Kolumne Macht die Discos in München dicht!

Wer tanzt, muss die Töne aus der Box nicht nur ertragen, sondern sich auch noch dazu bewegen.

(Foto: Florian Peljak)

Tanzen in einem Club ist definitiv die schlechteste Variante, die man hier beim Weggehen wählen kann. Die Stadt braucht mehr Platz für Wirtshäuser und Bierkeller.

Kolumne von Korbinian Eisenberger

Clubbing. Wie das schon klingt. Neudeutsch ist damit gemeint, dass man in eine Diskothek geht, wo man dann tanzen soll. Und egal wie man es nun auch nennen mag: Tanzen in einem Club ist definitiv die schlechteste Variante, die man abends beim Weggehen in München wählen kann: Man bekommt so gut wie immer ein pappiges Gesöff über die Hose geschüttet - und wenn nicht, dann riecht man trotzdem irgendwann streng. Wer tanzt, muss die Töne aus der Box nicht nur ertragen, sondern sich auch noch dazu bewegen. Dabei sind die Tanzenden einfach nur zu bequem, sich um ein gutes Gespräch im Wirtshaus zu bemühen. Die nächtlichen Tänzer gehen der guten Debatte aus dem Weg. Man kann sagen: Wer tanzt, der bedroht die Debattenkultur der hiesigen Gasthäuser.

Das Schlimme daran: München macht da auch noch mit. Die ganze Stadt ist voll von Nachtclubs, an jedem Tag in der Woche ist irgendwo ein Tanzlokal geöffnet. Die Alternativen haben den Cord-Club und das Backstage, die Raver die Rote Sonne und das Blitz, die Sekretärinnen gehen freiwillig in die 089 Bar, und die Betriebswirtschaftler ins Harry Klein. Für die Tänzer ist immer Platz, Tanzclubs sind überrepräsentiert, als wäre man in Köln, Buenos Aires oder Rio. Und in den Münchner Gasthäusern? Da bekommt man nur noch einen Tisch, wenn man sich schon Tage vorher angemeldet hat.

Welch ein Verlust bayerischen Kulturguts, ein Unding, und ein Ärgernis für alle, denen noch was an einem guten alten Wirtshauszank liegt. Für all jene, denen es widerstrebt, Geld für eine Bierflasche zu bezahlen, deren Inhalt in ein Cocktailgläschen reinpasst. Es wäre nur konsequent, würde man einige Discos dichtmachen und zu Bierkellern verwandeln. Etwa den unterirdischen Neuraum, unter dem Omnibusbahnhof, wo wahrscheinlich ein ganzes Wiesn-Festzelt an Leuten Platz hätte. Oder die Nachtgalerie beim Hirschgarten, riesengroß, an diesem Mittwoch tritt dort der Schlager-Musikant Micki Krause auf. Wahrscheinlich werden trotzdem Gäste kommen. Das ist schon recht so. Da bleibt dann zumindest mehr Platz im Wirtshaus.

Liebeserklärung an die Kleinstadtdisco

Letzte Woche ist das Tanzlokal "Rosi" in Bayreuth abgebrannt. Unser Autor hat dort als Jugendlicher viele Nächte getanzt, getrunken und geknutscht. Discos wie das "Rosi" sind nie perfekt - und genau darum so wichtig fürs Erwachsenwerden. mehr... SZ-Magazin