Von Beate Wild

Therapiesitzung, mobile Disko, Flirtschule oder Autorennen: Eine nächtliche Taxifahrt in München verläuft immer anders als gedacht. Eine Typologie der Fahrer.

Der Wagen hält mit quietschenden Reifen an. Aus dem geöffneten Fenster pumpen R'n'B-Bässe. Der Fahrer hat gerade einen phänomenalen Hustenanfall, dann schnippt er uns seine Kippe direkt vor die Füße. Es ist vier Uhr morgens, wir stehen im Glockenbachviertel, im sogenannten Bermuda-Dreieck, in der Thalkirchner- Ecke Müllerstraße. Wir schauen uns um, kein anderes Taxi weit und breit in Sicht. Zudem sind wir nicht die Einzigen, die auf der Suche nach einer Heimfahrtmöglichkeit sind. Also bleibt uns nichts anderes übrig, wir steigen ein.

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Bevor man in ein Münchner Taxi einsteigt, weiß man nie genau, was einen erwartet. Nur eins ist sicher: Die Fahrt könnte spannend werden. (© Foto: Stephan Rumpf)

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Unsere Vorahnung bestätigt sich. Der Fahrer dreht die Musik lauter, gibt Gas, dass die Reifen durchdrehen, und zündet sich noch eine Zigarette an. Wenn wir wollen, könnten wir ruhig auch rauchen, meint er. Das sei vom Gesetz her zwar verboten, aber das sei ihm "scheißegal".

Das Taxi heizt die Sonnenstraße entlang. Unser Fahrer wechselt die Spuren wie bei der Rallye Monte Carlo. Beim Gaspedal scheint er nur eine Stellung zu kennen: Vollgas. Die Bremsmanöver schleudern uns auf der Rückbank herum, wir ziehen den Gurt fester. Auf die anderen Verkehrsteilnehmer ist unser Fahrer offenbar nicht besonders gut zu sprechen. Aus seinem Mund kommen Schimpfwörter, die wir an dieser Stelle nicht wiederholen können.

Rein äußerlich erinnert uns der Mann am Steuer an den Kommunarden Rainer Langhans in jungen Jahren, zumindest frisuren- und kleidungstechnisch besteht eine gewisse Ähnlichkeit. Doch dieser fährt ja bekanntermaßen lieber Hollandrad und hält bestimmt nichts von halsbrecherischen Fahrmanövern auf den nächtlichen Straßen Münchens.

Wir kommen uns vor wie mitten im Video zum Song "By the way" von den Red Hot Chilli Peppers. Kennen Sie den Clip? Sänger Anthony Kiedis steigt dort in den Wagen eines total durchgeknallten Taxifahrers, der von innen die Türen verriegelt und mit seinem Fahrgast einen Höllenritt durch die Stadt unternimmt. Kiedis kann nur entkommen, in dem er zum Schluss die Fensterscheibe einschlägt und hinaushechtet.

Gut, so weit ist es in unserem Fall nicht gekommen. Doch als unser Taxi schließlich mit qualmenden Reifen vor unserem Haus in Schwabing hält, sind wir heilfroh. Unter den Münchner Taxifahrern, denen man nachts begegnet, kann man grundsätzlich verschiedene Typen definieren. Der Fahrer in unserem Fall gehörte eindeutig zum Typ "Der Durchgeknallte", was eindeutig die gefährlichste Variante darstellt.

Ibiza-Hitmix oder DJ Ötzi?

Wesentlich netter, aber manchmal auch leicht anstrengend ist "Der Entertainer". Kaum steigt man ein, wird man persönlich begrüßt: "I bin da Franz, griaß di". Nachdem er das Fahrziel eruiert hat, kommt auch gleich die nächste Frage: "Was magst denn für a Musik?". "Der Entertainer" hat für fast alle Geschmäcker etwas parat, sei es DJ Ötzi, der Ibiza-Hitmix oder eher etwas aus der Hardrock-Ecke. Die gewählte Musik dreht er dann auch recht gern sehr laut, je nach Laune singt er lautstark mit. Sein oberstes Ziel ist, dass sich der Fahrgast wohl fühlt.

Eine Variante des "Entertainers" ist der "Charmeur". Mit dieser Gattung haben allerdings ausschließlich weibliche Fahrgäste zu tun. Der "Charmeur" macht gerne Komplimente ("Sie haben aber ein bezauberndes Lächeln"), hält intensiven Blickkontakt via Innenspiegel ("Einen Fahrgast mit so schönen Augen hab ich ja schon lange nicht mehr gehabt") und versucht vor dem Aussteigen noch die Telefonnummer zu ergattern beziehungsweise seine dem Gast aufzudrängen ("Wir könnten doch mal einen Kaffee trinken gehen" oder "Wenn Sie wieder ein Taxi brauchen, können Sie mich direkt auf dem Handy anrufen").

Lesen Sie auf Seite 2, wie es mit den Taxler-Typen "Grantler", "Philosoph" und "Gauner" steht.

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