Wirtshaus im Braunauer Hof Auf ein Curry ins Wirtshaus

Das neue Wirtshaus im Braunauer Hof ist heller und moderner als sein Vorgänger. Die Wirte Kristina und Mario Klaric sind Geschwister.

(Foto: Robert Haas)

Der frühere Braunauer Hof am Isartorplatz heißt jetzt ein bisschen anders, und auch sonst hat sich einiges verändert. In der Küche gelingt den neuen Gastronomen der Spagat zwischen Klassik und Moderne.

Von Moritz Mayer-Rahn

Wenn ein Wirt von seiner Brauerei die Verantwortung für ein größeres Lokal übertragen bekommt, ist das normalerweise eine Auszeichnung, gewissermaßen eine Art von Beförderung. Bei den Gastronomen Kristina und Mario Klaric war das nicht ganz so einfach. Denn das aus Kroatien stammende Geschwisterpaar musste für die neue Aufgabe etwas aufgeben, das ihnen ans Herz gewachsen war.

Bis zum Jahresende haben die beiden das Franz Josef in der Nymphenburger Straße bewirtschaftet. Oder besser gesagt: Sie haben es nach oben gewirtschaftet. Denn lange Jahre war die Wirtschaft im Vorderhaus der CSU-Zentrale unter dem Namen Löwe und Raute ein eher düsterer Ort mit einer Küche von weit unterdurchschnittlicher Qualität.

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Die Klaric-Geschwister haben daraus ein schmuckes bayerisches Wirtshaus gemacht, ein Nachbarschaftslokal im besten Sinne. Das hat Jahre gedauert, denn in der Gastronomie ist kaum etwas schwieriger, als ein Wirtshaus wieder in Schwung zu bringen, das einen schlechten Ruf hat und um das die Leute aus dem Viertel einen großen Bogen machen. Doch Ende vergangenen Jahres war plötzlich Schluss: Die CSU hat ihr Domizil verkauft und ist nach Nordschwabing gezogen. Das Haus wird abgerissen und damit auch das Franz Josef.

Und jetzt folgt die neue Aufgabe, die ganz anders ist als die alte, auch mit ganz anderen Schwierigkeiten. Denn mit dem Braunauer Hof am Isartorplatz haben die beiden ein Münchner Traditionslokal übernommen, das mehr als 60 Jahre lang von der gleichen Wirtsfamilie geführt wurde. Die alten Wirtsleute Burgi und Rudi Plabst hatten ebenfalls zum Jahresende aufgehört. Wenn in so einem Lokal, das eher schon eine Institution ist, der Wirt wechselt, knüpfen sich daran eine Menge Fragen. Wird jetzt alles umgekrempelt? Werden die alten Stammgäste auch dem neuen Wirt treu bleiben? Werden die Stammgäste vom Franz Josef ihrem Wirt in sein neues Lokal folgen, auch wenn es jetzt nicht mehr um die Ecke liegt?

Seit März ist das Lokal nach einer umfassenden Sanierung jetzt wieder in Betrieb. Und das Fazit kann hier schon einmal vorweggenommen werden: alles gut. Das fängt beim Umbau an, der äußerst geglückt ist. Die Paulaner-Brauerei hat es sich etwa 300 000 Euro kosten lassen, das in die Jahre gekommene Ambiente mit seiner schweren Holzvertäfelung dem Geschmack der Zeit anzupassen.

Die Architekten haben ein großes Lob verdient

Herausgekommen ist ein luftiges bayerisches Wirtshaus, das nichts an Gemütlichkeit eingebüßt hat, aber mit seinen hellen Tischen und dem sparsam eingesetzten dunklen Holz an den Wänden einfach aufgeräumter und einladender wirkt. Die Architekten vom Büro Wildsfeuer, die den Laden in Zusammenarbeit mit Paulaner-Chef Andreas Steinfatt gestaltet haben, haben ein großes Lob verdient.

Dem Vernehmen nach war kurz erwogen worden, den Namen Braunauer Hof komplett zu ändern, wohl um jede Assoziation mit dem Geburtsort Hitlers zu tilgen. Dabei hatte der Name nie etwas Anrüchiges an sich, er geht auf Fuhrleute zurück, die einst über Braunau am Inn nach München kamen. Wohl deshalb hat man es am Ende bei einer behutsamen Korrektur bewenden lassen, der Name lautet jetzt Wirtshaus im Braunauer Hof.

Zur stimmigen Atmosphäre eines bayerischen Wirtshauses muss natürlich auch die Küche passen, und hier ist den Wirten ein Spagat zwischen Klassik und Moderne gelungen. Denn der alte Braunauer Hof war für althergebrachte bayerische Gerichte bekannt, die sonst kaum noch irgendwo auf der Speisekarte standen. Kalbsköpfe und Kalbsfüße zum Beispiel oder etwa Stierbeutel, also Stierhoden.

Nicht alles, aber zumindest einiges, findet sich auch auf der neuen Karte. Wir haben das saure Kalbslüngerl (10,90 Euro) probiert und selbst wer Innereien sonst skeptisch gegenüber steht, könnte hier bekehrt werden. Ansonsten ist die Speisekarte weitgehend identisch mit jener, die schon im Franz Josef großen Anklang gefunden hat: eine Mischung aus bayerischen Klassikern wie dem Schweinsbraten mit Knödeln (10,90) bis hin zu exotischen Farbtupfern. Das rote Thai-Curry, wahlweise mit Ente (17,50) oder vegan (14,50), wird auch in einem asiatischen Restaurant nicht besser zubereitet. Koch Mario Klaric profitiert hier von seiner Zeit in Asien.

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Die Küche, obwohl weit größer und damit personalintensiver als im Franz Josef, hat ihren Standard über die ganze Speisekarte hinweg gehalten. Ob der Rindertafelspitz mit Wurzelgemüse, Röstkartoffeln und frischem Kren, der wirklich frisch ist (14,80), oder das Wiener Schnitzel, ebenfalls mit Röstkartoffeln (18,50) und einer luftigen Panade: Nirgends gibt es etwas auszusetzen. Gut, beim Zanderfilet mit Sommersalat (12,80) hätte der Salat vielleicht ein etwas raffinierteres Dressing verdient gehabt. Dafür war die Tafelspitzsülze mit Röstkartoffeln über jeden Zweifel erhaben: das Fleisch zart, das Gelee dezent und keine fingerdicke Glibbermasse.

Geblieben ist auch die große Freundlichkeit des Personals, von dem ebenfalls ein großer Teil mit hinübergewechselt ist. Und ein absoluter Tipp ist der schattige Biergarten im großzügigen Innenhof. Eine solche Oase der Ruhe unmittelbar am verkehrsumtosten Altstadtring würde man beim flüchtigen Vorbeigehen kaum vermuten. Das Wirtshaus im Braunauer Hof ist in jedem Fall einen Besuch wert. Und die Wirtsgeschwister können sich auf die ausreichende Geduld der Brauerei offenbar verlassen. "Wir stehen zu hundert Prozent hinter euch, geht euren Weg", sagte Andreas Steinfatt bei der offiziellen Eröffnung vor wenigen Wochen.