Kunstprojekt im Bahnhofsviertel Art Babel statt Puerto Giesing

Die Macher des Puerto Giesing im ehemaligen Hertie-Kaufhaus haben eine neue Bleibe in der Maxvorstadt gefunden.

Von Franz Kotteder

Drumherum gibt es vor allem Striptease-Bars und andere weniger gehobene Gastronomie, wie sich das für ein Bahnhofsviertel gehört. Aber nun soll an die Ecke Dachauer-/Augustenstraße Kunst und Szene-Kultur einziehen, zumindest vorübergehend.

Denn das Team von "Puerto Giesing", das im vergangenen Jahr sehr erfolgreich das ehemalige Hertie-Kaufhaus an der Tegernseer Landstraße bespielte, hat jetzt eine neue Bleibe in der Maxvorstadt gefunden, nur ein paar Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Es handelt sich um das ehemalige "Norkauer"-Haus auf dem dreieckigen Grundstück zwischen Dachauer, Augusten- und Karlstraße, das von den Stadtwerken an die Starnberger Augustenkarree GmbH & Co KG verkauft worden ist, die dort ein Büro- und Geschäftshaus bauen will. Bis es so weit ist, kann das Team von "Puerto Giesing" das Gebäude nutzen.

"Partys werden wir dort nicht veranstalten", sagt Zehra Spindler vom Puerto-Giesing-Team, "auch den Namen Puerto wird es nicht mehr geben. Wir werden den Ort ,Art Babel' nennen." Dort sollen dann hauptsächlich Ausstellungen, Lesungen, Medienkunstprojekte, vielleicht auch kleinere Konzerte stattfinden. Zehra Spindler hat den Zwischennutzungsvertrag am Dienstagabend unterschrieben.

Sie rechnet damit, schon in den nächsten Tagen mit dem Programm beginnen zu können: "Wir müssen jetzt natürlich erst einmal die notwendigen Genehmigungen einholen." Beim ehemaligen Giesinger Hertie-Kaufhaus hat sich das einige Wochen hingezogen, in diesem Fall dürfte es schneller gehen. Das Gebäude, um das es sich handelt, ist erheblich kleiner, nicht so kompliziert zu bespielen und damit auch einfacher, was die erforderlichen Genehmigungen angeht.

Früher war "Art Babel" mal ein Transformatorenhaus für die Stromversorgung der Straßenbahn. Erbaut wurde es schon 1899 und seither immer wieder erheblich umgebaut und im Inneren komplett entkernt, weshalb es auch nicht unter Denkmalschutz steht. Zwischen 1986 und 2009 hatten die Stadtwerke das Gebäude an die Bodenbelagsfirma Norkauer vermietet, seither hat das Areal im Volksmund auch den Namen Norkauer-Platz. Als die Stadtwerke ihr Grundstück samt Trafostation verkauften, war klar, dass es abgerissen wird: Untersuchungen ergaben erhebliche statische Mängel, eine Sanierung hätte sich nicht gelohnt.

Nun wird also erst einmal "Art Babel" daraus. "Die Zwischennutzung ist vorerst bis zum 30. September befristet", sagt Vermieter Michael Buckenmayer vom Projektentwickler M & B Projektinitiative. Ob dann schon mit dem Abriss begonnen werden kann, ist freilich noch nicht klar. Das hängt davon ab, wie schnell die Baugenehmigung für den geplanten Neubau da ist. Das Büro des Münchner Architekten Rudolf Hierl hat ihn entworfen; es soll ein fünfgeschossiges Geschäftshaus mit einer Beletage sowie einem zurückversetzten Terrassengeschoss entstehen.