Verliebte, Streitsüchtige, Stimmungskanonen: Wer nachts Tram statt Taxi fährt, kann einiges erleben. Und manchmal endet die Fahrt ganz anders als gedacht.
"Hallo, aufwachen!", raunt eine tiefe Männerstimme. Ah, nicht jetzt. Einfach zur Seite drehen und weiterschlafen, geht uns durch den Kopf. "Hallo", sagt die Stimme wieder. Was jetzt? Aufstehen? Wir blinzeln verschlafen und erblicken einen unbekannten Mann. Er trägt eine Art Offiziersmütze auf dem Kopf und lächelt. Verstört reißen wir die Augen auf. Wer ist dieser Mann? Hilfe! Was will der bloß?
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Musik gibt es nur selten in der Münchner Tram: Dieses Bild entstand bei einer "Langen Nacht der Musik". (© Foto: Hess)
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"Sie müssen jetzt aber wirklich aussteigen, Endstation", sagt er geduldig und lächelt wieder. Verdutzt blicken wir uns um. Das darf doch nicht wahr sein! Wir sitzen in einer Trambahn, in einer der hinteren Reihen. Ganz alleine im Zug. Nur der freundliche Schaffner, der mit Engelszungen auf uns einredet und uns zum Aussteigen bewegen ist, ist noch da.
Was ist passiert? Es ist Sonntagmorgen, kurz vor halb fünf Uhr, mitten in der Nacht also. Langsam fällt es uns wieder ein. Wir sind aus gewesen, im Glockenbachviertel. Eine Tour durch verschiedene Kneipen. Als wir müde und das Geld zu Ende war, blieb uns nur noch die Trambahn. Ein Taxi konnten wir uns nicht mehr leisten.
Im Grunde ist die Nachttrambahn eine solide Einrichtung, die es in München nun schon seit geraumer Zeit gibt und die sich regen Zuspruchs erfreut - zumindest unter den Jüngeren. Doch so gut und sinnvoll diese Institution auch ist, wer es sich leisten kann, nimmt meist doch lieber ein Taxi. Zumindest solange, bis das Konto gesperrt wird. Meistens ist man ja nicht mehr so fit, wenn man in den frühen Morgenstunden aus einer Kneipe oder einem Club kommt. Der Alkohol tut sein übriges. Und auf das Warten an der Haltestelle hat in diesem Zustand kaum einer noch Lust.
Wobei die Tram genauso schnell ist, wie das Taxi. Zumindest wenn man vom Sendlinger Tor nach Schwabing will. Das Taxi fährt meistens haargenau die gleiche Strecke wie die 27er Tram: Stachus, Karolinenplatz, die Barerstraße entlang, bis zum Kurfürstenplatz. Wenn man Pech hat, fährt man mit dem Taxi direkt hinter der Straßenbahn her und muss genau wie sie bei jeder Station anhalten. Der Vorteil vom Taxi ist allerdings, dass man wenigstens direkt vor der Haustür abgesetzt wird. Ins Bett sind es nur noch ein paar Schritte, die schafft man immer ohne weitere Probleme.
Wobei ein Grund, der fast schon wieder für die Trambahn spricht, das Publikum um diese Uhrzeit ist. Unglaublich, was man auf so einer Fahrt alles erleben kann. Das ist besser als jede Comedy-Show, besser als eine Vorabend-Soap, besser als Loriot, Stromberg und die Schwarzwaldklinik zusammen. Da erlebt man Emotionen pur - von Euphorie bis Verzweiflung, alles dabei.
Lesen Sie auf Seite 2, welches Gespräch uns die Schamröte ins Gesicht trieb.
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oder war nüscht los letzte Woche in DER pulsierensten und subversivsten aller Hoch- & Sub-Kulturweltmetropolen ???
Angebergeschichte!