Von S. Gierke

Polohemdenträger zeigen Fäuste: Public Enemy, die revolutionärste HipHop-Band der Welt, spielt in München. Alles passt - nur die Fans nicht. Ein Konzertbesuch.

Seine gelbe Kappe hat Flavor Flav für das Bad in der Menge abgenommen. Damit sie ihm keiner klaut. Hätte es gar nicht gebraucht. Denn Gefahr bestand nicht, hier in München, im gut gefüllten Backstage. Nicht einmal die Gefahr des Kappen-Diebstahls bestand, als der Rapstar durch die Fans wandelt, begleitet von einem der beiden S1W-Tanzleibwächter seines Rap-Kommandos Public Enemy. Er will Hände schütteln, aber die Hände halten meist einen Fotoapparat. Was Flavor Flav wohl denkt, als er in all die netten Gesichter blickt?

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Einflussreiche HipHoper: Public Enemy. Die Band ist gerade auf Europa-Tournee. (© Foto: ap)

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Public Enemy, eine einflussreiche und sicherlich die revolutionärste HipHop-Band der Welt, ist wieder auf Tour. Sie haben gute neue Songs veröffentlicht, aber im Mittelpunkt des Konzerts steht eines der wichtigsten Alben der Popgeschichte, das Opus Magnum der Polit-Rapper: "It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back" von 1988.

Sie spielen alle Songs, viele im Publikum sprechen jedes Wort auswendig mit. Ungeheuer wütend und kraftvoll klingt es noch immer, wenn Chuck D in hoffenheimscher Geschwindigkeit seine Wortkaskaden abfeuert. "Mind Terrorist", "Don´t believe the Hype", "Party for Your Right to Fight". Die Leidenschaft des Nichteinverstandenseins, die Wucht des Wortes, die Emotionalität des Aufbegehrens, alles noch da - auf der Bühne.

Das Publikum: alt gewordene Mittelschicht-Kinder

Doch wo ist das Aufbegehren, wenn in München im Dezember 2008 eine überwiegend aus ziemlich alt gewordenen Mittelschicht-Kindern bestehenden Fanmenge inbrünstig "Fuck George Bush" schreit? Wenn ein circa 30-Jähriger, der gerade in "Business Casual" aus dem Büro kommt, sich ein mittlerweile zu enges "Fight the Power" T-Shirt über das Polohemd streift und während des Konzerts zaghaft die Faust zum Zeichen seiner Entschlossenheit zu was auch immer in die Luft streckt?

Das hat natürlich nichts mit Revolution zu tun, sondern alles mit Nostalgie. Die Sehnsucht nach der eigenen mehr oder weniger wilden Vergangenheit wird während dieser Lieder für ein paar Minuten auf bizarre Art akzeptabel.

Aber macht das die Band zu lächerlichen Clowns? Nein, sicher nicht. Die geben zwei Stunden ihr Bestes, nicht für die große Revolution, aber für ein großes HipHop-Fest. "Party for Your Right to Party."

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(sueddeutsche.de/pfau)