Krimibuchhändlerin Monika Dobler erklärt, warum sie Mankell nicht mag und gibt Tipps für Krimifreunde.
Vom 10. bis 24. März 2009 findet zum siebten Mal das Münchner Krimifestival statt - mit zahlreichen Lesungen und Veranstaltungen rund um das literarische Verbrechen. Monika Dobler ist seit 2000 Inhaberin der Kriminalbuchhandlung Glatteis im Glockenbachviertel.
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Monika Dobler ist Inhaberin der Krimibuchhandlung Glatteis im Glockenbachviertel. (© Foto: Breimaier)
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sueddeutsche.de: Frau Dobler, was macht einen guten Krimi aus?
Monika Dobler: Wichtig ist mir, dass die Geschichte stimmig ist und dass es mindestens eine Person gibt, die ich mag. Ein Krimi muss eine gute Sprache haben. Mich ärgert die Trivialität vieler Krimis. Ich brauche keine spektakulären Morde, aber viele Krimis sind einfach nur langweilig, das nervt.
sueddeutsche.de: Was ist ihr Lieblingskrimi?
Dobler: Meine absolute Lieblingsautorin ist Fred Vargas, eine französische Autorin, mit ihrem Kommissar Adamsberg in Paris. Der ist skurril, aber sehr liebenswürdig. Bei den Geschichten von Vargas geht es mehr ums Lesevergnügen als um Tempo und Action. Da brilliert absolut die Hauptfigur.
sueddeutsche.de: Gibt es einen Autor, den Sie nicht mögen?
Dobler: Wen ich wirklich schon nach dem zweiten Buch nicht mehr mochte, ist Henning Mankell. Mir hat dieser Wallander einfach zu viel herumgejammert. Ich kann auch nicht verstehen, dass der so erfolgreich ist.
sueddeutsche.de: Was ist gerade im Trend bei Krimilesern?
Dobler: Die amerikanischen "Hard-boiled"-Krimis, die im Gangstermilieu spielen, sind momentan wieder im Kommen. Beispiele sind hier Autoren wie Charles Willeford oder Richard Stark. Auch die skandinavischen Autoren sind nach wie vor sehr beliebt, die haben meist einfach gute Geschichten.
sueddeutsche.de: In letzter Zeit sind auch Regional-Krimis sehr erfolgreich. Können Sie sich das erklären?
Dobler: Den Leuten gefällt, dass bei ihnen um die Ecke ein Mord passiert ist. Da kann man miträtseln, welcher Bäcker oder welche Straße gemeint ist. Es ist ein Nervenkitzel. Aber ich finde, es würde nicht schaden, wenn es mit den Regional-Krimis wieder zurückgeht, denn es erscheinen in diesem Bereich auch sehr viele nicht so gute Bücher.
sueddeutsche.de: Wie gefallen Ihnen die München-Krimis?
Dobler: Die Figur des Tabor Süden von Friedrich Ani mag ich sehr. Seine Bücher haben nicht die spannendsten Krimiplots, aber die Figur ist eine sehr eigenwillige Person und die Geschichten finde ich sehr menschlich. Friedrich Ani hat eine wunderbare Art zu erzählen. Ich mag auch die Bücher von Veronika Rusch, in denen eine junge Anwältin die Hauptfigur ist. Die lesen viele meiner Kunden ebenfalls gerne. Auch Robert Hültner gefällt mir sehr. Der ist ja fast schon ein Klassiker. Seine Inspektor-Kajetan-Romane spielen im München der zwanziger Jahre.
sueddeutsche.de: Ihre Regale sind alle bis oben hin gefüllt. Wie behält man bei so vielen Krimis den Überblick?
