Verdi protestiert gegen das öffentliche Gelöbnis der Bundeswehr auf dem Marienplatz. Muss das sein?
Protest ist erlaubt, Demonstrationen sind legitim. Die andere Meinung hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Darauf sollten alle stolz sein, auch die, die hier wiederum anderer Meinung sind.
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Etwa 200 Menschen demonstrierten gegen das Bundeswehr-Gelöbnis auf dem Marienplatz. Die Gewerkschaft hatte eine eigene Kundgebung abgehalten. (© Foto: dpa)
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So ist es nur Zeichen eines demokratischen Rechtsstaates, dass sich gegen das feierliche Gelöbnis der Bundeswehrsoldaten auf dem Marienplatz ganz öffentlich eine Widerstandsbewegung formierte. Auch, dass die Angst der Polizei, Krawallmacher könnten die Chance für ihre Leidenschaft, den Krawall eben, nutzen, wahr geworden ist, ändert nichts am Grundrecht auf öffentlichen Protest.
Und doch hat der Protest in diesem speziellen Falle einen Hautgout, und der heißt Verdi. Ist es wirklich Sache einer Dienstleistungsgewerkschaft, die auch die Angestellten des Öffentlichen Dienstes vertritt, gegen das Gelöbnis von Bundeswehrsoldaten zu protestieren? Auf einem Platz, den sie selbst gern zum politischen Bekenntnis nutzt?
Unabhängig davon, dass sich die Gewerkschafter (es sind sicher nicht alle, aber die Öffentlichkeit nimmt das so wahr) hier gemeinmachen mit den üblichen Verdächtigen, die den Protest unter der Generalrichtung links zum Beruf, ja zum Lebensinhalt gemacht haben, gehören auch die Soldaten zum Öffentlichen Dienst. Sie leisten Dienst für Deutschland.
Es geht nicht darum, ob deren Einsatz am Hindukusch sinnvoll ist oder nicht. Es geht darum, dass die Soldaten Bürger im besten Sinne unserer Republik sind; dass sie Deutschland im Ausland oft markanter repräsentieren als reisende Politiker; dass sie, wie jeder Beamte, ein Bekenntnis zu dieser Republik ablegen. Nicht wenige Soldaten sind, über ihre Fachgruppe Bundeswehr, Mitglied von Verdi. Nicht nur sie müssen sich, angesichts des Verhaltens ihres Interessenvertreters, um den Jargon der Truppe zu bemühen, verarscht fühlen.
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(SZ vom 31.07.2009/ag)
Kanzlerin Merkel und die Macht
Die neueste Antwort
sollte sich eher für die Soldaten einsetzen als gegen sie zu demonstrieren. Es wäre den Soldaten mehr geholfen, wenn Verdi dafür eintreten würde, dass sie nicht nach Afghanistan müssen und sich ausserhalb des Gelöbnisses der Friedensbewegung anschließen würde.
Damit wäre besonders den Wehrpflichtigen mehr gedient.
Nicht beim Gelöbnis als Gewerkschaft antreten, sondern davor und danach und sich vielleicht auch einmal wieder an Ostermärschen beteiligen. Damit ist allen geholfen.
Ehrlich gesagt: diesen Kommentar musste ich zweimal lesen und konnte es immer noch nicht glauben, dass so etwas in der SZ zu lesen ist. Was bleibt da noch von einem kritischen und aufgeklärten Journalismus, das ist man eher von FAZ und "Welt"gewohnt. Statt der Gewerkschaftsschelte hätte Herr Forster auch auf den brutalen Einsatz der Ordnungskräfte eingehen können, die Kritik im Klammergriff erstickten bzw. einem 71-Jährigen blutige Verletzungen zufügten. Schöne Demokratie, aber Repression gegen Demonstanten gibt's ja nur im Iran. Und was soll die Diffamierung jener, die ihre "Protesthaltung zum Beruf gemacht haben"? Dann fehlen natürlich nicht solche Formulierungen wie "Dienst für Deutschland" und "unsere Republik". Nein, danke, das ist der Stil des "kalten krieges", das hatten wir doch schon mal!
Immerhin waren die Demonstranten ein paar Jahre später vor den Toren Mutlangens und haben für eine friedlichere Welt gekämpft. Damals herrschte auch noch Konsens, dass deutsche Soldaten nie mehr einen Angriffskrieg führen sollen. Und heute? Nur mit waghalsigen Konstruktionen kann die These, dass wir Deutschland am Hindukusch verteidigen, aufrecht erhalten werden. Aber wer auf Flüchtende schießen darf, der hat die Schwelle zum Angriffskrieg schon längst überschritten.
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Wenn wieder zu lesen ist, dass Soldaten "Bürger im besten Sinne" sind, so zeigt dies, dass wir auf dem Weg der Militarisierung schon weit gekommen sind.
Soldaten repräsentieren Deutschland nicht im Ausland, sie setzen Interessen mit Gewalt durch. Dabei handelt es sich komischerweise gar nicht mal ausschließlich um deutsche Interessen.
Im Übrigen ist es herablassend, Demonstranten, die für Frieden und gegen Krieg sind, als die "üblichen Verdächtigen" zu bezeichnen. Hierbei handelt es sich um Menschen, die sicherlich mehr über die Welt nachgedacht haben als die jungen Soldaten, die blauäugig in den todbringenden Krieg ziehen.
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