"Kunst & Antiquitäten" Alles hat seinen Preis

Seit 48 Jahren gibt es die Messe "Kunst & Antiquitäten" schon, erst zum zweiten Mal findet sie im Postpalast an der Wredestraße statt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Auf der Kunstmesse im Postpalast wird gehandelt und gedöst

Von Anna Hoben

Wer kann schon behaupten, dass das Herzstück der eigenen Halskette vor mehr als 2000 Jahren von einer Etruskerin als Ohrring getragen wurde? Eben. Und so schaut der ältere Herr an Stand Nummer 43 mit wachsendem Interesse auf das Stück, das Ortrud Müller-Heffter gerade behutsam aus der Vitrine geholt hat. Ob er ein Geschenk suche? Der Herr lächelt. "Das Mittelteil war total kaputt", erklärt die Goldschmiedin aus München, sie hat es repariert und ergänzt, eine Kette und einen Verschluss dazu gefertigt. Sehr schön und zart sehe die Kette aus am Hals, beteuert sie. Die filigrane Arbeit hat ihren Preis: 1800 Euro kostet das Einzelstück.

Ortrud Müller-Heffter ist eine Exotin auf der Messe Kunst & Antiquitäten, die in diesem Frühjahr zum 95. Mal stattfindet, nach dem Umzug vom traditionellen Veranstaltungsort am Nockherberg nun zum zweiten Mal im Postpalast. Sie ist eine Exotin, weil sie das Neue mit dem Uralten verbindet, weil sie Antikes nutzt, um etwas Eigenes herzustellen. Eine Exotin aber auch deshalb, weil ihre Stücke im Vergleich zu vielen anderen Raritäten, die Sammler auf der Messe erwerben können, recht preiswert sind. "Ich fand die Antike immer schon spannend, nichts geht ohne Geschichte", sagt sie, "und ich wollte immer Goldschmiedin lernen." In ihrem Schmuck verarbeitet sie römisches Millefioriglas und Gemmen, also Schmucksteine mit eingravierten Bildmotiven. Kleine Elfenbeinplättchen mit Käfern darauf haben wohl einmal in Japan als Steinchen für ein Spiel fungiert, spanische Knöpfe aus dem 16. Jahrhundert sind nun ein Paar Ohrstecker. Ihr Rohmaterial findet Ortrud Müller-Heffter bei Aktionen und auf Reisen, "bei Händlern und Tandlern". Seit zehn Jahren hat sie einen Stand auf der Messe. Anstrengend sei das, sagt sie. "Aber der Zuspruch der Leute ist schön, es gibt viele, die meine Arbeit faszinierend finden."

Faszinierend ist auch, wie viele Messehändler und -besucher am Wochenende kleinformatige Hunde mit in den Postpalast gebracht haben, die das Gebotene wiederum ganz offensichtlich weniger faszinierend finden. Und so verbringen Möpse und französische Bulldoggen mit Glitzerhalsbändern den Samstagnachmittag ermattet dösend auf dem roten Teppich in den Gängen, verhalten sich abgesehen von diesem demonstrativen Desinteresse aber tadellos und messetauglich.

Messe, das ist normalerweise ja immer ein großes Hallo, ein Schieben und Drängeln, begleitet von erschöpfendem Messe-Massen-Rauschen. Bei der Kunst- und Antiquitätenmesse indes ist alles angenehm gedämpft, Unterhaltungen finden in leisem Ton statt. Über eine Miró-Zeichnung für 18 000 Euro lässt sich eben nicht lautstark feilschen, ebenso wenig über Kurioses wie einen Bund grünen Spargel aus Meissener Porzellan. Insgesamt 60 Aussteller sind gekommen, Kunsthändler und Galeristen aus München und seinem Umland, aus Franken, Niederbayern, Norddeutschland und Österreich.

Es sei ein "sehr guter Auftakt" gewesen, sagt Messeleiter Andreas Ramer am Samstagnachmittag, er habe sich über das Wetter gefreut (windig, kühl, gar nicht frühlingshaft). Ramer hat vor 48 Jahren die Messe mitbegründet, zusammen mit zehn weiteren Händlern, die sich alle von der Auer Dult kannten. Zweimal pro Jahr hat die Messe seitdem stattgefunden, Ramer ist jetzt 77 Jahre alt. "Die 100. Ausgabe in zweieinhalb Jahren will ich noch aktiv erleben." Das Jahr über besucht er selber Messen, in Wien, Münster, Luxemburg, Sindelfingen, kümmert sich um Kontaktpflege, "manchmal muss man um einen Händler werben, manchmal ist es umgekehrt".

So bunt gemischt wie das Angebot ist am Wochenende auch das Publikum, von der betuchten Dame im Pelzmantel bis zum jungen Blogger. Das mag auch an der Designsparte liegen, die relativ neu ist. Früher habe das Angebot bei Art déco aufgehört, sagt Ramer, heute gehe es weiter ins 20. Jahrhundert hinein. Designmöbel etwa stießen auf großes Interesse bei jüngeren Besuchern. Erschwinglichere Stücke wie japanische Holzschnitte für ein paar Hundert Euro sorgten dafür, "dass jemand, der herkommt, zumindest das Gefühl hat, er könnte sich was leisten".

Bis 26. März im Postpalast, Wredestraße 10, täglich 11-19 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr. Eintritt 9 Euro.