Krimiautor Ani Mord im Hotel?

Friedrich Ani ist ein Mann, der schneller schreibt, als andere lesen. Der Krimiautor zieht nun ins Arabella Sheraton Grand Hotel. Ob es sich dort besser liest und schreibt?

Von Franz Kotteder

SZ: Das Thema Hotel hat Sie immer schon fasziniert, viele Ihrer Krimifiguren verschlägt das Schicksal in billige Pensionen. Wie sind Sie jetzt ins Grand Hotel gekommen?

Krimiautor Friedrich Ani

(Foto: Foto: ddp)

Ani: Ich wollte schon im vergangenen Jahr in München ein normales, schönes Hotel finden, um dort längere Zeit zu wohnen. Keine billige Pension: Es geht ja nicht darum, dass ich irgendwo unterkomme, ich habe ja eine Wohnung. Aber das war alles nicht bezahlbar.

Da müsste man wirklich ein Rockstar sein, der einen Haufen Geld verdient. Ich hab' das Reinhard Wittmann vom Literaturhaus mal erzählt, und so hat sich das ergeben.

SZ: Praktisch, dass das keine Ausstellung über Bahnhofspensionen ist.

Ani: Klar. So ein Grand Hotel hat natürlich ein besonderes Flair. Ich werde auch ein schönes Zimmer haben, weit oben, mit Blick nach Süden, was ein sehr großstädtischer Ausblick ist. Und dann freut es mich natürlich, dass sich so ein Hotel sagt: "Wir leisten uns einen Autor." Für diesen Fall bin ich genau der Richtige!

SZ: Und was machen Sie dort den ganzen Tag?

Ani: Ich sitze auf meinem Zimmer und schaue fern! Alle Programme rauf und runter. Nein, im Ernst: Ich werde dort eine Kriminalerzählung schreiben. Das wird schon spannend, weil da ja doch Hunderte Leute arbeiten, und da kann man ganz interessante Berufsgruppen treffen. Vor allem werde ich in der Lobby rumsitzen und einfach schauen und zuhören.

SZ: Die Stadtbesichtigung können Sie sich ja sparen.

Ani: Stimmt, die Stadt kenne ich schon. Mir reicht der Blick von oben. Das Hotel werde ich wenig verlassen, das ist ja nicht notwendig. Ich lasse mich einfach treiben.

SZ: Was ist das Spannende am Leben im Hotel?

Ani: Dass man unterwegs ist, aber nicht verreisen muss. Dass es dort praktisch kein Eigentum gibt außer ein paar persönlichen Dingen. Das ist so eine Vorstellung von totaler Unabhängigkeit. Ich stehe morgens auf und bin direkt in der Welt. Das ist sehr angenehm.

SZ: Das hätten Sie aber beispielsweise auch im Ausland haben können.

Ani: Ich war noch nie ein Verreiser und werde es auch nicht mehr werden. Und dafür ist ein Münchner Hotel der beste Ort: das Verreisen zu simulieren. Es ist ein Bild für das Woanderssein. Man ist woanders und gleichzeitig daheim - ideal!

Ich glaube, dass dieser flüchtige Ort namens Hotel für manche Charaktere einfach das Richtige ist. Es ist wie eine Metapher fürs Leben: Du bist halt nicht auf Dauer hier, weder auf diesem Planeten noch in deiner Wohnung. Und im Hotel ist das ganz deutlich. Es ist ein Kommen und Gehen, und du weißt genau: Ich bleibe zwar noch, aber ich muss ganz sicher wieder weg.

SZ: Und Sie müssen nach drei Wochen wieder weg?

Ani: Nein, ganz so begrenzt ist es nicht. Vielleicht sag ich ja auch: "Es tut mir leid, ich muss noch einen Monat bleiben, weil es gerade so inspirierend ist."

SZ: Wir werden ja lesen, was Sie da inspiriert.

Ani (lacht): Wenn es denn stimmt, was ich schreibe! Vielleicht erfinde ich dieses Hotel ja einfach völlig neu.