Kommentar Erfreulich kreativ

Die Idee der SPD, Wohnungen über Parkplätze zu bauen, hat aus mehreren Gründen Charme

Von Heiner Effern

Geklagt wird ständig über den Ärger mit den teuren Wohnungen. Im Freundeskreis, beim Sport, in der Kneipe und natürlich in der Politik. Jeder setzt sich dort natürlich enorm für günstige Wohnungen ein, vom Stadtteilpolitiker bis zum Oberbürgermeister. Fährt man durch die Straßen, sieht man auch Kräne und wachsende Neubauten. Fragt man nach Miet- oder Kaufpreisen, bleibt nur Staunen, wer sich das leisten kann. Und es bleibt die Erkenntnis, dass all die Bemühungen und Ankündigungen null Wirkung für Normal- oder Geringverdiener zeigen.

Jetzt kommt die SPD endlich mal mit einer praktischen Idee: Sie will Wohnungen über vorhandene Parkplätze bauen. Das hat aus mehreren Gründen Charme. Auf ihren eigenen Flächen kann die Stadt sehr schnell bauen, etwa vor Bädern, vor Schulen oder an Park-and-Ride-Flächen. Macht das Modellprojekt am Dantebad Schule, könnten auch private Eigentümer einsteigen. Aus dem Parkplatz vor dem Supermarkt oder der Firma würde plötzlich Baugrund. Da diese Lagen meist mittelprächtig sind, lohnt sich dort möglicherweise günstiger Wohnungsbau. Nicht zuletzt könnte auch das Stadtbild profitieren: Wer blickt nicht lieber auf ein Holzhaus als auf einen Parkplatz?

Zum Jahresende soll das Modellhaus neben dem Dantebad stehen. Dann wird man wissen, ob die Statik günstiges Bauen auf Ständern erlaubt. Wenn nur ein Teil der Parkplätze in München so genutzt würde, könnten Tausende Wohnungen entstehen. Das alleine wird nicht reichen, die Stadt wird wegen des starken Zuzugs ins Umland wachsen müssen. Bis sie sich mit den Gemeinden auf eine Strategie einigt und womöglich auf der grünen Wiese in großem Stil Wohnungen entstehen, kann es aber noch Jahre dauern. Bis dahin sind weitere kreative Ideen dringend erwünscht.