Von Beate Wild

Statusmeldungen, Links, Partyfotos: Heutzutage verabredet man mit seinen Freunden per Facebook. Doch manchmal kann es peinlich werden.

Herrliches Wetter. Ganz München ist in "Ich-will-unbedingt-so-lange-wie-möglich-draußen-sein"-Laune. Doch zuerst muss man wohl oder übel noch den lieben langen Tag im Büro überstehen. Aber abends, abends da geht was!

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Beim Sonnen im Englischen Garten kann man sich per Facebook gleich für den Abend verabreden: Schöne neue Welt. (© Foto: istock)

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Bevor man sich nach der ersten Tasse Kaffee am Morgen langsam ans Arbeiten macht, checkt man noch kurz sein Facebook-Account. Und was sieht das müde Auge: Julia hat bereits um 8.31 Uhr gepostet: "Königsplatz, ich hör dich rufen". Johannes hat daraufhin um 8.53 Uhr in seine Statusmeldung geschrieben: "Heute abend Königsplatz, wer ist dabei?". Darunter haben schon drei weitere Freundinnen und Freunde ihre Zustimmung bekundet. "Cool, ich bin dabei", "Super, komm mit Flo vorbei", "Ich bring Prosecco mit".

So sind sie, die Freunde. Planen schon in aller Herrgottsfrüh, dass sie nach Feierabend noch ein bisschen zusammen am Königsplatz abhängen wollen. Die Steinstufen vor der Glyptothek heizen sich tagsüber so wunderbar von der Sonne auf, dass man abends noch angenehm warm sitzen kann, selbst im April. Üblicherweise bringt jeder, der vorbeischaut, etwas zu trinken mit, Bier oder Wein. Manche haben sogar eine Brotzeit dabei. Ein Relikt aus der Studentenzeit, aber es macht auch jetzt noch Spaß.

Im Laufe des Vormittags posten immer mehr Facebook-Freunde, dass sie am Abend auf dem Königsplatz vorbeischauen werden. Dadurch verbreitet sich diese Kunde wie ein Lauffeuer. Stunden später sitzen mehr als zwanzig Leute auf den Stufen vor der Glyptothek und prosten sich zu. Hat funktioniert, dieses Multidating. Schöne neue Welt.

Einen Tag später ist eine Nachricht im Posteingang: "Ben hat dich zu 'Bens' Birthday Bash' am Samstag um 20 Uhr eingeladen." Klickt man auf den Link, stößt man auf eine Pinnwand, auf der man Details zur Party erfährt, sowie wer von den anderen Gästen bereits zu- oder abgesagt hat. Wer den Button "Ich nehme teil" auswählt, wird fortan auf der Liste der "Bestätigten Gäste" geführt und in seinem Profil erscheint ein Hinweis auf die Party, den alle anderen Facebook-Freunde auch sehen können.

Liebesbekundungen vom Hasen

Doch nicht nur Privatleute wie Ben laden via Facebook zu ihren Partys ein. Jeder angesagte Club und jede hippe Bar in München hat mittlerweile einen Account auf der Netzwerkseite. Etwa die Partyreihe "White Rabbit", die jeden Mittwoch in der Ersten Liga stattfindet. Hat man sich mit "White Rabbit" angefreundet, wird man mindestens einmal die Woche an dieses Event erinnert. Aber nicht nur harte Fakten werden mitgeteilt, "White Rabbit" postet schon mal Liebesbekundungen für seine Fans: "Hi Ihr alle, guten Vormittag. Der Hase ist super verschnupft, also heute Abend keine Umarmungen und Bussis. Sonst ist halb München am Rotzen ;-)" Da kann man schnell mal vergessen, dass "der Hase" weder Mensch noch Tier, sondern einfach nur eine Partyreihe ist.

Oder die Registratur: Hat man mit ihr auf Facebook Freundschaft geknüpft, ist das besser als jeder Newsletter. Man ist über sämtliche DJs informiert, die dort auflegen. Man kann gar nichts mehr verpassen.

Aber ist es nicht irgendwie ziemlich absurd, sich mit einem Club anzufreunden? Ist man nicht normalerweise mit echten Menschen aus Fleisch und Blut befreundet? Auf Facebook gibt es eben andere Regeln. Will man mittendrin, statt nur dabei sein, macht man solche Sachen und freundet sich sogar mit Gaststätten an.

Oftmals entdeckt man durch Facebook erst Partys oder Locations, die man noch nicht kannte. Weiß jemand eine gute Party, auf die er am Abend gehen wird, schreibt er das kurzerhand in seine Statusmeldung und macht so seine Freunde darauf aufmerksam. Ganz schlau macht es auch die "Rubybar", eine Interims-Location, die es ab 2. Mai in den Räumlichkeiten des "Golden Room" im Haus der Kunst geben wird: Die Betreiber haben ein Profil angelegt und machen so auf sich aufmerksam. Derzeit zählen sie täglich in ihren Statusmeldung die Tage bis zur Eröffnung herunter. "Noch 10 Tage", "Noch 9 Tage. Yeah, yeah, yeah."

Lesen Sie auf Seite 2, warum Postings mit dem Handy praktisch sind und was einem peinlich werden könnte.

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