"Tutzinger Hof" Griabig auf hohem Niveau

Im Tutzinger Hof in Starnberg begleitet eine gemütliche Wirtshausatmosphäre die traditionellen Gerichte. Die Portionen sind groß - ohne dass der Geschmack darunter leidet.

Von Gertrude Fein

Ein Wirtshaus hatte früher eine Gaststube, eine Gassenschänke und, wenn es sich um ein größeres Haus handelte, einen Saal für Feste. Es wurde in erster Linie Bier konsumiert; das Angebot an Speisen hielt sich in Grenzen, gleiches galt für die Preise. Die Stube war schlicht möbliert, hatte vielleicht noch ein Geweih an der Wand oder ein Kreuz im sogenannten Herrgottswinkel. Das war's dann auch schon. Werkzeuge und Küchengeräte blieben da, wo sie hingehörten, im Schuppen oder in der Küche. Aus unerfindlichen Gründen galt es später als urig-gemütlich, mit dem Zeug die Wände vollzuhängen.

Im Wirtshaus im Tutzinger Hof ist das weniger aufdringlich, aber etliches von dem, was man früher auf Bairisch "a oids Graffl" nannte, hat es doch an die Wände geschafft, darunter eine in Ehren gealterte Lederhose. Die Schwemme, ein lang gezogener Raum mit schöner, hier einmal nicht auf alt gemachten Holztäfelung, blanken Holztischen und dunklem Holzboden verdient den Ausdruck "griabig", wie es im Internet heißt. Über jedem Tisch hängt eine Lampe mit angenehmem Licht, sodass der Gast nicht Gefahr läuft, an einer Gräte oder einem Knöchelchen zu ersticken.

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Außer der Schwemme gibt es noch zwei weitere, sehr gemütliche Räume mit denkmalgeschütztem Tonnengewölbe, die sich gut für allerlei Feiern eignen. Wie die Einrichtung kommt auch die Karte ohne allzu viel Schnickschnack aus, sieht man von der Zutat "Kinikas" im "Wirtshaus-Burger" einmal ab, bei der es sich vermutlich um Käse handelt, für den einmal wieder der "Kini" missbraucht wird. Es könnte sich aber auch um ein neumodisches Getreide oder eine exotische Wurzel handeln.

Zum Auftakt ist gerade jetzt im Winter eine der kräftigen Suppen ideal, egal ob Pfannkuchensuppe (3,90 Euro) oder die reichhaltige Wirtshaussuppe mit dünnteigiger Maultasche, Pfannkuchenstreifen und etwas fadem Grießnockerl (6,20). Wer danach das sehr zarte, in Butterschmalz gebratene Wiener Schnitzel (original vom Kalb) bestellt, tut gut daran, eine kleine Portion zu ordern (normal 18,90, klein 15,12). Von den meisten Gerichten werden auch kleinere Portionen serviert, die dann 20 Prozent weniger kosten. Beim Böfflamott wäre das dringend geraten gewesen, weil der Berg des überaus mürben Rindfleisches mit geschmortem Gemüse, Rotweinsauce und zwei kleinen Semmelknödeln kaum zu bezwingen war (18,90).

Der Schweinekrustenbraten zeichnete sich durch eine köstliche Kruste aus, rösch, aber nicht zum Zähneausbeißen (12,20). Begleitet wurde er von Krautsalat und jeweils einem kleinen Kartoffel- und Semmelknödel. Letztere waren leider immer recht fad, beim Böfflamott genauso wie bei der Ente, deren Haut zwar nicht rösch war, wie es angekündigt war, die aber trotz dieses kleinen Fehlers, begeisterte: Keule und Brust perfekt gebraten, die Brust vom Knochen gelöst, sodass sie bequem zu schneiden war, und das Fleisch schmeckte richtig gut nach Ente, ohne penetrant zu sein (die Viertel-Ente 14,90).

Kostprobe: Tutzinger Hof

Qualität: ●●●●●●●●○○

Service: ●●●●●●●●○○

Ambiente: ●●●●●●●●○○

Preis/Leistung: ●●●●●●●○○○

82319 Starnberg, Tutzinger-Hof-Platz 7

Telefon: 08151-9718875

www.wirtshaus-starnberg.de

Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 24 Uhr, warme Küche 11.30 bis 22 Uhr, kein Ruhetag.

Aber nicht nur Bayerisches bietet die Karte. Die üppige Portion gebratener Gänseleber mit Apfelspalten, Balsamico-Zwiebeljus und Kartoffelpüree hätte auch jeden Franzosen zufriedengestellt (17,90). Das Carpaccio vom bayerischen Jungbullen mit gebratenen Schwammerln und gehobeltem Parmesan war von bester Qualität; nur die Trüffelmarinade schmeckte etwas vorlaut nach dem Trüffelaroma (12,90).

Außerordentlich preiswert war das ausgezeichnete Hechtfilet, ein grätenfreies Stück, so groß, dass es über die ganze Platte reichte (13,90). Dazu gab es hausgemachte Remoulade und Kartoffel-Gurken-Salat. Kartoffelsalat wird hier in einem Glas serviert, das mit der Öffnung nach unten auf dem Teller steht; am Tisch wird das Glas hochgehoben und der Salat flutscht heraus. Die Remoulade wurde in einem eigenen Napf serviert. Alle Extrasoßen, wie etwa das hausgemachte Ketchup oder die Marinade zum Salat, werden in Näpfchen oder Gläsern dargeboten.

Die sehr guten Kässpatzen mit aromatischem Bergkäse und röschen Zwiebeln (9,80) wurden von einem kleinen Salat in einem Weckglas begleitet, außerdem von Bratensoße in einem Eimerchen wie aus der Puppenküche. Unter der Rubrik "fleischlos glücklich" gibt es nicht nur die Kässpatzen, sondern mehrere vegetarische und auch vegane Gerichte. Zu den Fusilli mit veganer Bolognese wird gehobelter Parmesan gereicht, der nun nicht gerade unter vegan fällt. Ein "Magentratzerl" als Dessert, eine kleine Bairischcreme im Glas mit Himbeerspiegel, ist genau das, was nach all den Genüssen noch passt (3,30).

Sieben verschiedene Biersorten sind im Angebot (3,70 bis 4,30 die Halbe), Preise, die sich noch im Wirtshaus-Rahmen bewegen. Dass ein halber Liter Sodawasser in der Karaffe 3,20 Euro kostet und 0,2 Liter Riesling aus dem Rheingau 6,60, sprengt allerdings diesen Rahmen bei Weitem.

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