Isartal Mountainbiker und Umweltschützer wollen kooperieren

Abstriche bei der Nutzung des Isartals müssen künftig vor allem die Biker machen. Allerdings sollen sie künftig ein offizielles Radnetz nutzen können.

(Foto: Lukas Barth)
  • Nutzungskonflikte sind in der Natur an der Tagesordnung: Im Isartal zwischen Tierpark Hellabrunn und Schäftlarn lassen sie sich besonders gut beobachten.
  • Mountainbiker, Wanderer und Umweltschützer sind oft gegensätzlicher Meinung - die einen fühlen sich von den anderen gestört.
  • In einem langen Prozess ist nun ein Plan entstanden, wie das 18 Kilometer lange Gebiet besser geschützt, aber weiterhin genützt werden kann.
Von Thomas Anlauf

Wenn sich Mountainbiker, Wanderer und Umweltschützer in der Natur begegnen, kann es schon mal zum Streit kommen. Naturfreunde beklagen dann, dass Fußgänger wie Radler oft nicht auf den Wegen bleiben, mit den Abkürzungen die Hänge zum Rutschen bringen und wilde Tiere verschrecken. Wanderer ärgern sich wiederum über einige rücksichtslose Raser auf schmalen Waldwegen. Und die Radler fragen sich dagegen, warum eigentlich nur für sie strenge Regeln im Grünen gelten sollen, während Spaziergänger auch mal weglos durch die Wälder streifen.

Klassische Nutzungskonflikte sind das, die sich besonders gut im wildromantischen Isartal zwischen Tierpark Hellabrunn und Schäftlarn beobachten lassen. Doch in mehreren Workshops, Diskussionsrunden und gemeinsamen Ortsbegehungen ist nun ein ziemlich konkreter Plan entstanden, wie das 18 Kilometer lange Gebiet einerseits besser geschützt, andererseits von Sportlern sowie Spaziergängern weiterhin genützt werden kann.

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Alle Seiten müssen verzichten

"Die Diskussionen in den vergangenen Monaten zeigen, dass ein Interessensausgleich zwischen Naturschutz- und Sportverbänden möglich ist, aber einem zähen Ringen gleicht", schreiben die Koordinatoren des Projekts "Naturerholung Isartal" in ihrem aktuellen Zwischenbericht. "Das Projekt kann nur erfolgreich sein, wenn sich alle Seiten damit abfinden, dass sie Abstriche machen müssen und nur einen Teil ihrer eigenen Wunschvorstellungen durchsetzen können." Abstriche müssen vor allem die Mountainbiker machen. Einige Radfahrer kritisierten zuletzt, dass der Anteil an Forstwegen an der geplanten Mountainbike-Route zu hoch sei.

Und nachdem es bislang noch keine Ausweichrouten für Mountainbiker oberhalb des Isartals gibt, befürchten einige, dass die geplante Strecke durchs Tal nicht von allen akzeptiert werden könnte und sie dann erst recht durch Schutzgebiete und Ruheräume für Tiere fahren würden. Konkret gab es auch von Radfahrern den Wunsch, einen schmalen Pfad zwischen Marienklause und Großhesseloher Brücke für Mountainbiker zu öffnen. Gerade dieser Abschnitt wurde allerdings von der Stadt wegen der Gefahr von Hangrutschen gesperrt.

Andererseits können Mountainbiker künftig ganz legal auf dem zwar reduzierten, aber dann offiziell frei gegebenen Radnetz fahren. Die Sportverbände erhoffen sich nach Angaben der Projektkoordinatoren von Ifuplan Rechtssicherheit "ein zwar reduziertes, dafür aber attraktives und gepflegtes Trailnetz". Die Naturschutzverbände können mit dem Kompromiss offenbar leben. So sollen künftig besonders sensible Bereiche im Isartal für Sportler tabu sein, etwa die Plätze, an denen sich die wenigen Uhus aufhalten. Es soll mehrere große zusammenhängende Schutzzonen in dem 1660 Hektar großen Gebiet geben.

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Die Pläne könnten schon bald umgesetzt werden

Bereits im Herbst könnten die Pläne umgesetzt werden. Bis März wird es weitere Zusammenkünfte mit Vertretern der betroffenen Kommunen und Grundbesitzern geben, um sich auf definitive Radrouten zu verständigen. Möglichst bis Ende April sollen die Ergebnisse eines Rechtsgutachtens vorliegen, das klären soll, wie ein etwaiger Träger der Mountainbike-Strecken haftbar wäre, sollte es zu Unfällen auf der Strecke kommen. Die Grundeigentümer hatten darauf bestanden, dass es aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht einen solchen Träger geben muss, der bereit ist, die Haftung zu übernehmen.

Spätestens Ende Juni sollen die Unterlagen für die künftige Nutzung des Isartals dem Stadtrat vorgelegt werden, der voraussichtlich nach der Sommerpause darüber entscheiden wird. Dann kann es auch schon bald losgehen. Erste Informationsschilder zu dem Projekt sind bereits vor drei Monaten zwischen der Grünwalder und der Dürnsteiner Brücke aufgestellt worden.