Kommentar zum Flughafen München Stinknormales Geschäft

Der Münchner Flughafen soll wachsen.

(Foto: dpa)

Wenn der Münchner Flughafen nicht ein derart umstrittenes Projekt wie die dritte Startbahn auf der Agenda hätte, würde sich vermutlich niemand darüber aufregen, dass das Unternehmen Zuschüsse gewährt, um die eigene Attraktivität zu erhöhen

Von Dominik Hutter

Ein Unternehmen gewährt Zuschüsse, um die eigene Attraktivität zu erhöhen und damit unterm Strich mehr Geld zu verdienen. Das klingt nach Alltag, nach stinknormalem Marketing. Und es würde vermutlich niemanden aufregen, wenn dieses Unternehmen nicht der Münchner Flughafen wäre, der ein politisch umstrittenes Projekt auf der Agenda hat: den Bau einer dritten Startbahn. Die Betreibergesellschaft FMG bietet für neue Flugverbindungen Fördergeld an: knapp 2000 Euro pro Maschine, befristet auf drei Jahre. Unter der Maßgabe, dass sich die Anschubfinanzierung letztlich rentiert, dass die Verbindung also dauerhaft bestehen bleibt.

Das kann man verwerflich finden - aus der Perspektive vieler Startbahn-Gegner ist Fliegen ökologisches Teufelszeug und darf nicht auch noch gefördert werden. Ohne diese politische Brille aber merkt man schnell: Ein handfester Skandal, wie es die Grünen nennen, ist das nicht. Es ist die ureigenste Aufgabe einer Geschäftsführung, ihr Unternehmen voranzubringen. Ob das Geld gut angelegt ist, weiß Airport-Chef Michael Kerkloh erst hinterher. Das ist dann Bestandteil der internen Finanzkalkulation.

Prinzipiell sollte niemand erstaunt sein, dass ein im Wettbewerb stehender Flughafen bemüht ist, neue Flugziele in sein Portfolio aufzunehmen. Ein größeres Angebot lockt mehr Passagiere an und kann über das Umsteige-Drehkreuz auch die Auslastung anderer Maschinen verbessern. Kerkloh hat nie einen Hehl daraus gemacht, warum er so vehement für eine dritte Startbahn kämpft: Damit der Flughafen wachsen kann. Dies war Anfang der Neunzigerjahre auch der Grund für den Umzug von Riem ins Erdinger Moos. Wer diese Prämisse ändern will, muss politisch argumentieren. Nicht skandalisieren.