Künstliche Welle Auch Wolfratshausen soll eine Surfwelle bekommen

Wird Wolfratshausen das nächste Surfer-Paradies? Stefanie und Marcus Kastner werben seit vier Jahren für ihre künstliche Welle.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ein Fluss, ein Brett, ein Ziel: Marcus und Stefanie Kastner wollen das Surfen auch auf der Loisach möglich machen.

Von Konstantin Kaip

Das Surfbrett, das Marcus und Stefanie Kastner fast immer in ihrem Familienvan liegen haben, hat neuerdings eine Macke: An der rechten Seite ist der Lack an einer Stelle abgesprungen. Nun könne dort Wasser eindringen, erklärt Marcus Kastner mit einem Lächeln. "Wenn wir damit surfen würden, wäre das ein Problem." Aber dafür besitzt er ja andere Boards.

Das Brett, auf dem "Riversurfing Wolfratshausen" steht, kommt nicht ins Wasser. Es dient seit vier Jahren ausschließlich dazu, eine Welle zu machen: eine künstliche stehende Surfwelle, die auf dem Unterwasserkanal der Weidachmühle, kurz vor der Einmündung in die Loisach, entstehen soll. Sie ist das Projekt von Marcus und Stefanie Kastner. Das Ehepaar arbeitet unermüdlich an ihrem gemeinsamen Traum vom Surfen in ihrer Heimatstadt. Und die Chancen, dass er bald wahr werden könnte, stehen gut.

Die verreckte Welle an der Floßlände

Seit mehr als 100 Jahren paddeln Kajakfahrer auf den Kanälen in Thalkirchen, das Flusssurfen wurde hier erfunden. Doch es gibt immer wieder Ärger. Von Thomas Anlauf mehr ...

Marcus Kastner, der als Tonassistent beim Film arbeitet, hat das Surfbrett schon vielen Leuten in die Hand gedrückt: den Schauspielern Christian Tramitz und Helmfried von Lüttichau aus der Fernsehserie "Hubert und Staller" zum Beispiel, dem Kabarettisten Josef Brustmann, dem Filmemacher Walter Steffen und dem Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Von ihnen allen gibt es Fotos auf der Facebook-Seite "Surfing Wolfratshausen", um die sich Stefanie Kastner kümmert, die ansonsten für ein Start-up-Unternehmen in München Wasserstoffautos verleiht. "Sie sitzt abends am Laptop, ich gehe lieber an die Front", sagt Marcus Kastner, "und laufe mit dem Brett in der Stadt herum."

Vier Jahre schon werben Marcus und Stefanie Kastner für ihre Surfwelle. Mit Erfolg: Im vergangenen November hat sich der Wolfratshauser Stadtrat mit großer Mehrheit für die Realisierung des Projekts ausgesprochen. Wenn alles klappt, sagt Marcus Kastner, könnte Wolfratshausen vielleicht schon in zwei Jahren nicht nur Flößer- sondern auch Surferstadt sein, mit einer stehenden Welle, die wie am Münchner Eisbach zu einer Attraktion für junge Wassersportler und Zuschauer wird.

Man kann sich Marcus Kastner gut am Strand vorstellen: Der schlanke 47-Jährige hat den Teint von Leuten, die öfter draußen sind, und sein Haar fällt ihm lässig über die Stirn, ein klassischer Surfer-Haarschnitt. Kastner fing zwar spät mit dem Surfen an - mit 31 auf Fuerteventura - aber seitdem ist es seine große Leidenschaft. Urlaube gibt es für die Familie nur noch dort, wo die Brandung stimmt. Seine Frau surft auch, allerdings nicht so manisch, wie sie sagt. Und auch ihre Kinder, der neunjährige Simon und die siebenjährige Marie, sind schon auf den Wellen geritten.

Wellenreiten im Oberland

Dass man zum Surfen nicht unbedingt einen Strand braucht, wusste Marcus Kastner schon aus München, wo er erst an der Floßlände in Thalkirchen und dann am Eisbach das Riversurfing entdeckte. Die Idee für die Wolfratshauser Surfwelle kam ihm bald, nachdem er mit seiner Familie 2010 zurück in seine Heimatstadt gezogen war. Er fuhr oft über die Kanalbrücke im Stadtteil Weidach, und dort blieb sein für Surf-Spots geschulter Blick irgendwann hängen. "Die Stelle ist einfach ideal", sagt er. "Wir haben einen Kanal, der geht durch ein Kraftwerk, und hat trotzdem noch ein kleines Gefälle vor der Mündung in die Loisach." Wenn dort viel Wasser fließt, kann man eine kleine natürliche Welle sehen.

Seine Frau hat das oft gehört. "Irgendwann habe ich gesagt: Jetzt erzählen wir es der Stadt", sagt die 46-Jährige. Bürgermeister und Stadträte waren schnell begeistert von der Idee. Dass sie sich auch realisieren lässt, erfuhren die Kastners im November 2013 beim ersten Flusswellenforum in München. Dort lernten sie ähnliche Projekte in Deutschland und Österreich kennen - und Markus Aufleger.