Von Beate Wild

In keiner anderen deutschen Stadt ist die Cabrio-Dichte so hoch wie in München. Was man da bisweilen zu Gesicht bekommt, ist oft besser als Kabarett.

An der Ampel hält ein Mercedes SL Cabrio. Farbe: metallicblau. Der Fahrer: rosafarbenes Polohemd, eine Handvoll Gel im Haar, Riesen-Sonnenbrille auf der Nase. Aus den Boxen seiner Anlage dröhnt lauter R'n'B-Sound. Selbstgefällig blickt er um sich, winkt den Fahrradfahrerinnen, die ebenfalls an der roten Ampel warten, souverän zu. Kaum springt das Licht auf grün, gibt er Vollgas. Mit riesigem Getöse braust er davon.

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In keiner anderen Stadt ist die Cabrio-Dichte so hoch wie in München. (© Foto: Rumpf)

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Das ist München im Sommer. Potenzvergleiche in Pferdestärken gehören hier zur Tagesordnung. In keiner anderen deutschen Stadt ist die Cabriodichte so hoch wie in der bayerischen Landeshauptstadt. Sieben Prozent aller zugelassenen Autos sind ohne Dach, hat das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg registriert.

Wundern tut uns das nicht. Nirgendwo sonst in Deutschland zelebriert man so gerne den materiellen Wohlstand (ja, der ist auch noch in Zeiten der Finanzkrise deutlich zu spüren) wie an der Isar. In München genießt man die schönen Seiten des Lebens und gibt sein Geld gerne für Statussymbole aus. Außerdem ist aufgrund des Föhn-Klimas das Wetter in München geradezu prädestiniert für Cabrios.

Gerade bei erhöhter Temperatur "cruisen" abends die Cabrios durch die Straßen der Stadt als seien die Fahrer auf der Pirsch. Die Leopoldstraße erlebt dann regelmäßig ein Comeback ihrer größten Zeiten, denn zum Auf- und Abfahren ist sie immer noch die beste Straße Münchens. Links und rechts sitzen in den Straßencafés jede Menge Leute, die den flotten Karossen bewundernd hinterherblicken. Man fühlt sich zurückversetzt in die sechziger Jahre, in die Zeit als Uschi Glas mit "Zur Sache, Schätzchen" gerade ihren Durchbruch hatte. Mehr Retro-Chic geht kaum.

Selbstverständlich ist auf der Leopoldstraße der Proll-Faktor extrem hoch. Wo sieht man sonst eine orangefarbene Corvette mit einem knallgelben Fiat Barchetta und einem hellblauen Mazda MX 5 um die Wette fahren? Ja, richtig gelesen, diese kleinen Autorennen gibt es nachts auf der "Leo" immer noch.

Aber auch die Maximilianstraße ist eine Cabrio-Meile par excellence. Ein Abend auf der Terrasse der "Kulisse" ist besser als jeder Besuch im Kabarett. Da ist etwa ein roter Oldtimer, auf Hochglanz poliert, bestens gepflegt. Am Steuer sitzt ein älterer Herr im weißen Leinenanzug, mit ebenfalls weißem Hut auf dem Kopf. Er parkt vor dem Lokal und setzt sich an einen Tisch mit vier jungen Frauen, die ihn begeistert begrüßen. Bekannt kommt uns der Herr nicht vor, also ist er wahrscheinlich kein Prominenter. Wir tippen auf Zahnarzt aus Grünwald oder Herzchirurg aus Bogenhausen.

Dann passiert ein altes Mercedes-Cabrio in grauer Farbe das Lokal. Betont lässig gibt sich der Fahrer, eine Kippe im Mund, fast wirkt er wie James Dean. Und obwohl es längst dunkel ist, trägt er noch seine Sonnenbrille. Im Vorbeifahren, das extrem langsam vor sich geht, mustert er die Gäste, dann gibt er wieder Gas. Gegenüber vor dem Hotel Vier Jahreszeiten parken derweil ein Porsche, ein Bugatti und BMW-Cabrio.

Aber nicht nur auf der Luxusmeile sieht man die Cabrio-Fans. Auch durch das szenige Glockenbach fährt man gerne oben ohne. Wobei man an dieser Stelle dann doch mal erwähnen muss, dass man mit so unspektakulären Marken wie Renault oder Peugeot in München gar nicht punkten kann. Eine Luxuskarosse oder ein Sportwagen müssen es schon sein. Bei den kleineren Cabrios wird höchstens noch der Mini akzeptiert. Wer einen Smart ohne Dach fährt, gibt sich schon fast der Lächerlichkeit preis.

Lesen Sie auf Seite 2, wie man sich als Cabrio-Fahrer durch die falsche Musik disqualifizieren kann.

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