Kommunalwahl in München Seehofer trommelt für Schwarz-Grün

Deutlich wie nie hat CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer für ein schwarz-grünes Bündnis im Münchner Rathaus geworben.

"Bundesweites Signal": Ministerpräsident Seehofer spricht sich für ein schwarz-grünes Bündnis im Münchner Rathaus aus. Allerdings hat die CSU ihre Pläne ohne die Grünen geschmiedet - der Wunschpartner ist skeptisch.

Von Frank Müller, Peter Fahrenholz und Silke Lode

Wenige Tage vor der Kommunalwahl spricht sich CSU-Chef Horst Seehofer so deutlich wie noch nie für ein schwarz-grünes Bündnis im Münchner Rathaus aus. Er sei "absolut" für eine solche Zusammenarbeit von CSU und Grünen, sofern sie nach der Wahl rechnerisch möglich ist, sagte Seehofer der Süddeutschen Zeitung. Der Ministerpräsident machte zugleich deutlich, dass er das nicht nur als lokalpolitische Frage sieht.

München könne als Vorreiter für Bündnisse zwischen Union und Grünen im ganzen Land dienen, sagte Seehofer. "Da geht es um ein bundesweites Signal, München hat immer Signalfunktion." Seehofer spielte damit darauf an, dass München auch mit der ersten rot-grünen Koalition im Jahr 1990 Pilotfunktion hatte.

Seehofer hat damit unmittelbar vor der Wahl noch einmal versucht, für den CSU-OB-Kandidaten Josef Schmid eine realistische Machtperspektive herauszustreichen und damit Schmids Chancen für eine Stichwahl zu erhöhen. Denn auch wenn Schmid im ersten Wahlgang gut abschneidet oder sogar vorne liegt, müsste er fürchten, dass ein großer Teil der Grünen-Anhänger in der Stichwahl den SPD-Kandidaten Dieter Reiter unterstützt. Schmid setzt deshalb darauf, dass es im Stadtrat nicht mehr für eine rot-grüne Mehrheit reicht, wohl aber Schwarz-Grün rechnerisch möglich wäre. Dann, so das CSU-Kalkül, könnten Grünen-Wähler ins Schmid-Lager umschwenken, um die Grünen in München an der Macht zu halten und eine große Koalition unter einem SPD-OB-Reiter zu verhindern.

Schmid hat laut Seehofer völlig freie Hand

Seehofer gab Schmid jedenfalls völlig freie Hand für eventuelle Bündnisverhandlungen nach der Wahl. Schmid sei in München "der Leader", sagte Seehofer. Hinter dessen Wünschen habe sich die Partei zu versammeln. "Das würde ich als Parteivorsitzender für mich auch in Anspruch nehmen."

Hintergrund für solche Äußerungen ist, dass in der Münchner CSU auch starke Kräfte für eine Zusammenarbeit mit der SPD sind. "Die entscheidende Frage ist, ob es reicht, die rot-grüne Mehrheit zu brechen", sagte Seehofer. Schmid könne ein schwarz-grünes Bündnis "authentisch" verkörpern, auch in Zusammenarbeit mit Grünen-Spitzenkandidatin Sabine Nallinger. "Die Personen passen." Schmid selber betonte am Mittwoch allerdings nochmals, er wolle keine formelle Koalition, sondern strebe eine offene Kooperation im Rathaus an.

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