige einladen. "Wir sehen in dem Projekt 'impark1' die Möglichkeit, eine ganz andere Zielgruppe herzuholen", sagt Tobias Kohler von der Olympiapark GmbH.

Dies zumindest dürfte mit den inhaltlich denkbar heterogenen Arbeiten gelingen. Die Kuratoren suchen an die künstlerischen Interventionen von 1972 anzuknüpfen, als anlässlich der Olympiade auch der Park mit Kunst oder besser gesagt Plastiken bestellt wurde. Brisante Arbeiten wie das von Walter de Maria für den Schuttberg vorgesehene "Erdloch" konnten seinerzeit allerdings aus Urheberschutzbedenken nicht realisiert werden.

Heute geht man nicht mehr ganz so ängstlich mit der hügeligen Kunstlandschaft um. Immerhin durfte das Duo Korpys/Löffler eine kleine Höhle in den Olympiaberg graben. Der vier Meter tiefe Stollen gibt nun den Blick auf teils frappierend große Bruchstücke zerbombter Münchner Häuser frei. Wie schwer auf dem Trümmerboden neue Vegetation gedeiht, sieht man an dem eigens bepflanzten, kläglichen Gemüsegarten vor der so genannten "Garage des Hausmeisters".

Ähnlich prägnant besetzt eine Hütte von Tobias Hauser die pastoral gewellte Olympiaberg-Wiese. Als exakter Nachbau eines Holzhauses des amerikanischen Philosophen Henry David Thoreau balanciert das zum urbanen Panorama Münchens gerichtete Refugium auf dem schmalen Grat zwischen Weltflucht und -betrachtung.

Nur die wenigsten Arbeiten sind in ihrer Aussage derart poetisch auf den Olympiapark, seine Geschichtssedimente und Freizeit-Utopien zugespitzt. Auch wenn der frankophil gestaltete Männerkopf von Thaddäus Hüppi rotzig mitten auf dem Olympiasee aus allen Löchern spuckt, an Otto Pienes 1972 hier inszenierte "Wasserwolke" reicht der Springbrunnen nicht im Entferntesten heran: Der karnavaleske Zug lässt einen vielmehr in tiefe Februar-Depression verfallen.

Ein wenig Differenz zu dem ramschigen Vergnügungsgetöse, vor dem auch die Kommerzstruktur des Olympiaparks nicht mehr gefeit ist, wünscht man sich gerade von der Kunst. Und sei es, dass dies durch sarkastische Überzeichnung wie bei Vadim Fishkin geschieht: Der russische Künstler hat im Schwimmstadion eine Kunstschneedusche für interaktive Mitspielwillige installiert.

Den Homo ludens der Freizeitkultur suchen auch M+M aus München anzusprechen. Auf Anzeigetafeln erwecken die beiden "Pong", das Pioniercomputerspiel der Siebziger, in Endlosschleife wieder zum Leben. Zwei Arbeiten zumindest beziehen sich mahnmalartig auf die blutigen Terrorakte während der Olympischen Spiele: Während in Claus Föttingers Betonschalplatten auf dem Olympiaberg das fotografische Bild eines ausgebrannten Hubschraubers eingeätzt ist, bemüht sich Mariott Stollsteiner in ihrer Bodenarbeit um einen verbalen Austausch zwischen Frauen in Palästina, Israel und Deutschland.

Einerseits überraschen dezidierte Eingriffe in Gestaltung und Inventar des Olympiaparks (Afra Dopfer), dann wiederum haben Künstler hier einfach nur ihr Ding abgestellt.

Von der programmatisch angekündigten "In-Situ-Kunst" kann bei "impark1" nicht durchwegs die Rede sein. Ohnehin wäre das Konzept einer rein ortsspezifischen Ausrichtung nach den Münsteraner Erfahrungen der Skulpturen-Projekte heute ein anachronistischer Hut. Auch wenn sich in den Kleeblattformen eines sonnengelben Plexiglaspavillons von Hermann Maier-Neustadt die Silhouette des BMW-Hochhauses vage niederschlägt, der begehbare Zylinder ließe sich theoretisch ohne weiteres auch nach Japan transferieren. So bietet das mit überschaubarem Budget bewerkstelligte Projekt größtenteils feriengelaunte Ansätze zur "künstlerischen Revision" des Olympiaparks.

"Metabolisch" verspricht es übrigens anlässlich der Eröffnung (heute, 19 Uhr) zuzugehen: Stalker, eine Künstlergruppe aus Italien, braut den Besuchern im Theatron einen Zaubertrank aus Kräutern, auf dass diese über den Stoffwechsel mit der künstlichen Landschaft in Einklang treten. Die Olympiapark GmbH versucht auf den Spuren von Miraculix und Konsorten demnach neue Imagepflege zu betreiben.

Und die ist auch dringend notwendig: Wenn der Bundesligafußball einmal aus dem Stadion gezogen ist, dann wird man sein alltägliches Besucheraufkommen nicht mehr mit rot-weiß-gestreiften Devotionalienjägern bestreiten können. (Bis zum 12. Oktober.)

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