Dem Glockenbachviertel droht das gleiche Schicksal. Das zeigt sich daran, dass immer mehr Clubs schließen müssen. Vor ein paar Monaten erst musste der Elektro-Club Registratur zumachen. Er hat sich jetzt in der Alten Kongresshalle an der Theresienhöhe eingemietet und veranstaltet dort seine Partys - mit ziemlichen Erfolg. Ende des Jahres schlossen zudem das Seven Fish und der San Francisco Coffee Shop am Gärtnerplatz. Anscheinend sollen dort Luxus-Boutiquen angesiedelt werden. Ende Januar steht jetzt das Ende des Café King bevor. Und bald soll, wie man hört, auch das Café am Hochhaus dran glauben müssen.
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Und die Clubs, die noch im Viertel bleiben, werden immer schlechter. Die Erste Liga war eine Zeit lang der coolste Laden der ganzen Stadt. Jetzt ist davon nur noch ein kümmerlicher Rest über. Statt charismatischen Szenegängern bevölkern Umland-Prolls und Pickelgesichter die Tanzfläche, bei denen man sich fragt, ob sie überhaupt schon volljährig sind. Die Liga jedenfalls bräuchte dringend mal einen Relaunch, damit das letzte Bisschen Coolness, das noch übrig ist, nicht auch noch verloren geht.
Oder die Paradiso Tanzbar. Dort tummeln sich "extrem wichtige" Medien-Macher, Dandys im Anzug, Mädels im sexy Püppchen-Dress und sie tanzen zu Musik von Bon Jovi. Geht's noch? Dagegen ist das P1 direkt ein lässiger Laden.
Obendrauf kommt, dass im Glockenbachviertel seit geraumer Zeit keine tonangebenden neuen Lokale mehr eröffnen. Die neuen Clubs zieht es auf die Sonnenstraße oder anderswohin. Durch die Gegend um den Gärtnerplatz ziehen abends nur noch Cliquen von Milchgesichtern, die um 22 Uhr fragen, wo denn hier eine "schöne Disco" sei. Und einen obendrein siezen. Wenn man dann antwortet, dass es dafür doch noch viel zu früh ist, blickt man in enttäuschte Gesichter. Klar, in diesem Alter muss man um Mitternacht ja wieder zu Hause sein.
Oder man hört lärmende Prolls durch die Straßen des Viertels grölen, die im tiefsten niederbairisch plärren, wo denn hier "a gscheide Bar" zu finden sei. Die Lokale seien doch "total überteuert" und die Münchner "scheiß-arrogant". Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.
Unsere ganze Hoffnung setzen wir in das Comeback von Schwabing. Ein Anfang ist das Projekt der Urbanauten "Being Schwabing". In der neuen Interimsbar "Repüblik", die in der Ursulastraße 6 eröffnet hat, widmet man sich eine Woche lang (vom 23. bis 30. Januar) dem legendären Münchner Viertel.
Denn dort, wo sich derzeit im Umkreis der Münchner Freiheit Dönerbuden, Boazn und Kleinkunstbühnen aneinanderreihen, dort, wo es derzeit etwas trostlos und schmuddelig aussieht, genau dort ist Platz für die Bohème des neuen Jahrzehnts.
Die Kolumne "After Eight" erscheint jeden Donnerstag auf "München Extra", dem Stadtportal von sueddeutsche.de.
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