Dobler: Wir haben etwa 5000 Bücher von ungefähr 2000 Autoren vorrätig. Die kann ich natürlich nicht alle gelesen haben, aber in fast jedes dritte Buch habe ich zumindest mal hineingeschaut. Das "Glatteis" gibt es seit fast zehn Jahren und ich lese im Schnitt drei Bücher pro Woche. Eins in der U-Bahn, eins abends im Bett und eins am Wochenende. Es ist wichtig, die meisten Bücher wenigstens quer zu lesen, damit man merkt, ob es irgendwo hakt, wie sich ein Autor entwickelt oder in welches Genre ein Krimi einzuordnen ist.
sueddeutsche.de: Jetzt beginnt bald das Münchner Krimifestival...
Dobler: Ja, ich freue mich jedes Jahr darauf, obwohl es natürlich auch viel Arbeit bedeutet. Es ist toll, so viele Autoren einmal live zu sehen. Man trifft sehr viele neue Leute. Das Krimifestival hat von Jahr zu Jahr an Popularität gewonnen, Kunden fragen mich teilweise schon Monate vorher, wann denn das Programm endlich da ist.
sueddeutsche.de: Was empfehlen Sie Krimi-Einsteigern?
Dobler: Einem richtigen Einsteiger würde ich zuerst einen Klassiker empfehlen, das ist ein Muss. Raymond Chandler, Dashiell Hammet oder Ross Thomas. Dann unbedingt einen Skandinavier, da ist Jo Nesbø mein Favorit. Von den deutschen Autoren würde ich Horst Eckert oder Norbert Horst empfehlen, die haben beide gute Polizeiromane.
sueddeutsche.de: Und wenn jemand einen München-Krimi lesen möchte?
Dobler: Da würde ich erstmal fragen, ob er gerne einen ernsthaften Krimi will oder ob er es auch gerne schräg mag. Wenn ja, dann würde ich ihm den Max Bronski empfehlen.
Veranstaltungen in der Krimibuchhandlung Glatteis während des Krimifestivals: Val McDermid liest aus ihrem neuen Thriller "Nacht unter Tag", 12. März, 20 Uhr, Eintritt 8 Euro. Andree Hesse liest aus seinem neuem Krimi "Die Schwester im Jenseits", 21. März, 17 Uhr, Eintritt 6 Eur. Weitere Infos: Krimibuchhandlung Glatteis, Corneliusstraße 31, Telefon: 089/2014844, www.glatteis-krimi.de oder unter www.krimifestival-muenchen.de
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(sueddeutsche.de/sonn/jja)
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Am lustigsten ist allerdings der Titel Brandmauer- ich habe echt eine zeitlang gebraucht:
Brandmauer = Firewall.
Darauf muss amn erst kommen!
. . . ist doch nur von Sjöwall/Wahlöö abgekupfert. Nach drei mühsam überstandenen Wallander mit grausamem Deutsch (Lag´s an der Übersetzung?) war für mich Schluss. Allein, wie Mankell versucht hat, den Titel der "Weißen Löwin" irgendwie in den Text zu biegen, war schon unterirdisch. Wenn es nicht unbedingt etwas Neues sein muss: Van de Wetering, Kemelmann, natürlich Simenon und s. o. sind immer wieder das Lesen wert.
Danke fuer den Tipp! Christian von Ditfurth werde ich bestimmt demnaechst lesen.
Ich finde Veit Heinichens Triest-Krimis richtig spannend und gut geschrieben.
Ich finde eigentlich gerade gut, dass die Polizeiarbeit in den Wallander-Krimis sehr realistisch dargestellt wird. Sie nervt halt immer wieder, da darf man dann auch jammern.
Was München-Krimis angeht kann ich die Bücher von Harry Luck (saublöder Name, aber sehr witziger Autor) sehr empfehlen. Böse Seitenhiebe auf die bayerische Regionalpolitik!
Insgesamt sind die Krimis von Christan von Ditfurth:
- Mann ohne Makel
- Mit Blindheit geschlagen
- Schatten des Wahns
extrem empfehlenswert. Sie haben immer einen starken historischen Bezug (Christian von Dithfurt ist Historiker) und spielen in der Gegenwart. Wer sich ein bischen für Geschichte interessiert und Krimis mag, dem kann ich diese Bücher nur wärmstens ans Herz legen.