Kommunalwahl in München SPD-Umfrage mit Leerstellen

"Ich will nicht abstreiten, dass wir bei der Parteipräferenz verloren haben": Münchens SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann mit OB-Kandidat Dieter Reiter (rechts).

Die SPD hat eine Umfrage zur Kommunalwahl gemacht und bejubelt den Vorsprung ihres OB-Kandidaten Reiter. Einen wichtigen Teil der Ergebnisse verschweigen die Sozialdemokraten aber.

Von Peter Fahrenholz

Umfragen gehören zum politischen Geschäft und werden von den Parteien hochgejubelt, wenn sie positiv ausfallen, aber eher totgeschwiegen, wenn die Zahlen mau sind. Wie sich beides miteinander kombinieren lässt, hat jetzt die Münchner SPD vorgeführt. Sie hat Ende Januar eine repräsentative Umfrage zur Kommunalwahl durchführen lassen, von der sie knapp fünf Wochen vor der Wahl aber nur den erfreulichen Teil vorlegt.

Der lautet kurz zusammengefasst: Ihr OB-Kandidat Dieter Reiter liegt auf allen wichtigen Feldern klar vor seinem CSU-Rivalen Josef Schmid und gewönne bei einer Stichwahl deutlich, die Grünen-Kandidatin Sabine Nallinger ist ohne Chance. Die ebenfalls erhobenen Zahlen für die Parteien im Stadtrat hingegen mochte die SPD nicht vorlegen. Sie müssten noch näher analysiert werden, begründete Münchens SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann die ungewöhnliche Teilpräsentation.

"Die SPD muss jetzt nachlegen"

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Auf Nachfragen wurde der Grund für die Verschwiegenheit rasch klar. Nach der eigenen Umfrage müssen die Sozialdemokraten mit deutlichen Einbußen im Stadtrat rechnen, es käme zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CSU. "Ich will nicht abstreiten, dass wir bei der Parteipräferenz verloren haben", räumte Pfaffmann ein. Derzeit liege man fünf bis sieben Prozentpunkte hinter dem Ergebnis von 2008. Damals hatte die SPD 39,8 Prozent der Stimmen geholt. Die CSU, so Pfaffmann weiter, könne laut der Umfrage zulegen, "aber nicht so stark, dass wir uns Sorgen machen müssen".

Denn nach der Interpretation der SPD wird das keineswegs berauschende Stadtratsbild von den strahlenden Werten ihres OB-Kandidaten mehr als wettgemacht. Reiter sei "die Nummer eins" aller Kandidaten, jubelte Pfaffmann, er habe gegenüber dem Stimmungsbild von März 2013 "deutlich zulegen" können. Nach der aktuellen SPD-Erhebung käme Reiter bei der sogenannten Sonntagsfrage auf 43 Prozent der Stimmen, sein CSU-Rivale Schmid nur auf 34 Prozent. Die Kandidatin der Grünen, Sabine Nallinger, die sich vor zwei Jahren noch Hoffnungen auf das OB-Amt gemacht hatte, landet abgeschlagen bei 16 Prozent, FDP-Mann Michael Mattar muss sich mit drei Prozent begnügen.

Reiter liegt laut der Umfrage, der 1000 Telefoninterviews zugrunde liegen, in allen Altersgruppen vorne und würde sich in einer Stichwahl überlegen gegen Schmid durchsetzen. Bei der Stichwahlfrage votierten 49 Prozent der Befragten für Reiter, 34 für Schmid, 17 Prozent konnten sich für keinen der beiden entscheiden. "Das freut uns sehr", sagte Pfaffmann und wagte eine kühne Prognose: "Ich glaube, dass eine Stichwahl vermeidbar ist." Schmids Verluste zeigten, dass dessen Strategie, sich von seiner Partei, der CSU, abzusetzen, gescheitert sei.

Dass die SPD von den Zahlen für ihren Kandidaten so überwältigt war, dass sie dafür kurzfristig zur Pressekonferenz lud, deutet darauf hin, dass sie in der Wahlkampf-Endphase alles darauf setzt, mit Reiter als Zugpferd die Partei nach vorn zu bringen. "Wir haben noch Luft nach oben", sagte Pfaffmann. Warum die SPD zurückgefallen ist, begründete er mit den schwierigen Themen der zurückliegenden Monate, etwa der Situation bei den Kliniken und dem Ärger um den Wohnungsleerstand. Er sei aber "höchst zuversichtlich", dass diese Probleme jetzt gelöst würden.