Konzertkritik Rod Stewart geht die Puste aus

Rod Stewart setzte in der Olympiahalle auf Animalprints und seine bewährten Hits.

(Foto: Stefan M. Prager)

Der Alt-Rocker setzt beim Konzert in der Olympiahalle auf Animalprints, Pässe ins Publikum und seine größten Hits. Eine sichere Bank? Nicht ganz.

Von Oliver Hochkeppel

Was war das für ein Triumph vor zwei Jahren. Da bebte bei Rod Stewart die Olympiahalle, und die Kritiker überschlugen sich: "Sensationell" und "restlos begeisternd" las man über den Schotten, der dem Alter wieder mal ein Schnippchen schlug und nicht nur die gewohnt zuverlässige Live-Show abzog, sondern mit dem ersten selbstgeschriebenen Studioalbum seit vielen Jahren im Gepäck wie durch einen kreativen Jungbrunnen watete.

So ein neues Album ("Another Country") hat er jetzt wieder am Start und entsprechend hoch waren die Erwartungen vor dem Konzert in der Olympiahalle. Man muss sagen: Sie wurden enttäuscht.

Es begann schon damit, dass Stewart, der vorab in allen Interviews verkündet hatte, er freue sich so darauf, seine neuen Stücke zu singen, gerade mal eines davon ("Love Is") im Programm hatte. Und die schöne Hommage an seinen Vater "Can't Stop Me Now" vom Vorgängeralbum. Ansonsten aber vertraute Stewart ausschließlich auf seine größten Hits.

Spannungsarme Las-Vegas-Show

Das muss kein Fehler sein, die meisten Zuschauer - aus der gesellschaftlichen Mitte, würde Altkanzler Schröder sagen - waren wohl genau deswegen gekommen. Doch so absehbar, so auf Nummer sicher, so spannungsarm wie diese Las-Vegas-Show muss man ein Programm nicht aufbauen. Einige Stücke setzte er obendrein ordentlich in den Sand, wie das durch ein merkwürdiges Arrangement auseinanderfallende "Maggie Mae" oder das zersungene "Some Guys Have All The Luck".

Vor allem zu Beginn war der Sound grauenhaft - in den Spitzen bis zum Klirren grell, darunter verwaschen. Selten kam Stewarts markante Soulstimme, die so gekonnt Heiserkeit modulieren kann, berührend rüber.

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Am besten war noch der Akustik-Teil, bei dem Stewart einmal nicht in wechselnden Leoparden-Sakkos herumtigerte. Seine Band samt sechs hübschen jungen Damen setzte sich zu "The First Cut Is The Deepest" und der Mitsing-Nummer "I Don't Want To Talk About It" im Halbkreis um ihn herum, er wirkte einmal ganz bei sich und warf Blicke nach links und rechts wie einst die Gäste in der Muppets Show. Nett. Im großen Finale schließlich, wie gewohnt mit "Sailing" und "Da Ya Think I'm Sexy", sorgte das Publikum dann selbst dafür, dass stimmungstechnisch nichts mehr schiefgehen konnte.

Der Held kickte Bälle, aber wirkte müde

Zuvor freilich war dem höchstens noch beim gewohnten Fußbälle-in-die-Halle-Schießen energiegeladenen Stewart sichtlich die Puste ausgegangen. Auch der vielgerühmte Humor erschöpfte sich in einem Gag auf Kosten des Düsseldorfer Publikums vor ein paar Tagen und ein paar selbstironischen Hüftwacklern.

Beim Jimi-Hendrix-Cover "Angel" hatte Stewart der vielen Toten der vergangenen Wochen gedacht: "They're falling like flies these days." So weit ist es mit dem unverwüstlichen, singenden Fußballer noch lange nicht. Aber der Held wirkte müde. Fast wie ein 71-Jähriger eben.

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