Kardinal Reinhard Marx gab 2008 ein Versprechen: Beim Zukunftsforum dürfe jeder mitmachen. Die Münchner Gläubigen haben viele Ordner voll mit Vorschlägen formuliert - aber die Antworten des Erzbischofs lassen auf sich warten.
Der Frust sitzt tief. Egal mit wem man in diesen Tagen in der Erzdiözese München und Freising spricht: Wenn das Wort Zukunftsforum fällt, kippt die Stimmung. Zu viele Hoffnungen in diese Reform sind geschürt, zu viele Menschen enttäuscht worden. Die zentralen Vorwürfe: Die Informationspolitik der Bistumsleitung sei mangelhaft und der Prozess stagniere inhaltlich. Viele haben das Gefühl, dass den Reden des Erzbischofs keine Taten gefolgt sind.
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Seit 2008 ist Reinhard Marx Erzbischof von München und Freising. Er gibt sich leutselig, doch viele Gläubige sind inzwischen von ihm enttäuscht. Sie fühlen sich nicht ernst genommen. (© dpa)
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Dabei hatte Kardinal Reinhard Marx den Gläubigen im Sommer 2008 ein Versprechen gegeben. Er wollte sie unter dem Motto "Dem Glauben Zukunft geben" in einen "umfassenden Prozess zur geistlichen Neuorientierung" einbinden, der die Kirche fit für die Zukunft machen sollte. Alle Katholiken des Erzbistums wurden aufgefordert, in diesem Projekt mitzudenken und mitzuplanen. Entsprechend groß war die Resonanz. In kurzer Zeit sollen die Gläubigen viele Ordner voll mit Vorschlägen zusammengetragen haben.
Denn das Ganze sollte ja mehr sein als eine simple Strukturreform, mehr als die Schaffung großer Pfarrverbände. Es gehe um die Frage, "wie wir unseren Glauben in die Zukunft hineintragen und damit bewahren können", kündigte Marx an, der sich auch für den katholischen Dialogprozess auf Bundesebene engagiert.
Vor gut einem Jahr, im Dezember 2010, traf sich die Vollversammlung des Zukunftsforums zum vierten und letzten Mal. Sie überreichte der Bistumsleitung eine 67-seitige Zusammenfassung der Ergebnisse ihrer zwölf Arbeitsgruppen unter dem Titel "Pastorale Perspektiven - Empfehlungen an Kardinal Marx".
Die Forderungen der Gläubigen
Gefordert wurden darin zum Beispiel der Abbau hierarchischen Denkens, die Wende von Amts- und Priesterzentriertheit hin zu mehr Demokratie und Gleichberechtigung. Priesteramtskandidaten sollten teamfähiger werden, Homosexuelle und Geschiedene als vollwertige Gläubige angenommen werden. Dann begann das lange Warten auf Antworten des Kardinals.
Schon in der Anfangsphase war von Seiten der Laien erste Kritik zu hören, etwa was die Zusammensetzung des Forums betraf, die einige als "zu klerikal" und "zu hierarchisch" empfanden. So sitzen im Forum, das 126 Delegierte zählt, neben der Bistumsleitung alle 38 Dekane, aber nur zwei Vertreter der Jugend. Repräsentanten der Reformbewegung "Wir sind Kirche" sind gar nicht dabei. Kardinal Marx hatte vorgewarnt: Man dürfe "keine neue Synode" erwarten.
Wer einen Eindruck davon gewinnen möchte, wie sehr die Gläubigen an das Wort "Zukunft" geglaubt haben, unter dem der gesamte Reform- und Dialogprozess in der Erzdiözese steht, muss sich nur an die Rede erinnern, die der Vorsitzende des Katholikenrates der Region München, Uwe Karrer, im Oktober 2010 anlässlich des Jahresempfangs des Rates gehalten hat. Vor dem Hintergrund der kurz zuvor bekannt gewordenen Missbrauchsfälle formulierte Karrer ein ernüchterndes Urteil. Der Vertrauensverlust, den die katholische Kirche insgesamt und die Priester im Besonderen "zu Recht" erlitten hätten, münde in "Demotivation, ja Frustration ihrer haupt- und auch ehrenamtlichen Mitarbeiter".
Karrer stellte die Frage nach dem Pflichtzölibat und dem Diakonat der Frau. Und mit Blick auf das Zukunftsforum sagte er: "Innerhalb der Bistumsleitung sehe ich in diesen Fragen bisher wenig bis keine Bewegung." Provokant fügte er hinzu: "Ich wünsche mir in der Region München gescheite Pfarrer, gerne verheiratet, gerne mit Kindern, gerne auch eine Diakonin oder Pfarrerin."
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Die neueste Antwort
Kardinal Marx zeigt uns mit diesem Vorgehen, dass er verstanden hat.
Ein gutes Zeichen für unsere Kirche. Da kann man nur sagen: Weiter so!
Der 68er Marsch durch die Institutionen scheint überall gelungen, aber an unserer Kirche beißen sie sich die Zähne aus. Und das soll auch so bleiben. Schließlich sind wir eine spirituelle Gemeinschaft und keine Partei.
Wenn die 68er Links-Grünen die 10 Gebote verändern wollen, sollen sie sich doch bitte direkt an Gott wenden. Kardinal Marx sollte ihnen eine Pilgerreise auf den Sinai vorschlagen, wo sie auf neue Tafeln warten können. Es könnte sogar sein, dass eine neue Tafel herunterfällt, mit dem Inhalt: "11. Gebot: die 10 Gebote sind nicht aufgehoben und gelten weiterhin - auch in Deutschland".
Ich wette, sie werden unseren Herrn und Gott nicht vom deutschen Zeitgeist überzeugen können.
GuenterLdn schreibt
"Nur, dass das anschließende weltliche Procedere ein anderes ist, als noch zu Zeiten von Paul IV."
"Selbst wenn mein eigener Vater Häretiker wäre, würde ich das Holz zusammentragen, um ihn verbrennen zu lassen."
(Gian Pietro Carafa, Paul iv, ca. 1555)
hübsche Bräuche seinerzeit; vielleicht auch ein weiterer Grund, zu einschlägigen Institutionen eher mehr Distanz zu halten ..
Falls jemand zu der Überzeugung kommt, sich von katholischen Überzeugungen abzuwenden und häretischen Vorstellungen anzuhängen, gilt, was schon in Matthäus 18 geschrieben steht und bis heute Richtschnur für kleine Fälle bis hin zu den großen Problemen der Kongregation für die Glaubenslehre ist. Gespräch unter vier Augen, Gespräch in der Gruppe und wenn er dann nicht hört, so sei er dir ein Ketzer. Ein bewährtes Verfahren. Nur, dass das anschließende weltliche Procedere ein anderes ist, als noch zu Zeiten von Paul IV.
GuenterLdn schreibt
"Es ist (...) erschreckend, wie manche Menschen ohne Not Überzeugungen beiseite wischen, (...) ohne zu hinterfragen, ob dies alles tatsächlich so erstrebenswert ist."
und wenn sie nach reiflicher Überlegung und nachhaltigem Fragen zu dem Schluss gekommen wären, dass das alles sehr wohl erstrebenswert ist ..?
das gestrige bild in der sz sagt mehr als tausend worte ueber das selbstverstaendis der kirche.
Paging