Pläne der Stadt Verkehrsplanung in München: Langsam geht's schneller

Die Sendlinger Straße ist künftig komplett für Autos gesperrt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bei der Verkehrsplanung ist die Stadt oft ziemlich zögerlich. Das könnte sich nun als Vorteil erweisen.

Kommentar von Thomas Anlauf

Wenn es um die Verkehrsplanung in München geht, bewegt sich die Politik gern ganz sachte im Pilgerschritt: zwei Schritte vor, einer zurück. Bis ein angedachtes Verkehrskonzept für die mit geparkten oder gestauten Autos vollgestopften Gassen umgesetzt wird, vergehen oftmals Jahre. Schon der Widerstand einzelner Händler von Luxusgütern kann dazu führen, dass von einer Verkehrsberuhigung vor deren Läden vorläufig abgesehen wird, weil ja schließlich der Kunde aus der Schweiz oder aus Starnberg mit seinem SUV direkt vorm Geschäft parken will.

Wie die Autos langsam aus der Altstadt verschwinden könnten

Bald sperrt die Stadt die Sendlinger Straße komplett - erst einmal auf Probe. Als Nächstes dürfte der Max-Joseph-Platz an der Reihe sein. Von Thomas Anlauf mehr ...

Man mag das vielleicht feige nennen. Andererseits könnte sich nun zeigen, dass die außerordentliche Behutsamkeit, mit der die Stadt bei der innerstädtischen Verkehrsberuhigung vorgeht, das Zeug dazu hat, Modellcharakter zu haben. Dass jetzt im hinteren Teil der Sendlinger Straße die Autofahrer auf Probe ausgesperrt werden, ist nämlich eine großartige Chance: Die Anwohner und Händler, von denen nicht wenige gegen eine Fußgängerzone vor der Haustür protestiert hatten, können nun einfach ausprobieren, ob die wirklich so schlimm ist, und jederzeit bei der Stadt anrufen, um etwas nachbessern zu lassen. Sollte es tatsächlich massive Probleme geben, die nicht behoben werden können, wird die Fußgängerzone spätestens in einem Jahr wieder abgeschafft, ganz einfach.

Und so könnte die ganze Zögerlichkeit letztlich sogar zu einer Beschleunigung der Entschleunigung in der Münchner Innenstadt führen. Anstatt jahrelang Studien in den Schubladen der Verwaltung zurückzuhalten, weil sie womöglich für irgendjemanden Unangenehmes enthalten könnten, sollte München einfach mehr ausprobieren: Warum nicht mal für ein Jahr lang die Ludwigstraße für den Verkehr sperren? Wenn's nicht klappt, einfach das Fahrverbot wieder aufheben. Aber vermutlich wird sich dann ohnehin kaum noch einer daran erinnern, wie es eigentlich war, als am Odeonsplatz einst der Verkehr vorbeibrandete.