Konzert von Beirut in München Sie kommen, singen und schweben

Die US-Band Beirut mischt Folklore mit Folk, Chansons mit Indie und Mariachi-Klänge mit Elektro-Pop. Zum ersten Mal haben die Musiker jetzt in München ein Konzert gegeben - und die ausverkaufte Tonhalle fast zum Schweben gebracht.

Von Lisa Sonnabend

Wenn gerade kein Instrument zur Hand ist, keine Trompete, nicht einmal die kleine Ukulele, dann nimmt Zach Condon seine Fäuste und trommelt den Takt auf seinem Brustkorb mit. Dum dummmdummm dum.

Musiker der Globalisierung: Zach Condon, Kopf von Beirut, bei einem Konzert in Los Angeles Anfang September.

(Foto: AFP)

Bis zu elf Musiker spielen bei der US-amerikanischen Band Beirut, bei ihrem Konzert in der Münchner Tonhalle am Dienstagabend stehen neben Sänger Zach Condon nur fünf Personen auf der Bühne. Und so müssen diese ständig Instrumente tauschen: vom Akkordeon zum Piano, von Gitarre zu Cello oder Tuba. Nur der Schlagzeuger darf auf seinem Platz bleiben.

Es ist das allererste Konzert in München von Beirut, die sich 2006 gründeten. Das Publikum jubelt nach jedem Lied auf, klatscht eifrig mit. Es ist eben einmalig, was Zach Condon und Begleiter abliefern.

Als 16-Jähriger brach Condon die Schule ab, um durch die Welt zu reisen. Nun ist er Mitte Zwanzig und die Musik erzählt noch immer von seinen Erlebnissen. Die Songs tragen Titel wie "Santa Fe", "Nantes", "Venice" oder "Rhineland", ein Lied über das Rheinland, das er an diesem Abend leider nicht spielt.

Das aktuelle, mittlerweile vierte Album "The Rip Tide" ist ein wenig poppiger und in sich gekehrter geworden, doch natürlich finden sich auch darauf wieder Songs, die Völker verbinden. Musik für eine globalisierte Welt. Condon mischt: Folklore der Sinti und Roma, französische Chansons und mexikanische Mariachi-Klänge mit Folk, Indie und Elektro-Synthiepop. Nur den Libanon, nach dessen Hauptstadt sich die Gruppe benannt hat, lässt er links liegen.

Trotz der vielen Einflüsse erhebt Zach Condon seine Lieder zu etwas ganz Eigenem. Sie sind schräg, melancholisch, hypnotisierend, virtuos, orchestral, nostalgisch, kauzig, schön, offenbarend. Und vor allem: Sie sind von so einer purer Reinheit - dass Waschmittelhersteller sich darum reißen dürften, ein Lied von Beirut für einen Werbespot zu bekommen.

Natürlich geht an dem Konzertabend in München von all dem ein wenig verloren. Manche Zuschauer unterhalten sich während der Songs, andere rufen dazwischen und auch die Akustik in der Tonhalle vermag nicht den ganzen Zauber zu transportieren.

An den Wänden der Tonhalle hängen Plakate für den Film "Bombay Beach", Beirut hat Lieder dafür beigesteuert. Doch die Musik von Beirut taugt nicht nur als Soundtrack für einen Film, sondern würde sich auch als Vertonung für eine ganze Stadt gut machen. Wie beschwingt und glücklich würden die Bewohner sein, wenn in den U-Bahnwägen Beirut laufen würde, wenn in den Büros "Postcards from Italy" gespielt würde und in den Parks "Vagabond".

Wenn im Bierzelt auf dem Oktoberfest die Musik von Beirut ertönen würde, würden die Besucher nicht mehr schlagen, nur noch schunkeln. Wenn die Songs in der Fußballarena in Fröttmaning laufen würden, hätte der FC Bayern das Champions-League-Finale im Mai nicht verloren, sondern mit Leichtigkeit gewonnen und dem TSV 1860 München würden so zielsichere Pässe gelingen, dass der Verein endlich wieder aufsteigen würde. Wer weiß, womöglich würde München schweben.

Die Zuschauer schreien nach 70 Minuten frenetisch wie schon lange nicht mehr nach einer Zugabe. Zach Condon kommt noch einmal mit Ukulele auf die Bühne, schließlich noch einmal die ganze Band. Dann ist das Konzert zu Ende, der Soundtrack verstummt, der Film ist aus. München lächelt noch einmal selig. Draußen hat es begonnen zu regnen, der Sommer ist nun endgültig vorbei.