Kulturzentrum am Gasteig Münchens eigene Elbphilharmonie

Gehen die Türen bald zu? Die Münchner Philharmonie muss saniert werden.

Beim Kulturzentrum am Gasteig bahnt sich ein finanzielles Debakel an, das so peinlich ist wie die Hamburger Probleme mit der Elbphilharmonie. Die Blamage trifft vor allem Christian Ude und die Stadtspitze.

Ein Kommentar von Christian Krügel

Mit Hohn und Spott hat Oberbürgermeister Christian Ude die Hamburger wegen der Probleme bei ihrer Elbphilharmonie überzogen. Die Befürworter eines neuen Münchner Konzertsaals hat er als elitäre Spinner diskreditiert. Jetzt stellt sich raus: Bei Udes eigenem Kulturzentrum und Konzertsaal bahnt sich ein finanzielles Debakel an, das ähnlich peinlich wie die Hamburger Probleme ist. Ausgerechnet die Kulturstadt München wird seinen Bürgern eine Volkshochschule und eine Stadtbibliothek als Dauerbaustellen zumuten müssen, ausgerechnet die Musikstadt München wird in absehbarer Zeit keinen Konzertsaal haben, der modernen Standards genügt.

Für Ude und die Stadtspitze ist das eine Blamage erster Güte. Zwar kann das Rathaus nichts für die offenbar miserable Bauqualität eines erst 30 Jahre alten Gebäudes. Auch nicht für das völlig verrückte Finanzierungsmodell, das die Stadt zur Totalsanierung des Gasteigs zwingt, ehe die letzten Leasingraten für den Koloss überhaupt abbezahlt sind.

Stadtrat und OB hätten aber in den vergangenen Jahren zwingend Ideen entwickeln müssen, wie man sich auf die vorhersehbare Totalsanierung vorbereitet. Und was aus der Philharmonie werden soll: Ein generalsanierter Konzertsaal? Eine Bühne für Jazz, Pop, die leichte Muse? Oder eine Mehrzweckhalle?

Das finanzielle Desaster ist jetzt so groß, der Ertrag einer sündteuren Sanierung so gering, dass man ernsthaft über einen Abriss des Klinkerbaus und ein neues Kulturzentrum nachdenken sollte. VHS, Stadtbücherei, Konservatorium haben Besseres verdient, als in einer geflickten Kulturruine zu hausen. Und Münchens Musikfreunde haben ein Recht, ernst genommen zu werden.

Deshalb muss sich der nächste OB mit dem Freistaat zusammensetzen, um einen Masterplan für die Musikstadt zu entwickeln. Der muss viele Fragen beantworten: Wie bringt man die Interessen von zwei Spitzenorchestern und freien Konzertveranstaltern unter einen Hut? Wo könnten neue Spielstätten entstehen? Und vor allem: Wer bezahlt das alles?