Kolumne NullAchtNeun Gomez hinterm Lenkrad

München ist nicht auf Augenhöhe mit Barcelona. Das sagt zumindest Franz Beckenbauer. Er spricht dabei über Fußballer. Oder meinte er damit doch die Münchner Taxifahrer?

Von Holger Gertz

Franz Beckenbauer hat gerade hervorgehoben, dass München "nicht auf Augenhöhe mit Barcelona" ist. Bemerkenswert, dass dieses Zitat schon Ende September in den Zeitungen stand, wo doch erst Anfang Oktober die entsprechende ADAC-Studie veröffentlicht wurde, der ultimative Taxifahrertest.

Mario Gomez.

(Foto: dpa)

Ergebnis: Münchens Taxler landen europaweit auf Platz zwei, sind aber, wie Franz Beckenbauer korrekt vorhergesagt hatte, "nicht auf Augenhöhe mit Barcelona". Dort sind die Taxifahrer zuverlässiger, vor allem sind sie günstiger, Platz eins. Beckenbauer ist die Lichtgestalt, damit auch zuständig für die Themenbereiche, Brems-, Stand- und Rücklicht.

"Wir sind nicht auf Augenhöhe mit Barcelona" klingt nicht verbittert aus dem Mund eines Mannes, der die Welt kennt und weiß: Barcelona ist der Sehnsuchtsort für alle, die schon alles haben. So ähnlich wie früher New York, wo Beckenbauer ja kurz spielte und sich gelegentlich im Taxi transportieren ließ.

New Yorker Taxifahrer sind so überheblich wie New Yorker Fußballer, während die Taxifahrer von Barcelona offenbar so leidenschaftliche Zauberer sind wie die Profis von Barcelona. Einige Fußballer sehen sogar aus wie Chauffeure, der Verteidiger Pujol zum Beispiel hat eine erstklassige Schulbusfahrermatte.

Gibt es eine geheime Verbindung zwischen Vereinsfußball und Personentransport? Die schlechtesten Taxifahrer Europas amtieren in Ljubljana, das fußballerisch kaum in Erscheinung getreten ist. Ljubljanas Taxifahrer kurven wild in der Stadt herum, notierten angewidert die ADAC-Prüfer. Ljubljanas Taxifahrer fahren Taxi, wie Hamburgs Fußballer Fußball spielen. Hamburgs Taxifahrer dagegen liegen in der Euro-Rangliste immerhin auf Platz 11.

Die Münchner Taxifahrer waren den Prüfern unter anderem durch ihre durchweg gepflegte Erscheinung positiv aufgefallen. Am Steuer saß offenbar der Gomez-Typ, er nahm - fußballertypisch - den kürzesten Weg, aber konnte - fußballertypisch - keine Sehenswürdigkeit empfehlen.

München, die Stadt der zweitbesten Taxifahrer und der zweitbesten Fußballer Europas, wird im Champions-League-Finale die Möglichkeit haben, am Ranking zu drehen. Bis dahin bleibt Barcelona unerreicht und unerreichbar. "Hossa, hossa" rief in den Siebzigern der Schlagersänger Rex Gildo, wenn etwas Nennenswertes vorgefallen war. "Barsssa, Barsssa!" stammeln heute die talentfreien Fußballreporter im Fernsehen, wenn Barcelona spielt, der Inbegriff des Nennenswerten.