SZ-Kritiker Gustav Weinberger hat einen Strand in Schwabing gefunden. Dort werden Oktopus und Keftedes serviert - Weinberger ist begeistert.
Wenn ein Restaurant auf der Speisekarte "ein paar Stunden Urlaub vom Alltag" verspricht, dann ist Weinberger gewarnt. Wie oft schon hat er sich vom Fernweh in schummrige Kaschemmen treiben lassen und ist dabei in pseudo-mediterrane Touristenfallen getappt. Meist laufen solche Verheißungen auf Bauchtanz hinaus, nicht selten auch auf Bauchweh.
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Weinberger versucht, beides zu vermeiden. Eine Küche, die auf sich hält, so glaubt er, muss nicht an niedere Urlauberinstinkte appellieren. Doch dann machte die griechische Freundin ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte: ein Treffen bei ihrem Lieblingsgriechen, der sich eben jenes fatale Ferien-Versprechen auf die Karte geschrieben hat. Was soll man da tun?
Dilemma ist ein griechisches Wort, so wie die Lämmer eine rein griechische Spezialität sind, jedenfalls nach Meinung der Griechen, für die fast alle Gerichte und auch alle Worte griechischen Ursprungs sind. Natürlich haben die alten Griechen auch die Geselligkeit erfunden. Ihren fröhlichen Zusammenkünften gaben sie den Namen Parea. Und Parea, da schließt sich schon der Kreis zum Dilemma, heißt auch das Lieblingslokal unserer Lieblingsgriechin.
Wie aus dem Tavernen-Traum
Eines kalten Winterabends haben wir den Gastraum von der Schwabinger Kaiserstraße aus betreten, und es erwartete uns zunächst das Erwartete: Weiß und blau sind die Wände; Weinlaub der künstlichen Art rankt hernieder. Kein wirklicher Kitsch, durchaus geschmackvoll, aber wie aus dem Tavernen-Traum, inklusive der wackligen Tische.
Doch dann kam alles anders als erwartet. Denn im Parea mag man auf's Äußere keinen so großen Wert legen, aber auf's Essen legt man äußersten Wert. Fast alles, was auf den Tisch kam, der dank eines vom Wirt untergelegten Bierdeckels auch gar nicht mehr wackelte, war von vorzüglicher Qualität und von beeindruckender Quantität.
Die Preise - drei bis sieben Euro für Vorspeisen, zehn bis siebzehn Euro für die Hauptgerichte, vier Euro für den Nachtisch - erscheinen angemessen. Der Service war schnell, freundlich bis freundschaftlich und doch nicht distanzlos. Die Folge: Selbst unter der Woche war das Lokal immer gut gefüllt. Bisweilen mischt sich Schwabinger Schickeria unter die Gäste, doch auch Uschi Glas wird nicht anders behandelt als andere.
Höhepunkt: Keftedes
Bei den Vorspeisen empfehlen sich die gemischten Platten. Kalt bieten sie verschiedene Pasten von Tsatsiki bis zur pikanten Fischpaste Taramas, dazu dicke Bohnen, Auberginensalat und Oktopus. Die warmen Vorspeisen bestehen aus Auberginen und Zucchini im Teigmantel, Austernpilzen, Artischocken, gefüllten Paprikaschoten mit Schafskäse und als Höhepunkt Keftedes, wunderbar lockeren Hackfleischbällchen. Dazu wird Pitta gereicht - ganz frisch, ganz heiß, ganz knofelig.
Bei den Hauptgerichten geht das Parea erfreulicherweise weit über die Klassiker der neo-hellenischen Kochkunst hinaus. Natürlich gibt es auch hier Gyros, Souflaki und Lammkotelett, was sich in perfekter Vielfalt vereint auf dem Parea-Grillteller wiederfindet. Doch jenseits des Üblichen bietet die Speisekarte sehr viel Ausgefallenes, sehr viel Abwechslungsreiches, und obendrein hält die Küche noch weitere Tagesüberraschungen bereit.
Nehmen wir zum Beispiel das Hasenfilet. Zart und rosa gebraten, in einer Rotweinsauce mit Lorbeerblättern, dazu Bratkartoffeln - ein Genuss. Oder die Ente: köstliches Fleisch in einer süßlich-pikanten Sherry-Sauce mit Maroni. Das lässt keinen Wunsch mehr offen - höchstens nach dem tollen Gemüse, das es zum Beispiel als Beilage zum Lammfilet gab.
Das griechische Lamm kommt übrigens aus Neuseeland, und der Wirt vermerkt es der Ehrlichkeit halber auf der Karte. Die lange Reise war dem Fleisch zum Glück nicht anzumerken. Als Filet kam das Lamm in einer köstlichen Käsesauce, die allerdings nur einen Knoblauchhauch verschieden war von der Sauce, die zur Pute gereicht wurde. Angesichts der mittlerweile sehr hohen Erwartungen waren wir da ein wenig enttäuscht.
Angst vorm Eiweißschock
Kennerschaft beweist der Koch auch bei der Zubereitung der Fische, in Vollendung bei der Fischplatte für zwei Personen: In der Mitte thronte eine gegrillte Dorade, rundherum fanden sich zwei Lachsfilets, Riesengarnelen, Muscheln und Tintenfischtuben. So üppig war das, dass Weinberger ein wenig Angst vor einem Eiweißschock bekam und deshalb reichlich Ausgleich suchte auf dem riesigen Beilagenteller.
Die Vitaminzufuhr gelang, weil Spinat, Auberginen, Karotten, Broccoli und Blumenkohl knackig frisch schmeckten. Auch das Schwertfischsteak, eine riesige Portion, wusste zu überzeugen, nicht zuletzt dank der Zitronenbuttersauce mit Kapern.
Das Parea bietet ein Paradoxon: die leichte griechische Küche, nicht verkocht, wenig fettig. Bei Hartgesottenen lässt das sogar noch Platz für Nachtisch, und auch das kann lohnend sein: ein solides Halva; Baklava, das nur dezent in Sirup getaucht und deshalb nicht zu süß war; eine Art Baumkuchen namens Gormos und ein galaktisch gutes Galaktoboureko, Milchcremetorte mit Blätterteig.
Weinberger verließ das Parea bestens gestimmt, fast erholt wie nach einem kurzen Urlaub. Er trat hinaus in die Nacht und bemerkte ein wenig Schnee am Schwabinger Strand.
PAREA, Kaiserstraße 28, täglich geöffnet von 16 bis 1 Uhr, Telefon 336023
Studie von UN-Kinderhilfswerk
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