Kommunen buhlen um Microsoft Warten auf ein Update

Die Deutschlandzentrale von Microsoft in Unterschleißheim

(Foto: DPA)

Microsoft denkt seit Monaten über eine Verlagerung seiner Deutschland-Zentrale von Unterschleißheim nach München nach. Beide Kommunen versuchen nun, den namhaften Gewerbesteuerzahler für sich zu gewinnen - München hat schon zwei mögliche Baugrundstücke angeboten.

Von Katja Riedel und Alexandra Vettori

Es war eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Nachricht, die Microsoft Deutschland kürzlich von Unterschleißheim aus in die Welt sandte: Künftig könne jeder der 1800 Mitarbeiter selbst entscheiden, ob er lieber von zu Hause aus arbeite oder ob er weiter ganz klassisch jeden Tag ins Büro gehen wolle.

Ganz besonders aufmerksam dürfte man im Unterschleißheimer Rathaus hingehört haben, denn dort hat Microsoft seine Deutschland-Zentrale - noch.

Seit Monaten ist unklar, ob die Stadt ihren größten Gewerbesteuerzahler behält oder an München verliert. Der Mietvertrag für das bisherige Gebäude, einst der angeblich modernste Bürokomplex Europas, läuft jedenfalls 2015 aus. Nun steht eine Entscheidung offenbar unmittelbar bevor: Bis Ende August, spätestens Anfang September solle die Standortfrage geklärt sein, sagt ein Sprecher von Microsoft. Zu den derzeitigen Abwägungen will sich das Unternehmen aber nicht äußern.

Auch nicht zu der Frage, ob die Chancen des bisherigen Standortes durch die personalpolitische Weichenstellung gestiegen sind: Gegen das 13 Jahre alte Gebäude sprach zuletzt nämlich unter anderem, dass es zu klein sei. Wenn dort aber künftig täglich weniger Mitarbeiter ein und aus gehen, könnte der Platz mit flexibleren Bürokonzepten am Ende doch wieder ausreichen.

"Für München wäre es eine wirtschaftliche Top-Nachricht, wenn Microsoft sich für uns entscheiden würde", sagt Wolfgang Nickl, Sprecher des Wirtschaftsreferats. Um die Chancen zu erhöhen, könne die Stadt zwar, anders als etwa Bundesländer, nicht das Portemonnaie aufmachen.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt habe dem Unternehmen aber zwei mögliche Baugrundstücke angeboten: Eines in Schwabing, eines auf städtischem Grund auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens und damit gleich neben der Messe in Riem. Zudem könne die städtische Wirtschaftsförderung auch bei planungsrechtlichen Fragen schon einmal vorsondieren.

Aushängeschild von Unterschleißheim

Im Unterschleißheimer Rathaus dürfte man dies eher ungern hören. Dort gibt man sich äußerst zurückhaltend, sagt in der aktuellen Situation kein unbedachtes Wort. Schließlich ist Microsoft das Aushängeschild des Wirtschaftsstandortes. Und der Softwarekonzern hat in den mehr als 20 Jahren, in denen er hier seine Deutschlandniederlassung betreibt, den Namen populär gemacht und zahlreiche andere Softwareunternehmen nach sich gezogen. Außerdem zahlt Microsoft hohe Gewerbesteuern.

Thomas Stockerl, Referent des Unterschleißheimer Bürgermeisters, formuliert also mit höchster Vorsicht, wenn er auf die Frage antworten muss, ob die Stadt zuletzt Verhandlungen mit Microsoft geführt habe: "Wir haben alles Menschenmögliche getan als Kommune, um unseren Wunsch zum Ausdruck zu bringen, dass Microsoft hier bleibt." Ob der Software-Konzern konkrete Forderungen oder Bedingungen für den Verbleib gestellt hat, dazu will sich Stockerl nicht äußern: "Wir halten uns da in der Öffentlichkeit ausdrücklich zurück."

Nur so viel verrät er: Zu den Kritikpunkten an dem bisherigen Gebäude zählte auch die Energieeffizienz. Hier stehe die Stadt nun in den Startlöchern: "Wir werden selbstverständlich einen Geothermieanschluss herstellen." Entsprechende Verhandlungen mit dem Gebäudeeigentümer, der Heidelberger FOM Real Estate, liefen bereits.

Ansonsten gibt man sich in Unterschleißheim durchaus selbstbewusst, was die Konkurrenz zu einem Münchner Standort anbelangt. Der Verkehrsanschluss mit Autobahnausfahrt und dem S-Bahn-Halt Lohhof sei sehr gut. Und ihre Kinder können Microsoft-Mitarbeiter in Unterschleißheim betreuen lassen, auch wenn sie in München oder anderswo wohnen. Das nächste Kinderhaus mit Betreuung von der Krippe bis zum Schulalter liege nur einen Steinwurf von der Microsoft-Zentrale entfernt.

"Wir denken", sagt Stockerl, "dass die Rahmenbedingungen in Unterschleißheim durchaus gut sind, und wir denken auch, dass Microsoft das zu schätzen weiß." Schon als Microsoft vor 13 Jahren beschloss, eine neue Niederlassung zu bauen, um die damals 1200 auf mehrere Standorte in Unterschleißheim verteilten Mitarbeiter zusammenzufassen, hatten der Stadtrat und der damalige Bürgermeister Rolf Zeitler alles getan, um den Konzern am Ort zu halten. Innerhalb weniger Wochen wurde damals ein Bauplatz für Microsoft gefunden, der Eigentümer zum Verkauf überredet und sogar eine Familie umgesiedelt.