Künstliche Intelligenz Roboter gegen die Angst

Alienkopf, offener Menschenkörper: Roboy sieht nicht aus wie ein normaler Roboter.

(Foto: dpa)

Roboy reist um die ganze Welt, um den Menschen die künstliche Intelligenz zu erklären. Der Roboter sieht aus wie ein Mensch - jetzt war er erstmals Gast einer Münchner Schule.

Von Philipp Schulte

Er war schon in Shanghai, Doha und Washington. Da ist es ganz praktisch, dass er neben Deutsch auch Englisch spricht. Der Roboter Roboy kann aber nicht nur Fremdsprachen, er schüttelt seinen Gesprächspartnern auch die Hand und lässt Selfies mit sich machen.

Nur laufen kann Roboy nicht, obwohl er sogar künstliche Knochen und Muskeln hat, also ganz ähnlich aussieht wie ein Mensch. Er ist einer der weltweit ersten humanoiden Roboter.

Das Labor für künstliche Intelligenz der Universität Zürich hat Roboy vor zwei Jahren entwickelt. Der Lehrstuhl für Robotik und Echtzeitsysteme der TU München hat die Schweizer dabei unterstützt. Der kleine Roboter besteht aus einem Plastikskelett, knapp 50 Elektromotoren und genauso viele Mini-Computern, zwei Kameras in der Stirn, zwei Lautsprechern und einem Beamer.

Was kann man von Robotern lernen?

So reist Roboy zusammen mit dem Münchner Robotik-Doktorand Rafael Hostettler durch die Welt und bringt den Leuten an Universitäten, bei Unternehmen und Tagungen näher, wie Roboter funktionieren und was man von ihnen lernen kann.

In München ist Roboy nun auch erstmals an einer Schule gewesen: Am Klenze-Gymnasium stand er bei Robotik-Projekttagen Zehntklässlern zur Verfügung - vielleicht ein Modellprojekt auch für andere Schulen, um Schülern die Naturwissenschaften in der Praxis näher zu bringen.

"Ziel ist es, den Leuten mit Roboy den Umgang mit Robotern zu vermitteln", sagt Hostettler, der sozusagen als Erziehungsberechtigter des Roboters firmiert, "und ihnen auch die Angst vor der Technik zu nehmen." Mit Hilfe eines Laptops steuert der Robotik-Doktorand, was und in welcher Sprache der 1,40 Meter große Roboter redet und wie er sich bewegt.

Damit man sieht, wie er funktioniert, hat Roboy keine Abdeckung: die Muskeln sind Motoren, seine Sehnen Fäden und seine Adern und Nervenbahnen bestehen aus Kabeln. Bei den Workshops im Klenze-Gymnasium zum Beispiel ging es mitunter darum, Hähnchenschenkel zu sezieren. Die Schüler sollten die Muskelfasern finden und ihren Verlauf kennenlernen, um sie nachher auch am Roboter nachvollziehen zu können.

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In einem anderen Workshop bauten die Schüler eigens kleine "Roboter" aus Legotechnik und kleinen Motoren. Den Antrieb programmierten sie dann so, dass die Mini-Roboter im Quadrat fuhren oder Bälle einsammelten.

Marion Freytag, Fachbetreuerin für Informatik am Klenze-Gymnasium, war auf Hostettler und seinen Roboy aufmerksam geworden und hatte ihn eingeladen. Die Schüler sollten so praktisch vertiefen, was sie in Physik, Mathematik und anderen naturwissenschaftlichen Fächern theoretisch gelernt hatten: Freytag hofft, dass andere Schulen sich ebenfalls für Robotik-Projekttage begeistern. Roboy hätte bestimmt nichts dagegen - er reist ja ohnehin ständig.