Kultur in München Matthias Lilienthal hört als Intendant der Münchner Kammerspiele auf

Zum Amtsantritt 2015 war Matthias Lilienthal von vielen gefeiert worden, die mit ihm die Hoffnung auf einen Aufbruch der Kammerspiele, auf politisches und gesellschaftlich relevantes Theater verbanden.

(Foto: Lukas Barth)
  • Matthias Lilienthal will seinen Vertrag als Intendant der Kammerspiele nach dessen Ablauf im Jahr 2020 nicht verlängern.
  • Bereits vor zwei Wochen hat die CSU-Stadtratsfraktion beschlossen, seinen Vertrag nicht zu verlängern.
  • Die CSU soll davon überzeugt sein, dass die Kammerspiele unter Lilienthal nicht aus ihre anhaltenden "Abo-Misere" herauskommen werden.
Von Heiner Effern, Susanne Hermanski und Michael Zirnstein

Es war von Anfang an keine einfache Beziehung zwischen dem Berliner Matthias Lilienthal und dem Münchener Theaterpublikum. Jetzt ist eine Trennung zwischen dem 57-jährigen Intendanten und der Stadt nahezu ausgemachte Sache. Lilienthal will seinen Vertrag als Intendant der Kammerspiele nach dessen Ablauf im Jahr 2020 nicht verlängern.

Das hat Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) der Süddeutschen Zeitung am Montagabend bestätigt. Lilienthal selbst sieht keinen Rückhalt für die Verlängerung seiner Arbeit gewährleistet, erklärte er in einer Mitteilung. Denn der Vertrag des Intendanten wäre wohl ohnehin nicht verlängert worden, jedenfalls wenn es nach der CSU-Fraktion geht - und ohne deren Zustimmung hätte es wohl kaum eine Mehrheit im Stadtrat für Lilienthal gegeben.

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Schon vor zwei Wochen hat die CSU-Stadtratsfraktion einen entsprechenden Beschluss gefasst. Das bestätigte deren Vorsitzender Manuel Pretzl der SZ. Danach habe man dies sowohl Kulturreferent Hans-Georg Küppers als auch Lilienthal selbst mitgeteilt. Richard Quaas, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion, sagt, die CSU sei überzeugt davon, dass unter Lilienthal die Kammerspiele nicht mehr aus ihrer anhaltenden "Abo-Misere" und somit auch aus einer finanziellen Misere herauskommen würden. So wie er das Haus aufgestellt habe, scheint es das Münchner Theaterpublikum nicht zu goutieren, ein großer Teil fühle sich dort nicht mehr wohl.

Lilienthal baut auf performatives, gesellschaftskritisch-aktionistisches Theater. Die Kammerspiele seien aber "eines der ersten Häuser in Deutschland in der großen Tradition der Sprechtheater. Das ist unter Lilienthal verloren gegangen", sagt Quaas. Auch Küppers räumt ein, dass Lilienthals Stil der Mehrheit der Münchner offenbar nicht zugesagt hat. Der Kulturreferat bedauert aber die Entscheidung des Intendanten und betont, dass er selbst eigentlich eine Vertragsverlängerung sinnvoll gefunden hätte, "um die ganze Bandbreite einer wirkungsvollen Intendanz unter Beweis zu stellen". Ein "Theater mit Mut zum Experiment" könne sich mit seinen Produktionen nie auf der sicheren Seite wähnen. "Dennoch geht das engagierte Team der Kammerspiele bewusst diesen Weg, dem leider nicht das gesamte Publikum folgt", erklärt Küppers.

Anfang Februar hatte sich Lilienthal vor dem Stadtrat für die auf 63 Prozent gesunkenen Auslastungszahlen der Kammerspiele verantworten müssen. Da zeigte er sich noch bereit, für sein Konzept zu kämpfen, und betonte, wie viele jüngere Theatergänger bereits in Haus geholt werden konnten. Auf seine eigene Vertragslage angesprochen sagte der Theatermacher damals: "Ich mache mir da noch keine Gedanken drum. Aber ich empfinde ein großes Verantwortungsgefühl für meine Mitarbeiter. Und wir müssen uns fragen: Was können wir als künstlerisches Team den Kammerspielen geben?" Der SZ sagt er zudem: "Ich muss mir erst überlegen, ob ich bleiben will, wenn man mir was anderes anbietet, oder nicht?"

Bei einem Gespräch zwischen Vertretern der Stadt und Lilienthal soll sich der 57-Jährige nun gegen einen Verbleib in München ausgesprochen haben, heißt es aus Teilnehmerkreisen.

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