Das waren noch Zeiten, als Kir Royal das Modegetränk der Münchner war. Der Drink dieses Sommers heißt Sprizz - und ist genauso beliebt, jedoch weniger elitär.
München hat einen Hang zu Trendgetränken. Das war früher schon so, das ist auch heute nicht anders. Keine andere Stadt in diesem Land pflegt seine Beziehung zu gewissen Alkoholika mit einer solchen Hingabe und in Form einer regelrechten Massenbewegung wie München. Oder kennen Sie eine andere Stadt, die derart eng mit einem Getränk verbandelt ist, das ihm in einer Fernsehserie ein Denkmal gesetzt wurde?
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Das ist José Garcia Hernandez, Barchef im Münchner Hotel "Mandarin Oriental". Auch er serviert seinen Gästen "Sprizz", das momentane Modegetränk. (© Foto: Rumpf)
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Aber jetzt mal von vorne: Wir befinden uns in den achtziger Jahren, Schwabing ist das Mekka der Intellektuellen, der Künstler, der Bohemiens und der Filmemacher. Die Leopoldstraße ist ungefähr das, was heute das Glockenbachviertel ist: trendig, laut, jung und etwas verrückt. Die jüngeren Münchner können sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber damals war die "Leo" noch nicht eine geballte Ansammlung amerikanischer Coffee-Shop-Ketten, Proll-Bars und Fast-Food-Restaurants. Es gab Zeiten, in denen dieses Viertel tatsächlich cool war.
Gut, das ist zwar lange her. Aber genau zu dieser Zeit, als man in Klubs ging, die "Schwabylon", "Why Not" und "Yellow Submarine" hießen, als sich die Schickeria in den Gourmettempeln "Aubergine" und "Tantris" feudale Fressorgien lieferte und als es noch Playboys wie James Graser und Gunter Sachs gab, genau zu dieser Zeit wurde in München das Getränk "Kir Royal" der Renner des Jahrzehnts.
Die Welle schwappte von der Côte d'Azur in die bayerische Landeshauptstadt. Die Zubereitung: Champagner (auf gar keinen Fall billiger Sekt!) mit einem Schuss Crème de Cassis, was nichts anderes ist als gemeiner Johannesbeerlikör. Ursprünglich war das Getränk als Aperitiv gedacht, doch bald trank man es zu jeder Gelegenheit. München war süchtig nach dem königlichen Kir.
Die Serie zum Gesöff
Das beobachtete auch Helmut Dietl, der sich ebenfalls gerne - damals noch mit Gattin Barbara Valentin - in den Schickimicki-Kreisen der Stadt herumtrieb. Er erkannte den Zusammenhang zwischen Schickeria und Kir Royal. Und ihm fiel damals auch noch ein gewisser Klatschreporter namens Michael Graeter auf, der mit seinen Geschichten über die absurde Bussi-Bussi-Gesellschaft sein Geld und einen gewissen Ruhm verdiente. Dietl haderte nicht lange mit sich und so entstand die Kultserie um den Reporter Baby Schimmerlos, die nach dem legendären Gesöff der Achtziger-Jahre-Schickeria benannt ist.
Übrigens konnten sich nicht alle Münchner damals den Champagner-Cocktail leisten - auch wenn der Rest der Republik das zu wissen glaubte. Die einfacheren Leute hatten ein anderes Lieblingsgetränk: Rüscherl, also Cognac mit Cola.
Weil die Zeiten wohl doch härter wurden und man Trends aus Italien schon immer gerne aufschnappte, wurde Anfang der neunziger Jahren Prosecco zum neuen In-Getränk. Der leicht perlende Weißwein war wesentlich billiger als Champagner und hörte sich schicker an als ordinärer deutscher Sekt. Der Prosecco-Trend schwappte übrigens zeitgleich mit der Latte-macchiato-Welle nach München. Bis dato hatte man Cappucino geschlürft, jetzt wurde es Zeit für einen neuen Kaffee.
Lesen Sie auf Seite 2, wann und wo man Perlachschorle und Hörner-Whiskey getrunken hat und was die nächsten Modegetränke sind.
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