Gut, früher gab es Giorgio Moroder, der seine Musik von München aus in die Welt trug. Doch im Jahr 2009 ist man nicht mehr nur auf eine einzige Musikrichtung, auf einen speziellen Stil festgelegt. Es gibt immer noch ein paar große Namen, die München mit ihrer Musik repräsentieren, etwa das Label Gomma oder DJ Hell.
Anzeige
Doch das Erstaunlichste ist: Die Münchner gehen momentan derart exzessiv aus, als gäbe es kein Morgen - trotz oder vielleicht genau wegen der Finanzkrise. Egal auf welche Art und Weise, sie wollen Spaß haben. Hauptsache Ablenkung vom tristen Alltag. Ständig auf der Suche nach einem Gefühl des Berauschtseins, nach den Schmetterlingen im Bauch.
In der Clublandschaft herrscht ein Aufbruchsgeist, wie ihn unsere Stadt schon lange nicht mehr erlebt hat. Man könnte schon fast denken, eine neue Disco-Ära breche an. Alleine am morgigen Freitag (4.9.) machen gleich drei neue Clubs auf: Der Neuraum, das Chaca Chaca und das Sugar.
Der Neuraum ist eine Großraum-Location unter dem neuen Busbahnhof an der Hackerbrücke. Die Gäste bekommen dort House auf die Ohren. Das Chaca Chaca befindet sich in der Landwehrstraße 16, will musikalisch eher elektronisch punkten, und das Sugar eröffnet in den Räumen des legendären Sugar Shack und hat sich gleich als Stil die Disco-Ära ausgesucht (Lesen Sie darüber morgen mehr auf sueddeutsche.de).
Und auch sonst ist viel in Bewegung. Seit ein paar Wochen gibt es die Flash Box unweit des Sendlinger Tors, den HipHop-Laden Chez Nous am Stachus und die Elli Disco in der Nähe vom Hauptbahnhof. Auch das Harry Klein zieht im Herbst in die Sonnenstraße, im Lehel öffnet am nächsten Wochenende Feinkost Electronica, ein Club, in dem man auch gleich noch essen kann.
So viele neue Läden auf einen Schlag, das hat München schon lange nicht mehr erlebt. Zwar muss die Registratur in wenigen Tagen für immer schließen, doch wir sind uns sicher, dass auch dieser Club bald an neuer Stelle auferstehen wird. Und wenn man heutzutage morgens um sechs Uhr zerstört und betrunken noch einen Absacker nehmen will, dann geht man eben ins Pimpernel, ins Sunshine Pub oder ins Palais. Gefeiert wird heute genauso viel und lang wie früher, nur dass die Läden andere Namen haben.
Hedonisten waren die Münchner schon seit jeher und werden es auch immer bleiben. Dass die Münchner in den Siebzigern wilder gefeiert haben als die Münchner von heute, halten wir für ein schnödes Gerücht.
Die Kolumne "After Eight" erscheint jeden Donnerstag auf "München Extra", dem Stadtportal von sueddeutsche.de.
Bookmark: www.sueddeutsche.de/aftereight
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Thema
- After Eight RSS
- Kolumne: After Eight Zeig mir deinen Biergarten ... 26.08.2009
- Kolumne: After Eight Oben ohne durch die Stadt 19.08.2009
- Kolumne: After Eight Neben der Spur 06.08.2009
- Kolumne: After Eight Auf den Sprizz gekommen 09.07.2009
- Kolumne: After Eight Haarweh und Katzenjammer 30.12.2010
- Kolumne After Eight Heute Nacht, Münchner, wird's was geben! 23.12.2010
- Kolumne After Eight Neuer Kiez, neuer Ärger 25.11.2010
(sueddeutsche.de/pfau)
Die neueste Antwort
Ich glaube nicht dass man diesen Artikel noch mit dem "Sommerloch" entschuldigen kann.
Alltag wird immer trister: Vergnügt euch schön! Das erfreut die Finanzhaie!
Nein!
Jetzt stürmen bestimmt noch mehr Trendies in Sunshine auf einen Absacker!
Bleibt uns nichts übrig?
Kann mich vorstellen das in ein paar Jahren die "New Glockenbach" Mütter versuchen da mit diese Monster Kinderwägen rein zu kommen.