Kommentar Richtige Idee am richtigen Ort

Was der Tierbrunnen am Rindermarkt und das Michael-Jackson-Denkmal am Promenadeplatz geworden sind, echte Identifikationsorte, das hätten gegebenenfalls wechselnde Gesichter des Widerstands am Platz der Freiheit werden können.

Von Thomas Kronewiter

Schade. Mit der Entscheidung, die Gedenkstelen am Platz der Freiheit nicht dauerhaft, sondern nur noch zwei weitere Jahre zu belassen, haben die Münchner Stadträte eine Chance verpasst. Dass man die Idee, die Erinnerung an Widerstandskämpfer und andere Opfer des Nationalsozialismus dauerhaft am Platz der Freiheit in Neuhausen zu belassen, nicht nur im Viertel in weiten Teilen gut fand, zeigte sich nicht zuletzt bei der gut besuchten Präsentation im Juli vergangenen Jahres.

Da standen Historiker, der gerne provozierende und in diesem Fall zurückhaltende Künstler Wolfram Kastner, Nachbarn, Passanten, Nachkommen der Widerständler und der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, und alle hätten es gut gefunden, wenn die Gesichter des Widerstands dort dauerhaft eine Zukunft gehabt hätten. Ausgerechnet am Platz der Freiheit, der angesichts des dichten Tram- und Autoverkehrs an seinen Rändern ohnehin nicht so sehr als Präsentationsplattform zu glänzen weiß.

Nun haben es die Politiker anders gewollt. Die Stelen, die in ihrer zurückhaltenden Anmutung mit den kleinen Tafeln eine stille Würde ausstrahlen, müssen in zwei Jahren weg. Was kommt, soll wechseln und mit Freiheit zu tun haben, dabei aber höchsten Qualitätsstandards genügen. So recht überzeugen kann das Kulturreferat nicht mit seiner lahmen Begründung. Wie froh waren diejenigen, die sich fürs Gedenken und die richtige Inszenierung am richtigen Platz interessieren, über die Installation am eher öden Platz der Freiheit gewesen. Wie gut passen die Stelen dorthin, thematisch und gestalterisch.

Was der Tierbrunnen am Rindermarkt und das Michael-Jackson-Denkmal am Promenadeplatz geworden sind, echte Identifikationsorte, das hätten gegebenenfalls wechselnde Gesichter des Widerstands am Platz der Freiheit werden können. Die richtige Installation am richtigen Platz - dass sie diesem Qualitätsanspruch genügen, müssen die nun geplanten Kunstinterventionen erst einmal beweisen.