Konzert Lang Lang tritt in der Münchner Anatomie auf - ausgerechnet dort

Der Pianist Lang Lang ist weltweit auch wegen eines ausgeprägten Talents für affektreiche Auftritte bekannt.

(Foto: imago/China Foto Press)

Den Starpianisten plagt im Moment eine fiese Lähmung. Sie hat für manche seiner Kollegen schon das Ende an den Tasten bedeutet.

Von Karl Forster

Eigentlich schnibbeln Medizinstudenten in der Anatomischen Anstalt der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) an Leichen herum. Manch einer fällt da schon mal in Ohnmacht angesichts eines leblosen, aber immer noch gut gefüllten Darms.

Nun aber kommt in das ehrwürdige Haus an der Pettenkoferstraße ein sehr lebendiger und sehr berühmter Gast mit einem für diesen Ort sehr ungewöhnlichen Vortrag: Der Pianist Lang Lang, weltweit bekannt nicht nur wegen seiner flinken Finger, sondern auch wegen eines ausgeprägten Talents für affektreiche Auftritte, wird im historischen Saal der Anstalt, wo früher tote Menschen auf ihre Bestimmung im Dienste der Wissenschaft warteten, pianistische Kunst zum Besten geben.

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Es könnte allerdings bei diesem für den Sonntag, 22. Oktober, anberaumten Showtermin passieren, dass den Star aus China eine Ahnung der Endlichkeit allen Seins, also auch allen pianistischen Könnens, anfliegt. Denn der 35-Jährige leidet schon länger an einer für Pianisten nicht untypischen Krankheit, einer Lähmung der linken Hand; "fokale Dystonie" lautet oftmals die Diagnose. Eines der prominentesten Opfer war der Pianist Glenn Gould, der in Sachen Bach-Interpretation auch von Lang Lang unerreichbar ist.

Lang Lang, der auch gerne als Markenbotschafter auftritt, mal für die Vereinten Nationen, mal für einen Füllfederhalterhersteller mit Europas höchstem Berg im Namen, spielt nun im Sezierraum der LMU für eine Kreditkarte mit dem "Master" im Namen und Sitz in den USA. Ob mit einer Hand oder - wie zuletzt in der New Yorker Carnegie Hall - mit Unterstützung eines seiner Eleven, ist noch nicht ganz klar. Für das Event konnten Inhaber der Kreditkarte im Rahmen des "Mastercards Priceless Cities Programms" Tickets gewinnen mit einer kreativen Antwort auf die Frage: "Was würden Sie tun, um dabei zu sein?"

Da wurden Münchens Fans kreativ. Vom Musiknachmittag für Senioren über im Winter im Eisbach schwimmend Beethovens Hammersonate pfeifen oder chinesische Gerichte für die Münchner Tafel kochen bis zum Relax-Sofa in der Fußgängerzone mit Kopfhörern und Musik von Lang Lang reichen die Vorschläge. Fehlt nur noch, dem Ort entsprechend, Chopins Marche Funèbre mit den Zehen spielen.

Doch es ist Lang Langs Malaise eine durchaus ernste Bedrohung für ihn, unabhängig davon, was man von seiner Attitüde hält. Für manchen seiner Kollegen bedeutete eine solche Diagnose das Ende an den Tasten. Da ist es vielleicht sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass es bis Sonntag, 15. Oktober, noch eine limitierte Anzahl von Kaufkarten gibt, für 166 Euro das Stück, aber inklusive eines anschließenden Vier-Gänge-Menüs im Steakhouse Little London. Wenn man nach dem Kunstgenuss im Seziersaal noch Appetit hat.

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