Ganz schlimm ist für die Münchner auch, dass die Trachtendeppen nicht auf der Wiesn bleiben, sondern auch die ganze Stadt mit ihren Kostümen nerven. Nichts gehört mehr uns Einheimischen. Sämtliche Bars und Clubs sind voll von Dirndln und Lederhosen. Sollen sie uns doch im Glockenbachviertel oder in Schwabing wenigstens damit verschonen und lieber in eine der großen Hallen zum Feiern gehen, zum Beispiel in die Alte Kongresshalle. Die ist nicht weit weg von der Wiesn und da ist das kostümierte Volk schön unter sich. Oder gleich in die Kulturfabrik, die liegt noch weiter außerhalb.

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Gut, in vielen Lokalen sind Trachten durchaus erwünscht, ja fast schon Pflicht. Im "Oanser" kann man mit einer feschen Lederhosen bei den Madln durchaus landen, vielleicht sogar im ausladenden Dekolleté. Aber dass das P1 nicht unbedingt der Maßstab ist, was das Münchner Nachtleben angeht, wissen wir alle.

Kommt irgendwo eine Trachtengruppe ins Lokal, geht's dann so richtig rund. Der Alkohol fließt in Strömen. Für viele scheint die Kostümierung der Freischuss zum Abschuss zu sein. Nicht, dass man sich ohne Tracht nicht genauso gnadenlos betrinken könnte, aber vielen scheint es zu helfen, die Hemmungen fallen zu lassen. Das ist der Karnevals-Effekt, kennen wir aus Köln.

Diese After-Wiesn-Partys sind ein erschütterndes Beispiel dafür, was Alkohol aus Menschen machen kann. Sich mit Getränken zu bespritzen, auf der Bar zu strippen und allen Frauen im Vorbeigehen einen Klaps auf den Hintern oder sonst wohin zu geben, ist nur bedingt lustig. Gefährlich wird es übrigens, wenn man mit der Firma unterwegs ist. Da fällt man schon mal seinem Chef um den Hals, knutscht mit einem Kollegen und sagt der Neuen mal ganz ehrlich, was man von ihr hält.

Einige Bars und Clubs sind beim Thema Tracht jedoch unerbittlich. Da hat man schon die hübschesten Mädchen an der Tür der Favorit-Bar scheitern sehen, nur weil sie Dirndl trugen. Anfangs fanden wir das auch etwas totalitär, doch jetzt verstehen wir die Situation allmählich immer besser.

Dirndl und Lederhosen sind der absolute Mainstream geworden. Doch wie wir beobachten konnten, hat der Gegentrend schon eingesetzt. Wer als Münchner etwas auf sich hält, verweigert sich der Wiesn-Uniform. Irgendwie muss man sich ja wehren.

Die Kolumne "After Eight" erscheint jeden Donnerstag auf "München Extra", dem Stadtportal von sueddeutsche.de.

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  1. Heute geh' ich mal als Bayer
  2. Sie lesen jetzt Freischuss zum Abschuss
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(sueddeutsche.de/sonn)