Krisenszenarien in der Großstadt Hamstern für den Katastrophenfall

Greenpeace bewertet Einkaufspraxis bei Fischprodukten; Konserven_Notfall_Katastrophe Fischkonserven liegen am Mittwoch (14.12.2011) während einer Pressekonferenz in der Zentrale der Umweltschutzorganisation Greenpeace am Fischmarkt in Hamburg in einem Einkaufskorb. Greenpeace hat die Einkaufspraxis von 15 deutschen Handelsunternehmen bei Fisch und Meeresfrüchten überprüft und stellte die Ergebnisse auf einer Pressekonferenz vor. Untersucht wurde, welche Vorgaben sich die Unternehmen geben und wie sie diese umsetzen. Foto: Bodo Marks dpa/lno +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Eine Bombenexplosion, ein Chemieunfall, ein Ausbruch von Ebola: Opfer einer Katastrophe zu werden, ist für die meisten Münchner unvorstellbar. Dennoch beschäftigen sich Experten der Feuerwehr mit diesen Szenarien und entwerfen Notfallpläne - denn Vorbereitung ist alles.

Von Karoline Meta Beisel

Auf den Philippinen war es ein Wirbelsturm. Im November des vergangenen Jahres suchte der Taifun Haiyan die Inseln heim, fast 8000 Menschen kamen dabei ums Leben. Auf Platz zwei der Liste mit den größten Katastrophen des vergangenen Jahres, die das Internationale Rote Kreuz kürzlich veröffentlichte: ebenfalls Wasser, vom Monsun ausgelöste Überschwemmungen in Indien. Welches Unglück die Stadt München als nächstes heimsuchen wird, weiß keiner. Eine Isar-Flut? Ein Sturm? Eine Bombe? Vielleicht passiert auch etwas ganz anderes. Oder gar nichts.

Aber nur mal rein hypothetisch: Wenn die Versorgung mit Strom und Wasser zusammenbricht - und dafür ist es ja erst einmal egal, warum es dazu kommt - was passiert dann? Wo schlafen die Menschen, was essen sie? Es gibt Leute, deren Job es ist, sich in einem fort neue Katastrophen auszudenken und dann Pläne zu machen, wie mit der Katastrophe umzugehen ist.

Eine Räumung ist keine Evakuierung

Einer von ihnen ist Axel Rothstein. Er ist der Sachgebietsleiter für den Katastrophenschutz bei der Münchner Berufsfeuerwehr. Mehr als 100 "Katastrophensonderpläne" liegen dort bereit. Nach ihnen können im Notfall zum Beispiel ganze Straßenzüge evakuiert werden. "Nein, geräumt", sagt Axel Rothstein. Für Laien ist der Unterschied eher lexikalischer Natur, für Profis aber sind das zwei völlig unterschiedliche Vorgänge. "Geräumt bedeutet, dass die Leute nach nicht allzu langer Zeit wieder zurückdürfen", erklärt Rothstein. "Bei einer Evakuierung gehen wir davon aus, dass es keine Wiederkehr gibt." Wenn man so will, ist die Räumung die kleine Schwester der Evakuierung.

Als 2012 die Schwabinger Fliegerbombe in die Luft ging, wurde geräumt. 850 Anwohner mussten vorübergehend in sogenannte "Akutbetreuungsstellen" gebracht werden. So nennt man Turnhallen oder andere Räume, in denen die Menschen ausharren, bis sie wieder in ihre Häuser dürfen.

Es gibt immer einen Plan

In den vergangenen Tagen kommen die Katastrophenhelfer immer wieder ins Spiel, wenn es darum geht, den Flüchtlingen in den überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen zu helfen. Und auch Ebola ist für die Helfer ein großes Thema. Nicht, dass man irgendwo davon ausginge, dass eine Epidemie in München besonders wahrscheinlich wäre. Aber Wahrscheinlichkeiten sind für diesen Job sowieso weniger wichtig als man denken könnte: Es hilft einem ja nicht weiter, dass eine großflächige Überschwemmung auf dem Nockherberg einigermaßen unwahrscheinlich ist. Wenn dann doch wider Erwarten alles unter Wasser steht, muss man ja trotzdem irgendwie damit umgehen. "Alles ist möglich", sagt Axel Rothstein.

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Rothstein und seine Kollegen müssen aber nicht bei Null anfangen, ein paar Erfahrungen auf dem Gebiet der ansteckenden Krankheiten haben sie schon. "Da greifen dann ähnliche Mechanismen wie bei der Vogelgrippe oder der Schweinepest", sagt Rothstein. Überhaupt geht es im Katastrophenschutz vor allem darum, allgemeine Abläufe zu üben und Geübtes anzuwenden. Vorbereitet sein, das ist entscheidend. Dazu gehört auch: Vorräte zu haben. Auf Seiten der Feuerwehr ist dafür Christian Kaehs zuständig, Rothsteins Kollege vom Bevölkerungsschutz.