Sicherheit Die Polizei muss Fußballfans informieren, wenn sie ihre Daten speichert

Daten über Fans der Münchner Vereine sammelt die Polizei in zwei Datenbanken.

(Foto: Marc Müller/dpa)

Denn nur wer weiß, dass er im Visier der Ermittler ist, kann sein Verhalten ändern - oder sich wehren.

Kommentar von Thomas Schmidt

Wenn Wissen Macht ist, macht Nichtwissen ohnmächtig. Der alte Sinnspruch gilt gleich doppelt, wenn die Münchner Polizei Daten über Hunderte Fans sammelt. Fans, die vielleicht eine Straftat verübt haben, vielleicht aber auch nur zum falschen Zeitpunkt an der falschen Stelle standen.

Das Wissen über potenzielle Gewalttäter gibt der Polizei die Macht, effektiver gegen Straftaten vorzugehen. Im Umkehrschluss sind all jene, die auf Jahre hinaus in dieser Datei erfasst werden, ohnmächtig gegenüber der Polizei. Denn wer gar nicht weiß, dass ihm etwas vorgeworfen wird, der kann sich auch nicht wehren.

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Wer zu schnell fährt und deswegen Punkte in der Verkehrssünderkartei erhält, wird darüber per Post informiert. Er erfährt konkret, was er wann getan hat und welche Konsequenzen sein Fehlverhalten hat. Der Staat zeigt dem Raser damit auch eine gelbe Karte: Pass auf, wir haben dich im Blick, wenn du dich weiter falsch verhältst, bekommst du Rot. Warum aber werden Fans nicht automatisch darüber informiert, wenn sie in einer Polizei-Datenbank landen?

Eine solche Informationspflicht hätte mehrere Vorteile. Erstens: Der Fan ist der Speicherung seiner Daten nicht länger ohnmächtig ausgesetzt. Wenn er sich zu Unrecht bezichtigt fühlt, kann er einen Anwalt oder den Datenschutzbeauftragten einschalten. Zweitens: Konkrete Konsequenzen auf ein konkretes Fehlverhalten können präventiv wirken. Wer weiß, dass ihn die Polizei im Auge hat, erhält die Chance, sein Verhalten zu ändern.

Drittens: Die Polizei behält zwar die Macht der Information, muss ihr Handeln dann aber auch sattelfest begründen können. Das schützt vor wilden Spekulationen von Fan-Seite, aber auch vor willkürlicher Sammelwut. Eine gelbe Karte ist besser als ein plötzlicher Platzverweis, weil sie beiden Seiten die Macht lässt, etwas zu ändern.

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