Neue Technologien "Beschäftigt euch nicht mit dem alten Zeug"

"Beschäftigt euch nicht mit dem alten Zeug", rät Eric Schmidt den Studenten der TU München.

(Foto: Florian Peljak)
  • Der frühere Google-Chef Eric Schmidt erklärt Studenten an der TU München, warum künstliche Intelligenz nicht gegen, sondern mit den Menschen arbeiten wird.
  • Schmidt und TUM-Präsident Herrmann verkünden, dass Google und die Universität von nun an eng zusammenarbeiten werden.
  • Neben der Zentrale in Hamburg ist München zum größten Standort von Google Deutschland geworden.
Von Pia Ratzesberger

Es war schon immer die Aufgabe von Eric Schmidt, anderen Menschen von Google und seinen Plänen zu erzählen. Man sagte ihm nach, der Außenminister der Firma zu sein und auch wenn er heute nur noch Berater des Mutter-Konzerns Alphabet ist, steht er jetzt wieder einmal vor großem Publikum. Im Audimax der Technischen Universität in München. Die Ränge sind voll, mehr als tausend Studenten sind gekommen, sie alle wollen den Mann sehen, der viele Jahre eines der mächtigsten Unternehmen der Welt gelenkt hat. Wollen wissen, wie dieser Mann die Zukunft sieht. Und vorne auf der Bühne sagt Eric Schmidt, 62 Jahre: "Ich bin überzeugt, dass wir in ein neues Zeitalter eintreten. Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz."

Eric Schmidt ist an diesem Freitagabend nach München gekommen, weil Google und Alphabet dieses Zeitalter natürlich mitgestalten wollen. Gerade hat Schmidt also dem Präsidenten der Technischen Universität München (TUM), Wolfgang Herrmann, die Hand geschüttelt und die beiden haben verkündet, dass Google und die TUM von nun an eng zusammenarbeiten werden. Das Unternehmen und die Universität haben eine langfristige Partnerschaft geschlossen - die zeigt, dass Google mit seinem Standort im Süden von Deutschland noch viel vor hat. Zwar arbeitet Google mit einer Vielzahl an Universitäten in der Welt zusammen und es ist kaum zu überblicken, an wie vielen Projekten das Unternehmen forscht. An Künstlicher Intelligenz eben oder auch an Maschinen, die selbst lernen; ein Sprecher von Google sagt, auf die Schnelle seien all die Vorhaben nicht zu beziffern. Fest aber steht: Eine solche Partnerschaft wie mit der TUM gab es bisher mit keiner deutschen Universität. Das sogenannte Isar Valley und das Silicon Valley rücken näher zusammen.

Schmidt: "Beschäftigt euch mit den neuen Technologien."

Eric Schmidt war lange genug Chef von Google, um zu wissen, dass man im Isar Valley dem Neuen immer etwas skeptischer gegenüber tritt als im Silicon Valley. Und so spricht er am Freitagabend in der TUM zwar zuerst von den Vorteilen der Künstlichen Intelligenz, von Computern zum Beispiel, die Krebs verlässlicher erkennen als ein Arzt, weil sie nun einmal viel mehr Fälle analysieren könnten als ein Arzt je schaffe. Schmidt aber sagt auch: "Künstliche Intelligenz wird nicht gegen die Menschen arbeiten. Die Menschen werden mit ihr arbeiten." Er versucht zu beschwichtigen, versucht dem deutschen Publikum vorzuführen, was im Land bislang fehle. Es sei doch vor allem wichtig, dass die Menschen die Künstliche Intelligenz nach ihren Bedürfnissen entwickelten - und auch dazu zum Beispiel brauche es eine größere Software-Community in Deutschland. "Beschäftigt euch nicht mit dem alten Zeug, sondern mit den neuen Technologien." An der TUM will Google dazu jetzt selbst beitragen.

Dort nämlich forscht man exakt an den Themen, an denen auch die Firma aus den USA seit Jahren großes Interesse zeigt: Künstliche Intelligenz. Maschinelles Lernen. Robotik. Die UnternehmerTUM, das Gründungszentrum der Uni, hat zum Beispiel ein Programm namens "AppliedAI Initiative" gestartet, AI steht für Artificial Intelligence, also Künstliche Intelligenz. Google wird in dieses Programm in den kommenden drei Jahren 250 000 Euro investieren, wird mit Personal unterstützen. Das sei eine "große Anerkennung", heißt es von Seiten des Uni-Präsidenten.

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Die TUM hat jedes Jahr um die 1000 Forschungsverträge mit Firmen laufen, meist geht es um konkrete, einzelne Projekte. Wenn die Universität jedoch verstärkt mit einer Firma zusammenarbeitet, schließt sie einen Rahmenvertrag wie jetzt mit Google, davon gibt es bisher 20. Wie viel Geld durch die Kooperation mit Google fließe, könne man noch nicht sagen, sagt ein Sprecher, da die konkreten Projekte noch nicht feststünden. Unabhängig von dem Vertrag aber hat Google bereits eine Million Euro an die TUM Universitätsstiftung gezahlt und reiht sich damit als erste Firma außerhalb Europas neben andere sogenannte Exzellenzpartner wie Nestlé, Bosch oder Audi ein.

Die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft bringt der TUM auch Kritik ein

An der TUM arbeitet man seit je her eng mit der Wirtschaft zusammen, auf der einen Seite macht das die Uni so erfolgreich. Auf der anderen Seite bringt es ihr auch immer wieder Kritik ein, wie zuletzt Ende Dezember - die Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz hatte der TUM 20 neue Professuren für die Betriebswirtschaftslehre geschenkt. Nun also die Partnerschaft mit Google.

Das Unternehmen und die Uni hatten sich ab und an bereits zusammengetan, entwickelten zum Beispiel eine Methode, um 3D-Scans von Räumen automatisch zu vervollständigen. Wie viele Absolventen nach ihrem Studium bei Google angefangen haben, weiß man an der TU nicht, nur, dass es einige seien - natürlich wird es Google bei der Zusammenarbeit auch darum gehen, nach Mitarbeitern für das Isar Valley Ausschau zu halten.

Neben der Zentrale in Hamburg ist München zum größten Standort von Google Deutschland geworden, im Entwicklungszentrum am Arnulfpark arbeiten 500 Leute an der Technik der Zukunft. Und auch in Sachen Jobs versucht Eric Schmidt am Freitagabend zu beruhigen. Es werde in Zukunft trotz Roboter nicht zu wenige Jobs geben, sondern zu wenige Menschen für zu viele Jobs, sagt er, des demografischen Wandels wegen. Die Leute müssten also alle produktiver werden. Und dabei helfe vor allem eines: Die Künstliche Intelligenz.

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